Gaillard zum Arbeitsmarkt: «Die Lage für junge Menschen ist gut»
Aktualisiert

Gaillard zum Arbeitsmarkt«Die Lage für junge Menschen ist gut»

Die Arbeitslosigkeit ist stark gesunken – nicht zuletzt unter den Jugendlichen. Dennoch ist es für eine Entwarnung noch zu früh, sagt Serge Gaillard, Direktor Arbeit beim SECO.

von
Balz Bruppacher

Mit dem Frühling und den - hoffentlich - wärmeren Temperaturen kommt jedes Jahr das Baugewerbe in Schwung. Als Folge sinken die Arbeitslosenzahlen in der Bauwirtschaft und bei den Personalvermittlern.

Das ist auch dieses Jahr nicht anders: Die Zahl der Arbeitslosen ging im März um 6762 auf 126 392 Betroffene zurück, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) schreibt. Die Arbeitslosenquote verringerte sich von 3,4 auf 3,2 Prozent.

Nicht nur Frühlings-Effekt

«Das Erfreuliche ist, dass auch die saisonbereinigten Zahlen gesunken sind», sagt der Leiter der Seco-Direktion Arbeit, Serge Gaillard. Und zwar um fast 1200 im Vergleich zum Vormonat. Dieser Rückgang hat also nichts mit den für die Frühlingsmonate typischen Effekten auf dem Bau zu tun, sondern deutet auf eine nach wie vor robuste Konjunktur hin. Dies kommt auch darin zum Ausdruck, dass die Arbeitslosenzahlen in allen Branchen mit Ausnahme der Banken rückläufig waren.

Ist das bereits eine Trendwende? War die Prognose des Seco zu pessimistisch, dass die Arbeitslosigkeit dieses Jahr leicht steigt? «Das wird sich erst in einigen Monaten zeigen», sagt Gaillard und verweist auf die gespaltene Entwicklung der Konjunktur. Einerseits boomen die Bauwirtschaft sowie das Sozial- und Gesundheitswesen, auch dank der starken Einwanderung der letzten Jahre und den gesunden Finanzen der öffentlichen Hand. Anderseits leiden die exportorientierte Industrie, der Tourismus und der Detailhandel unter dem Anpassungsdruck des starken Frankens. «Und der Finanzplatz steht vor einer mehrfachen Herausforderung», sagt Gaillard.

Starker Franken immer noch ein Hindernis

Der oberste Arbeitsmarktspezialist des Bundes bezeichnet den Franken bei einem Euro-Kurs von 1.20 nach wie vor als stark überbewertet. Das behindere die Investitionstätigkeit in der Schweiz und trage zum starken Ungleichgewicht in der konjunkturellen Entwicklung bei.

Die Jugendlichen haben im März von der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt überdurchschnittlich profitiert. Unter den 15- bis 24-Jährigen waren noch 17 450 ohne Job – 1630 weniger als im Februar. Die Jugendarbeitslosenquote ging von 3,4 auf 3,2 Prozent zurück. «Für junge Menschen ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt sehr gut», sagt Gaillard. Wie gut, macht der Blick ins Ausland deutlich: In der EU stieg die Jugendarbeitslosigkeit im Februar auf 22,4 Prozent. Und selbst die tiefsten Raten in Deutschland, Österreich und in Holland waren fast drei Mal so hoch wie jene in der Schweiz.

Kurzarbeit: Anstieg auf tiefem Niveau

Deutlich gestiegen ist hingegen die Kurzarbeit. Im Januar – neuere Zahlen liegen nicht vor – nahm die Zahl der ausgefallenen Stunden um mehr als die Hälfte auf 444 695 zu. Das war auch ein Drittel mehr als vor einem Jahr. Der Anstieg erfolgte aber auf einem sehr tiefen Niveau. Gaillard misst der Entwicklung deshalb keine besondere Bedeutung bei. Zumal bei den Voranmeldungen für Kurzarbeit keine starken Bewegungen beobachtet werden.

Steigende Kurzarbeit kann in Zeiten der Konjunkturabschwächung insofern auch ein positives Signal sein, als die Unternehmen nur von einem vorübergehenden Rückgang der Beschäftigung ausgehen.

Stichwort Kurzarbeit

Mit der Einführung von Kurzarbeit wird verhindert, dass Unternehmen bei schlechter Auftragslage umgehend Angestellte entlassen. Die Arbeitslosenversicherung entschädigt den Arbeitgebern maximal 18 Monate lang 80 Prozent der ausgefallenen Arbeitsstunden.

Dank der Einführung von Kurzarbeit bleibt den Betrieben das Fachwissen erhalten: Sie erhalten Sicherheit für ihre Planung und können die Angestellten bei verbesserter Auftragslage rasch wieder vollumfänglich einsetzen. Die Einführung von Kurzarbeit erfordert eine Bewilligung vom Kanton.

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