01.04.2020 14:19

Psychische Belastung

«Die Landbevölkerung ist krisenresistenter»

Psychiater Felix Walter begleitet die Walliser Bevölkerung durch die aktuelle Krise. Für ihn ist klar: Je länger der Ausnahmezustand dauert, desto nötiger wird die psychologische Betreuung.

von
miw
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Für Psychiater Felix Walter, Leiter des Psychiatriezentrums Oberwallis, ist klar: «Eine zeitlang kann die aktuelle Situation noch einem Abenteuer gleichkommen.» Irgendwann werde die unfreiwillige Isolation und das Ausbleiben der gewohnten Alltagsrituale jedoch zur Belastung: «Der Druck auf dem Deckel steigt.»

Für Psychiater Felix Walter, Leiter des Psychiatriezentrums Oberwallis, ist klar: «Eine zeitlang kann die aktuelle Situation noch einem Abenteuer gleichkommen.» Irgendwann werde die unfreiwillige Isolation und das Ausbleiben der gewohnten Alltagsrituale jedoch zur Belastung: «Der Druck auf dem Deckel steigt.»

jan Woitas
Die Walliser Klinik plant deshalb, noch diese Woche eine Hilfe-Hotline für die lokale Bevölkerung einzurichten.

Die Walliser Klinik plant deshalb, noch diese Woche eine Hilfe-Hotline für die lokale Bevölkerung einzurichten.

«Die Mitarbeiter unseres Care-Teams, die sonst bei Notfällen ausrücken, bieten via Telefon eine psychologische Erstversorgung an», sagt Walter. Am Mittwoch wird sie nun erstmals in Betrieb genommen, dann ist das Telefon (027 604 39 88) am Montag, Mittwoch und Freitag jeweils nachmittags besetzt.

«Die Mitarbeiter unseres Care-Teams, die sonst bei Notfällen ausrücken, bieten via Telefon eine psychologische Erstversorgung an», sagt Walter. Am Mittwoch wird sie nun erstmals in Betrieb genommen, dann ist das Telefon (027 604 39 88) am Montag, Mittwoch und Freitag jeweils nachmittags besetzt.

Die anhaltende Krise und das Leben in der Quarantäne verlangt von unserer Psyche so einiges ab. Bei der Dargebotenen Hand etwa muss derzeit in Sonderschichten gearbeitet werden, der Rat eines Seelendoktors ist aktuell besonders gefragt.

So hat man etwa auch im Psychiatriezentrum Oberwallis mehr als üblich zu tun. «Die anhaltende Ungewissheit ist ein grosser Stressor für viele», sagt der Klinikleiter Felix Walter. Die Walliser Klinik plant deshalb, noch diese Woche eine Hilfe-Hotline für die lokale Bevölkerung einzurichten. «Die Mitarbeiter unseres Care-Teams, die sonst bei Notfällen ausrücken, bieten via Telefon eine psychologische Erstversorgung an.» Am Mittwoch wird sie nun erstmals in Betrieb genommen, dann ist das Telefon (027 604 39 88) am Montag, Mittwoch und Freitag jeweils nachmittags besetzt.

Die Gefahr der andauernden Belastung

Für Psychiater Walter ist nämlich klar: Je länger diese Krise andauert, desto nötiger wird die emotionale Unterstützung durch Fachpersonen sein. «Eine zeitlang kann eine solche Situation noch einem Abenteuer gleichkommen.» Irgendwann werde die unfreiwillige Isolation und das Ausbleiben der gewohnten Alltagsrituale jedoch zur Belastung: «Der Druck auf dem Deckel steigt.»

Landbevölkerung ist krisenerprobter

Klar sei dies von Charakter zu Charakter sehr unterschiedlich: «Jede Persönlichkeit geht anders mit einer solchen chronischen Belastung um», weiss Walter.

Durch langjährige Erfahrung weiss Felix Walter auch, dass nicht nur die Veranlagung eine Rolle spielt. Gemäss seinen Beobachtungen hat auch die Herkunft einen Einfluss auf die Krisenresistenz: «Gerade im ländlichen Raum wie im Wallis können die Leute besser mit einer solchen Ausnahmesituation umgehen», sagt Walter. Von klein auf sei man es sich hier gewohnt, der Natur ein Stück weit ausgeliefert zu sein. Lawinen im Goms, Erdrutsche im Lötschental: Das Abgeschottetsein sei hier bereits besser erprobt. «Bei der städtischen Bevölkerung herrscht eher eine Versorgungsmentalität», sagt Walter.

Mehr Stress in Deutschland

Auch spürt der gebürtige Deutsche einen Unterschied zwischen der Stimmung in seinem Heimatland und jener in der Schweiz: «Meine Berufskollegen in Deutschland haben bereits mehr zu tun.» Er glaubt, Schweizer würden schneller Eigenverantwortung übernehmen, hierzulande sei alles autonomer. «Eigeninitiative hilft schliesslich jedem, Ausnahmesituationen besser zu meistern», sagt Walter.

Damit einem die Decke möglichst nicht auf den Kopf fällt, rät der Doktor zur Kommunikation: «Wir Menschen sind sehr soziale Tiere, das Kommunizieren ist jetzt das A und O.» Gleichzeitig sei es auch wichtig, sich trotz begrenzter Platzmöglichkeiten einen Rückzugsort zu schaffen, um abzuschalten und durchzuatmen.

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