Das Game und der Tod: Die Lehre vom Scheitern
Aktualisiert

Das Game und der TodDie Lehre vom Scheitern

20 Minuten hat sich ans Sterben gemacht: In Frankfurt konnte unser Gamejournalist das Spiel «Dark Souls 2» anspielen. Beinahe hätte er ins Gamepad gebissen.

von
Jan Graber
Frankfurt

«IHR SEID GESTORBEN». Zum etwa zehnten Mal lese ich diesen Satz. Seit Spielbeginn sind keine zwanzig Minuten vergangen. Mein Held glich allerdings schon nach dem ersten Ableben einem Stück vergammeltem Käse.

Der Ort: Schlosshotel Kronenberg in der Nähe Frankfurts, in das der Publisher Namco Bandai ein Handvoll Journalisten eingeladen hat und wo gezeigt werden soll, dass mit «Dark Souls 2» das härteste Spiel der Gegenwart erscheinen wird. Ein Spiel, das an Zeiten erinnern will, als Gamen noch Knochenarbeit war und sich Spiele nicht mittels Wisch mit der einen und einem Schluck Macchiato mit der anderen Hand erledigen liessen.

Kinderspiel mit Level 838

Tatsächlich ist «Dark Souls 2» so hart, dass selbst Publishing-Producer Takeshi Miyazoe, bei der Vorstellung des Action-Hack'n'Slay-Games schummelt: Er spielt mit seinem Helden auf dem absurden Level 838, mit dem er einen der fast unbezwingbaren Endgegner mit gerade mal drei Schlägen zu Fall bringt. Normale Spieler beginnen auf Level eins. Wenn sie auf den ersten Boss treffen, sind sie nicht viel weiter aufgestiegen.

Takeshi Miyazoe, würden Sie selbst «Dark Souls 2» spielen?

Takeshi Miyazone: Ich denke schon. Das Game bietet eine unglaubliche Befriedigung – wenn man es schafft, weiterzukommen.

Die Härte des Spiel frustriert doch eher?

Aber der Spieler möchte es trotzdem immer wieder versuchen, weil die emotionale Belohnung bei Erfolg enorm ist. Die Schwierigkeit liegt darin, aus den eigenen Fehlern die richtigen Schlüsse zu ziehen und dann zu siegen.

Tatsächlich mühe auch ich mich wiederholt mit den gleichen Gegnern ab. Dabei hilft auch nicht, dass jeder Gegenstand, den mein immer käsiger aussehender Held benutzt hat, bei der Wiedergeburt unwiederbringlich verloren bleibt. Seine Klinge wird auch immer stumpfer und mit jedem neuen Leben hat er bisschen weniger Lebenssaft. Kurz: Statt leichter wird das Spiel härter und am Ende beinahe unmöglich zu meistern. Ein Neubeginn mit einem neuen Helden ist die einzige Lösung.

Verzweiflung auf dem Schloss

Während die Anwesenden zu Beginn der Spielsession im Schlosshotel noch ruhig spielen und ich mich schon wundere, ob ich der Einzige bin, der aus Verzweiflung ins Gamepad beissen möchte, kommt bald Leben in die Bude:

- Der Journalist an meiner rechten Seite atmet plötzlich immer schwerer.

- Aus den Tiefen des Raums erklingt vermehrt ein: «Nein, nicht schon wieder!»

- Ein Spieler steht auf und zeigt dem Bildschirm den Mittelfinger.

- Einer zum anderen, verzweifelt: «Ich habe dir doch gezeigt, wies geht! Wieso machst dus nicht so!?»

- Ich höre bitteres, sarkastisches Lachen.

- Ich sehe andere, die still leiden, verkrümmt vor dem Bildschirm, ihre Finger ins Gamepad gekrallt. So sieht echtes Leiden eines Gamers aus.

Takeshi Miyazoe, wieso entwickelt From Studio ein solches Game in einer Zeit, in der sich zugängliche Spiele viel besser verkaufen?

Wir wollten das Gefühl alter Spiele aufleben lassen, als es sich gut anfühlte, wenn man ein schwieriges Game geschlagen hatte. Die alten Spiele waren jedoch oft unfair. Wir versuchen, fair zu bleiben.

Verkaufen wird sich das Spiel aber kaum.

Es handelt sich zugegebenermassen um eine Nischenprodukt für ein Hardcore-Publikum. Trotzdem fand schon der erste Teil von «Dark Souls» viele Anhänger. Wir waren vom Erfolg selbst überrascht.

Nach ein paar Stunden haben die meisten ihre Gamepads mehrere Male entnervt hingeschmissen und sind aufgesprungen, um ihrer Verzweiflung Luft zu verschaffen. Auf den Gesichtern steht zwischen Konsternation und fiesem Grinsen alles geschrieben und hinter denjenigen Spielern, die mit «Dark Souls 2» klarkommen, beginnen sich Trauben zu bilden.

Auch ich stehe dabei und sehe, wie einer der Journalisten einem Bossgegner in perfekter Manier ausweicht, pariert, zuschlägt – und stirbt. X-fach. Bis er den Gegner schliesslich doch zu Fall bringt. Auf meinem Bildschirm ist etwa hundertsten Mal in grossen Lettern zu lesen: «IHR SEID GESTORBEN». Die Lust aufs Weiterspielen jedoch lebt.

Gametrailer zu «Dark Souls 2»

(Video: Youtube.com)

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