Bankengründung: Die leise Rückkehr des Thomas Matter

Aktualisiert

BankengründungDie leise Rückkehr des Thomas Matter

Zwei Vielgescholtene sind zurück im Business. Der Ex-Swissfirst Chef Thomas Matter gründet eine neue Bank. Mit an Bord ist auch Ex-UBS-Chef Marcel Rohner.

von
Sandro Spaeth
Thomas Matter, Philppe Gaydoul und Marcel Rohner

Thomas Matter, Philppe Gaydoul und Marcel Rohner

Die Vorwürfe um Betrugsfälle bei der Swissfirst Bank kosteten Thomas Matter den Job als CEO. 2006 trat er – selbst Gründungsmitglied von Swissfirst – zurück. Die Vorwürfe wegen Veruntreuung, Bestechung und Insiderhandel hatten den gebürtigen Baselbieter mürbe gemacht. Im Nachgang fiel die Bank Swissfrist auseinander. Matters Lebenswerk war zerstört.

Nun ist Matter wieder zurück im Geschäft. Er hat mit Partnern eine eigene, noch namenlose Bank gegründet. Das Aktienkapital beträgt 20 Millionen Franken und ist zur Hälfte in Gold angelegt. Die Bank, die ihre Zelte im Zürcher Seefeld aufschlägt, will sich auf die drei Geschäftsbereiche Anlageberatung, Vermögensverwaltung und Unternehmensfinanzierung spezialisieren. Gestartet wird im ersten Quartal 2011 mit rund 30 Mitarbeitern. Matters Bank sieht sich als Institut von Unternehmern für Unternehmen. Auf die Geschäftsidee kam der Unternehmer, weil er mit seiner Matter Group selber schlechte Erfahren mit Banken machte. Die Kundenberater seien gar nicht auf seine Wünsche eingegangen oder hätten zu wenig von der Materie verstanden, so Matter im Geldmagazin «Private».

Buchautor und Banker

Matters Ruf als Banker hat durch den Swiss-First-Skandal zwar gelitten, ist aber wieder einigermassen hergestellt: Nach zweijährigen Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft 2008 das Strafverfahren eingestellt. Seine Unschuld beteuert Matter auch in seinem 2007 erschienen Buch «Swissfirst – Die verlorene Ehre einer Schweizer Bank». Zuletzt in Erscheinung trat der umtriebige Unternehmer im Abstimmungskampf um die Steuergerechtigkeitsinitiative. Er war Initiator der Interessengemeinschaft «Schweizer Unternehmer gegen wirtschaftsfeindliche Initiativen».

Zielkunden der Matter-Bank sind u.a. Firmen wie die Gaydoul Group von Denner-Erbe Philippe Gaydoul. Der heute 38-Jährige veräusserte seinen Discounter 2007 an die Migros und strich dafür geschätzte 850 Millionen Franken ein. Seither kauft sich Gaydoul unter anderem das Schuhlabel Navybooot, den Strumpfhersteller Fogal, die Marke Jet Set und nun auch noch einen Teil einer Bank. Gaydoul ist über seine Gaydoul Group mit 9,5 Prozent an der neuen Bank von Thomas Matter beteiligt.

Man kennt sich vom Club

Die Beziehungen zwischen Matter und Gaydoul sind eng. So sitzt Matter bereits seit 2007 im Verwaltungsrat der Gaydoul Holding. Gaydoul soll zudem auch Matters Interessengemeinschaft gegen wirtschaftsfeindliche Initiativen unterstützt haben. Die beiden sitzen zusammen im einflussreichen «Club zu Rennweg», in dem sich die Schweizer Wirtschaftselite versammelt. Für seine Bank konnte Matter noch einen weiteres Mitglied des exklusiven Clubs gewinnen: den ehemalige UBS-Konzernchef Marcel Rohner, der 5 Prozent am Aktienkapital von Matters Bank besitzt.

Rohner trat im Februar 2009 nach herber Kritik als CEO der UBS zurück und wurde durch Oswald Grübel ersetzt. Rohner galt quasi als Schuldiger für die Verfehlungen der UBS in Nordamerika – obwohl die Finma keine Anzeichen dafür fand, dass Rohner unterrichtet war, wie riskant seine Angestellten im US-Investmentbanking agierten. Nach seinem Aus bei der UBS versuchte Rohner sein Glück im Immobilienbusiness. Seit Dezember amtet Rohner zudem als Verwaltungsrat bei Nationalrat Ulrich Giezendanners Lastwagenfirma.

Noch mehr Banken

Die Gründung der neuen «Matter-Bank» reiht sich in eine ganze Reihe von neuen Finanzinstituten ein. Erst vor wenigen Wochen öffnete auf dem Finanzplatz Zürich die Bank Gutenberg ihre Tore. Sie sieht sich als Depotbank für Vermögensverwalter und Dienstleister für wohlhabende Personen. Und auch in Genf tut sich einiges: Dort haben zwei ehemalige UBS-Mitarbeiter vor einem Jahr die Banque Pâris Bertrand Sturdza gegründet, die sich auf wohlhabende Privatkunden und Family Offices spezialisiert hat. Vor kurzem erhielt zudem das Genfer Finanzinstitut Reyl & Cie von den Behörden eine Banklizenz.

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