Die letzte Gauloise ist noch nicht geraucht
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Die letzte Gauloise ist noch nicht geraucht

Vom 1. Januar an darf in Frankeichs Bars offiziell nur noch in speziellen Raucherkabinen gequalmt werden. Ob die freiheitsliebenden Franzosen da mitmachen werden, steht aber auf einem anderen Blatt. Zumal auch die Polizei keinerlei Lust hat, auf Raucherjagd zu gehen.

«Ich werde mich einen Dreck um das Gesetz kümmern, die spinnen doch in der Regierung», schimpft Anne Lemèl. «Ein Eingriff in die persönliche Freiheit, das lass ich mir nicht gefallen.» Heftig zieht sie an ihrer Marlboro. «Ausserdem ist das hier kein Restaurant, die Kunden sind doch schnell wieder draussen. Wem schadet es? Niemandem!»

Die Besitzerin einer kleinen Tabac-Bar in Versailles kann sich nicht beruhigen. Der Grund: Wie in mehreren deutschen Bundesländern gilt ab dem 1. Januar auch im Land der Gauloises ein striktes Rauchverbot, auch in allen Cafés, Bars und Restaurants.

Das Gesetz stammt noch von der vorherigen Regierung, sie folgte damit dem Beispiel mehrerer europäischer Staaten von Italien bis Schweden. In öffentlichen Einrichtungen und am Arbeitsplatz ist der blaue Dunst schon seit elf Monaten Tabu. Die (rauchende) Bevölkerung hat es bislang fast klaglos hingenommen, obwohl die Gauloise zu Pastis oder Rotwein bislang eine Art Kulturgut war, Kettenraucher Jean-Paul Sartre würde sich vermutlich im Grab umdrehen.

Wütend sind die Besitzer der 19.000 Tabac-Bars im Land, nahezu den einzigen Orten, an denen in Frankreich Zigaretten verkauft werden. Etliche fürchten um ihre Existenz. Denn den Kiosken ist stets ein kleiner Schankraum angeschlossen, mit dem die Betreiber den Grossteil ihres Umsatzes machen. Und zwar mit rauchenden Kunden, die nach Einführung des Verbotes ausbleiben könnten. Die Vorschrift, ein Raucherraum mit separatem Luftabzug einzurichten, halten sie für nicht umsetzbar.

Ende November demonstrierten in Paris 10.000 Menschen gegen das Verbot. Doch die Regierung gibt sich bislang weitgehend unnachgiebig. Von einer «totalen Blockade» sprach der Präsident des Tabakhändlerverbandes, René Le Pape, nach einem Treffen mit Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot.

Diese beruft sich auf die Schreckensbilanz der Tabakopfer. Nach offiziellen Angaben sterben in Frankreich in jedem Jahr 66.000 Menschen an den Folgen des Rauchens, darunter 5.000 Passivraucher. Und auf die Rückendeckung von Präsident Nicolas Sarkozy hofften die Bar-Betreiber vergebens, obwohl der gelegentliche Zigarrenqualmer im Wahlkampf erklärte: «Es ist schon merkwürdig, dass man dort nicht mehr rauchen darf, wo man seine Zigaretten kauft.»

Gleichwohl ist die letzte Gauloise noch lange nicht geraucht, denn wie Bar-Frau Anne Lemèl wollen viele das Gesetz erstmal ignorieren. Zwar hat die Regierung ein entschlossenes Vorgehen angekündigt und droht mit hohen Geldstrafen. Bei der Polizei stösst dies allerdings nicht auf ungeteilte Rückhaltung. «Wir werden zum neuen Jahr wohl erstmal wichtigeres zu tun haben, als das Rauchverbot zu überprüfen», sagt Olivier Damien von der Polizeigewerkschaft. Und mit Blick auf die angespannte Lage in vielen Vorstädten fügt er hinzu: «Es lohnt sich wohl kaum, wegen einer Zigarette den Ausbruch neuer Unruhen zu riskieren.» (dapd)

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