23.04.2014 21:34

UkraineDie letzten Worte des entführten US-Journalisten

Der Reporter Simon Ostrovsky wird seit Dienstag von prorussischen Kräften festgehalten. Noch kurz vor seiner Gefangennahme twitterte er Beunruhigendes.

von
bat

Simon Ostrovsky scheut keine Konfrontationen. Seit Wochen berichtet der Reporter des Magazins «Vice» über die Ereignisse in der Ukraine und geht auch mal dahin, wo es gefährlich wird. Das wurde ihm nun zum Verhängnis. Seit Dienstag halten ihn prorussische Kräfte fest, weil er «negativer Aktivitäten verdächtigt» wird. Dies sagte eine Sprecherin der prorussischen Aufständischen in Slowjansk gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Ostrovsky werde in der besetzten örtlichen Zentrale des ukrainischen Sicherheitsdienstes SSU festgehalten. Ihm gehe es gut.

Noch am Montag twitterte Ostrovsky, dass der prorussische Bürgermeister von Slowjansk damit drohe, Journalisten aus einer Pressekonferenz zu werfen, sollten sie «provokative Fragen» stellen.

Eine Frau beschimpfte dabei offenbar die Journalisten und sammelte gleichzeitig Geld für eine Beerdigung:

Nach der Pressekonferenz vom 21. April forderte der Bürgermeister die Journalisten auf, den Raum «in einer Gruppe» zu verlassen. Nur so könne für ihre Sicherheit garantiert werden. Seitdem gibt es keine neuen Twitter-Einträge mehr auf Ostrovskys Konto.

Laut dem «Bild»-Reporter Paul Ronzheimer behauptet die Sprecherin des selbst ernannten «Bürgermeisters» von Slowjansk, Wyatscheslaw Ponomarew, dass Ostrovsky im Verdacht stehe, Spion des rechten Sektors zu sein:

Gemäss der russischen Zeitung «Gaseta» telefonierte Ponomarew während einer Pressekonferenz mit den Eltern des Journalisten und teilte ihnen mit, dass es ihrem Sohn gutgehe.

In einem kurzen Statement auf seiner Website äusserte sich auch das «Vice»-Magazin zur Entführung. «‹Vice› ist in Kontakt mit dem US-Aussenministerium und anderen Regierungsstellen, um die Sicherheit unseres Freundes und Kollegen sicherzustellen», heisst es.

Ostrovsky machte sich in den vergangenen Wochen vor allem durch seine Videos aus der Ich-Perspektive über die Ereignisse in der Ukraine einen Namen. Er berichtete unter anderem für die Nachrichtenagentur AFP, die «BBC Newsnight» und Al Jazeera. Vergangenen März gab er der Huffington Post ein Interview. «Vice News erzählt keine anderen Geschichten als die restlichen Korrespondenten», sagt er. «Wir erzählen sie einfach aus einer anderen Perspektive.» Er suche nicht jeden Tag nach der grossen Schlagzeile.«Ich berichte darüber, was gerade passiert und was ich gerade sehe.»

Von Berkut attackiert

Dabei wird es für Ostrovsky auch mal ungemütlich. Bei einem Checkpoint der Spezialeinheit Berkut wurden er und sein Team tätlich angegriffen. Dem Kameramann gelang dabei die Flucht, Ostrovsky selber wurde für einige Minuten festgehalten, befragt und dann – anders als im aktuellen Fall – wieder freigelassen. Wo sich Ostrovsky zurzeit befindet, ist unklar.

Ostrovsky ist nicht der erste Journalist, der in der Ukraine entführt wurde. Die «Kyiv Post» veröffentlicht eine Liste mit elf Personen, die in der vergangenen Woche im Osten der Ukraine entführt worden sind, darunter auch Journalisten. Einige sollen wieder freigelassen worden sein, zwei Männer wurden tot aufgefunden.

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