Interview: «Die Leute filmen mich»
Aktualisiert

Interview«Die Leute filmen mich»

der londoner musiker Example ist mit «Changed The Way You Kiss Me» schon so gross, dass ihn seine fans selbst beim essen beobachten.

von
Martin Fischer

Example, du komponierst, singst, rappst, drehst eigene Videos. Kannst du dich in Prozente aufteilen? Wie viel von was bist du?

Ich würde sagen: 40 % Rapper. 30 % Sänger. 10 % Schauspieler.

Jetzt sind wir bei 80 %.

Dann noch 10 % Jogger und 10 % Schwimmer.

Ziemlich laut bei dir. Wo steckst du gerade?

Am Flughafen in London. Ich fliege nach Mallorca für ein Konzert. Und am gleichen Abend weiter nach Ibiza für eine zweite Show.

Oh, klingt nach Spass!

Naja, nicht wirklich. Wenn du Flugzeuge und Flughäfen magst, dann ist es grossartig. Aber ich steh da nicht so drauf.

Abgesehen vom Fliegen, zwei Gigs an

einem Abend sind doch toll.

Es sird sicher lustig. Auf Mallorca spiele ich in einem Hotel vor 4000 richtig betrunkenen Engländern. Und nachher im Eden Club auf Ibiza, dort werdens wohl wieder 4000 so richtig betrunkene Engländer sein.

Was war dein verrücktester Gig

in letzter Zeit?

Wir haben im Sommer sehr viel gespielt: Glastonbury, V Festival, Portugal, Spanien, überall wars crazy.

Wie crazy?

Auf Ibiza etwa: Beim Konzert war vor der Bühne richtig viel los, ein echter Moshpit. Wir spielten gerade meine neue Single «Stay Awake», und plötzlich ist einem Jungen der Knochen aus dem Arm gesprungen, er hatte sich den Arm gebrochen. Er blutete fürchterlich!

Was? Krass.

Ja, und nachher versuchten ihn die Securitys aus dem Publikum zu heben und packten ihn voll am gebrochenen Arm.

Und du hast einfach weitergespielt?

Ich musste, da waren 50 000 Leute, die unterhalten werden wollten. Ich kann doch nicht abbrechen wegen einem Jungen, der sich den Arm bricht. Das passiert bei meinen Gigs ständig, you know! (lacht)

Deine Single «Changed the Way You

Kiss Me» wurde ein Welthit. Was hat sich seither für dich verändert?

Alles. Ich werde überall erkannt, egal, wohin ich gehe.

Wie findest du das?

Es macht mir nichts aus. Aber neulich habe ich mich schon gefragt. Wenn ich in einem Restaurant esse, filmen mich die Leute sogar! Ich meine: Warum zum Teufel sollte mich jemand beim Essen filmen? Schräg.

Was hast du gegessen?

Japanisch. Das ist tricky, mit den Stäbchen. Glaubs mir, niemand will beim Japaner gefilmt werden!

Mit deinem Erfolg kannst du richtig happy sein. Deine Musik ist aber ziemlich schwer und düster.

Ich bin ein sehr fröhlicher Typ. Aber auch ich habe Momente, wo es mir mies geht. Und dann mache ich einen Song daraus. Dunkle Musik ist für mich viel interessanter und emotionaler als fröhliche. Ich will düstere Musik machen, die dich aber nicht runterzieht, sondern pusht.

Geht das?

Klar, Grungebands machen das, zum Beispiel. Dance-Musik ist meistens fröhlich, wie das ganze David-Guetta-Zeugs. Ich stehe auf Mollakkorde und viel Aggressi­vität. Dubstep und Trance funk­tionieren super für mich.

Du hast mit einigen Dubstep-Produzenten gearbeitet, auch mit Professor Green. Mit wem wars am lustigsten?

Mit Skream ist es toll zu arbeiten. Er ist ein guter Freund von mir.

Er will den Song in zwei Stunden fertig haben und dann raus und sich volllaufen lassen.

Und, schafft ihr das?

Ja, in zwei Stunden kriegen wir einen Track hin. Einen guten Track!

Auf Twitter hast du gerade eine Diskussion über Deo losgetreten. Worum gehts da?

Ich habe gestern Nacht nicht zu Hause geschlafen. Und am Morgen brauchte ich Deo. Da nahm ich, was rumstand, also Frauendeo.

Und jetzt bist du Frauendeo-Fan.

Ja, ich finde, dass viel zu wenige Männer Frauendeo benutzen. Die riechen viel frischer und sauberer. Männerdeos sind billig. Echte Männer benutzen Frauendeo!

Lautes Schattentheater

Elliot Gleave, 29, aka Example hatte 2006 einen Mini-Hit mit einem Rap-Remix von Lily Allens Song «Smile». 2010 kam er in England mit der Single «Kickstarts» in die Charts. Nun startet er mit dem neuen Album und dem Hit «Changed the Way You Kiss Me» auch in Europa, Australien und Asien durch. Sein Mix aus Brit-Rap, hartem Dubstep und rave­igen Melodien kickt richtig rein.

Deine Meinung