Stadt Zürich: «Die Leute haben Werbung einfach satt»
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Stadt Zürich«Die Leute haben Werbung einfach satt»

Mit Werbescreens und Plakatdrehsäulen will die Stadt Zürich ab 2016 neue Einnahmequellen erschliessen. Die IG Plakat Raum Gesellschaft lanciert dagegen eine Petition.

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fro
Solche LCD-Werbebildschirme sollen ab 2016 nicht nur im Zürcher Hauptbahnhof hängen, sondern auch auf öffentlichen Plätzen aufgestellt werden.

Solche LCD-Werbebildschirme sollen ab 2016 nicht nur im Zürcher Hauptbahnhof hängen, sondern auch auf öffentlichen Plätzen aufgestellt werden.

Am Zürcher Hauptbahnhof sind LCD-Werbebildschirme bereits gang und gäbe. Nun sollen auch auf öffentlichem Grund welche her: Der Stadtrat hatte im März bekanntgegeben, dass er ab 2016 zehn LCD-Webscreens und dreissig Plakat-Leuchtdrehsäulen plant. Die gesamten Investitionskosten betragen einmalig rund 1,15 Millionen Franken. Dafür winken dann jedes Jahr Mehreinnahmen von 1,5 Millionen Franken.

Wenig begeistert über die Pläne ist man bei der Interessengemeinschaft Plakat Raum Gesellschaft (IG PRG) – sie kämpft nun mit einer Petition dagegen: «Studien zeigen, dass die Leute Werbung einfach satt haben», sagt Christian Hänggi, Präsident der IG PRG. Es gebe in Zürich bereits genug Werbung. Zudem würde die Stadt austauschbar, wenn überall Werbung hänge. Hänggi: «Das wollen wir in Zürich aber nicht – unsere Stadt soll einzigartig bleiben.»

Umfrage sei manipulativ

Die IG PRG gehe von einer groben Fehlleistung des Stadtrates aus. «Die Umfragen, auf denen ihr Entscheid basiert, sind manipulativ und zielen klar auf eine positive Bewertung ab», sagt Hänggi. Die Fragen würden so gestellt, dass die gewünschte Antwort gegeben wird. «Ich habe selber bei einer solchen Umfrage mitgemacht.»

Weiter kritisiert wird die Auswertung der Energiebilanz. «Sie ist nicht öffentlich und lückenhaft», sagt Hänggi. Zum einen wurde die graue Energie nicht erfasst, also die Herstellung, der Transport und die Entsorgung der Ressourcen. Ausserdem habe die Stadt bereits einen Testversuch in den vergangenen zwei Jahren durchgeführt. «Da dieser nicht richtig abgelaufen ist, müssen sie ihn wohl nochmal machen – das kann doch nicht sein», so Hänggi.

Bilanz ist Teil der Auflage

Laut Matthias Wyssmann, Sprecher des Hochbaudepartements, sei es Teil der Auflage, dass der Betreiber der LCD-Werbebildschirme nach dem ersten Jahr eine Ökobilanz zieht. «Dadurch kann die Stadt entscheiden, ob in Zukunft weitere Anlagen gebaut werden können oder nicht», so Wyssmann. «Diese Bilanz wird nach dem ersten Jahr auf jeden Fall offen gelegt.»

Auch die Antworten der Umfrage seien für die Bevölkerung frei zugänglich. Dadurch könne sich jeder selber ein Bild über die Auswertung machen. «Die Umfrage war sicher nicht manipulativ angelegt», sagt Wyssmann. «Natürlich haben die Teilnehmer Werbung auch kritisch bewertet. Aber die Bürger können abwägen, dass Werbung für die Stadt Einnahmen generiert und wichtig ist für Handel und Gewerbe.»

Zudem ist das Hochbaudepartement davon überzeugt, dass Werbung ein Kulturgut ist. «Sie belebt unsere Stadt», sagt Wyssmann. «Aber sie darf nicht omnipräsent sein. Deshalb wählen wir Standorte äusserst sorgfältig.»

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