Abfall-Ärger: «Die Leute kaufen bio und verschandeln die Natur»

Aktualisiert

Abfall-Ärger«Die Leute kaufen bio und verschandeln die Natur»

Flaschen, Matratzen und Metall: An der Goldach sammelt sich haufenweise Abfall an. Ein Einheimischer räumt deshalb auf eigene Faust auf.

von
juu
1 / 6
Der 50-jährige M. B.* hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Goldach vom Abfall zu befreien.

Der 50-jährige M. B.* hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Goldach vom Abfall zu befreien.

privat
Allein der Plastik, den B. in den letzten drei Monaten im Tobel gesammelt hat, füllt 40 Säcke à 60 Liter: «Hauptsächlich sind es PET-Flaschen und Schüsseln, aber auch viele Verpackungsreste.»

Allein der Plastik, den B. in den letzten drei Monaten im Tobel gesammelt hat, füllt 40 Säcke à 60 Liter: «Hauptsächlich sind es PET-Flaschen und Schüsseln, aber auch viele Verpackungsreste.»

privat
Auch viel Altmetall fischt B. aus dem Tobel, manchmal ganze Velos, Rohre oder Matratzen.

Auch viel Altmetall fischt B. aus dem Tobel, manchmal ganze Velos, Rohre oder Matratzen.

privat

Vor rund drei Monaten hat M. B.* begonnen, die Goldach Abschnitt für Abschnitt zu säubern. Der 50-jährige Dekorationsgestalter aus Rorschach SG möchte anonym bleiben: «Es geht nicht um mich, sondern um die Sache», sagt er.

Er sei total geschockt gewesen über die Mengen, die er in den ersten Tagen gesammelt habe, sodass er weitergemacht habe.

Allein der Plastik, den B. an der Goldach aufgelesen hat, füllt 40 Säcke à 60 Liter: «Hauptsächlich sind es PET-Flaschen und Schüsseln, aber auch viele Verpackungsreste.» Bedenklich findet B., dass selbst Flaschen von Bio-Getränken zurückbleiben: «Die Menschen geben sich umweltbewusst, handeln aber oft nicht so.» Auch viel Altmetall fischt B. aus dem Tobel, manchmal ganze Velos oder Matratzen.

Im Naherholungsgebiet vor den Toren St. Gallens halten sich an einem Wochenende zahlreiche Erholungssuchende auf. Manchmal suche er das Gespräch mit den Leuten, sagt M. B., seine Erfahrungen seien jedoch durchzogen. Bei Wanderern stosse er mit seinem Engagement meistens auf Verständnis. Bei den Jugendlichen hingegen habe er es aufgegeben. «Reden bringt da nichts», so sein Urteil. Hier fehle das nötige Verantwortungsbewusstsein.

Von Gemeinde unterstützt

Da sich der Müll vor allem im Sommer ansammelt, ist der 50-Jährige derzeit fast täglich unterwegs. Ständig komme neuer Abfall hinzu. «Solange sich an der Einstellung der Menschen nichts ändert, werde ich an der Goldach allein nicht fertig», sagt er. Er appelliert deswegen an die Ausflügler, nicht nur auf sich selbst zu schauen, sondern die Augen offen zu halten: «Wenn man Abfall sieht, sollte man diesen entsorgen, egal ob es der eigene ist oder nicht.»

Sein Engagement wird von den lokalen Behörden geschätzt. In Mörschwil darf er den gesammelten Müll gratis im Werkhof entsorgen. Für Paul Bühler, Gemeindepräsident von Mörschwil, eine Selbstverständlichkeit: «Ich finde es eine tolle Aktion und bin dankbar, dass es Menschen wie Herrn B. gibt.»

*Name der Redaktion bekannt

Deine Meinung