Rentnerin protestiert gegen Verbot: «Die Leute klatschen nun, wenn die Schiffe hornen»
Aktualisiert

Rentnerin protestiert gegen Verbot«Die Leute klatschen nun, wenn die Schiffe hornen»

Quasi aus zivilem Ungehorsam schwimmt Sylvia Bachofen den Kursschiffen im Zürichsee entgegen, um sie zum Hornen zu bringen. Für ihre Aktion erntet die 85-Jährige Applaus.

von
rom
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Um die Zürichsee-Schiffe zum Hornen zu bringen, schwimmt ihnen Seniorin Sylvia Bachofen (85) vom Stäfner Seeufer aus entgegen.

Um die Zürichsee-Schiffe zum Hornen zu bringen, schwimmt ihnen Seniorin Sylvia Bachofen (85) vom Stäfner Seeufer aus entgegen.

ZSG
Damit protestiert sie gegen das Horn-Verbot. Dieses gründet auf einer Klage eines Anwohners. Tatsächlich ist ein kurzes Hornsignal in der Binnenschifffahrtsverordnung nicht vorgesehen.

Damit protestiert sie gegen das Horn-Verbot. Dieses gründet auf einer Klage eines Anwohners. Tatsächlich ist ein kurzes Hornsignal in der Binnenschifffahrtsverordnung nicht vorgesehen.

TA

Dass die Kursschiffe auf dem Zürichsee wegen der Klage eines Anwohners beim An- und Ablegen nicht mehr kurz Hornen dürfen, sorgt seit Wochen für Empörung. Eine spezielle Art des Protests hat nun die 85-jährige Sylvia Bachofen laut einem Bericht der NZZ gewählt. Sie schwimmt bei schönem Wetter von ihrem Garten am Stäfner Seeufer direkt vor die ein- und ausfahrenden Schiffe. Diese sind dadurch gezwungen, als Warnung kurz zu hornen.

Frau Bachofen, wann sind Sie zum letzten Mal quasi aus zivilem Ungehorsam vor ein Schiff geschwommen?

Am vergangenen Samstag. Um 12.50 Uhr legte das Dampfschiff «Stadt Zürich» an und ich habe es zum Hornen gebracht. Der Kapitän hat mir sogar gewunken.

Bringen Sie jedes Kursschiff zum Hornen?

Nein, aber die meisten. Das freut mich immer riesig.

Wie oft schwimmen Sie an einem schönen Tag hinaus?

In der Regel um kurz vor 11 Uhr, kurz vor 13 Uhr und kurz vor 15 Uhr. Zu dieser Zeit kommen jeweils je ein Schiff von Zürich und von Rapperswil her an.

Haben Sie keine Angst, direkt vor die grossen Kursschiffe zu schwimmen?

Nein. Wissen Sie, ich bin hier direkt am See aufgewachsen. Das Wasser ist mein Element. Schon als Kind bin ich in die Wellen der ankommenden und wegfahrenden Schiffe geschwommen. Und ich nehme noch jedes Jahr an der Überquerung des Pfäffikersees teil.

Wie reagieren die Leute am See auf Ihre Aktion?

Am Stäfner Schiffssteg hat es ein Bistro. Die Leute klatschen jetzt sogar, wenn die Schiffe hornen. Natürlich wissen sie nicht, dass es dank mir gehornt hat, aber das ist auch nicht so wichtig.

Warum hängen Sie so am Hornen?

Es gehört einfach zum Zürichsee und ich kann nicht verstehen, dass sich jemand an einem solchen Ton stört. Darum entschloss ich mich dazu, den Schiffen entgegenzuschwimmen.

Was erhoffen Sie sich davon?

Dass das Bundesamt für Verkehr umdenkt und dafür sorgt, dass die Schiffe wieder kurz hornen dürfen. Zudem hoffe ich, dass der Kläger die ganze Empörung mitbekommt und sieht, wie viele Menschen er damit traurig macht.

Gibt es schon Schwimmerinnen oder Schwimmer, die sich Ihrem Protest anschliessen wollen?

Einmal ist eine Kollegin mitgeschwommen.

Wann sieht man Sie das nächste Mal rausschwimmen?

Am Samstag und am Sonntag. Es wird eine besondere Freude sein, denn ich weiss, dass die einzige Dampfschiff-Kapitänin, Manuela Balàzs, unterwegs ist. Ihr Hornen habe ich auf sicher.

Verwirrung um das Hornen der Schiffe auf den Seen

Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft muss die bestehenden Vorschriften einhalten. Dies heisst aber nicht, dass sie iher Horne nicht mehr betätigen dürfen.

Um das Hornen der Schiffe auf den Seen herrscht Verwirrung.

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