12.07.2020 17:01

Lovely Me

«Die Leute reagieren angeekelt und schockiert auf meine Narben»

Wegen verschiedenen Operationen hat Lea (17) grosse Narben am Bein. Im Gegensatz zu früher versteckt sie ihre Narben nicht mehr.

von
Michelle Muff
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Lea (17) hat seit ihrem 13. Lebensjahr grosse Narben an ihren Oberschenkeln.

Lea (17) hat seit ihrem 13. Lebensjahr grosse Narben an ihren Oberschenkeln.

privat
Mit 12 Jahren wurde bei Lea eine Fehlbildung der Hüfte und der Oberschenkelknochen diagnostiziert. Deshalb musste die damals 13-Jährige operiert werden.

Mit 12 Jahren wurde bei Lea eine Fehlbildung der Hüfte und der Oberschenkelknochen diagnostiziert. Deshalb musste die damals 13-Jährige operiert werden.

privat
«Man schnitt mir die Oberschenkel auf und fügte Platten ein, die meine Knochen während knapp zwei Jahren in die richtige Position brachten», so die heute 17-Jährige.

«Man schnitt mir die Oberschenkel auf und fügte Platten ein, die meine Knochen während knapp zwei Jahren in die richtige Position brachten», so die heute 17-Jährige.

privat

Darum gehts

  • Wegen einer Fehlstellung der Hüfte musste sich Lea (17) mit 13 Jahren dreimal operieren lassen.
  • Seit den OPs hat sie zwei grosse Narben an den Beinen.
  • Früher hat sie sich deswegen geschämt, heute steht sie dazu und findet sich auch trotz der Narben schön.

Was ist dein Makel?Ich habe an meinem rechten wie meinem linken Oberschenkel je eine rund 15 Zentimeter grosse Narbe. Die Narben sind ziemlich gross, und man sieht sie gut.

Wie kam es dazu?Ich hatte als Kind starke X-Beine. Weil ich immer eine falsche Haltung hatte, liess ich es mit 12 Jahren bei einem Spezialisten abklären. Da wurde festgestellt, dass ich eine Fehlbildung der Hüfte und der Oberschenkelknochen habe. Mir wurde geraten, die Fehlstellung zu korrigieren – andernfalls sei es möglich, dass ich im Alter mal gröbere Probleme mit der Hüfte bekomme.

Wie hast du auf die Neuigkeiten reagiert?Eigentlich war ich einfach froh, dass ich endlich wusste, was mit meinen Beinen los ist. Vor den Operationen hatte ich zwar keine Angst, aber schon ziemlich Respekt.

Wie liefen die OPs ab?Man schnitt mir die Oberschenkel auf und fügte Platten ein, die meine Knochen während knapp zwei Jahren in die richtige Position brachten. Beim rechten Bein verlief die Heilung gut. Links hatte ich leider noch lange Probleme: Die Heilung verlief schlecht, ich hatte lange Zeit starke Schmerzen und konnte nicht richtig auf dem Bein stehen. Ich musste für drei Monate an Krücken gehen. 2018 wurden bei einer weiteren Operation die Schrauben wieder entfernt.

Wie reagierte dein Umfeld darauf?Alle waren sehr unterstützend und haben mich im Spital besucht. Auch in der Schule haben alle zu mir gehalten. Der schwierige Teil fing eigentlich erst nach der Operation an – unter anderem wegen der grossen Narbe, die ich seither habe.

Haben dich die OPs verunsichert?Ja, gerade in der Heilungsphase, als die Narben noch auffälliger waren. Irgendwann habe ich keine kurzen Röcke und Hosen mehr getragen, weil ich mich geschämt habe. Die Reaktionen meiner Mitmenschen haben mich sehr verunsichert.

Wie reagieren sie?Die Leute starren oft einfach darauf. Kinder fragen ihre Eltern in der Badi «was die Grusigs am Bei» hat. Besonders Leute, die mich neu kennen lernen, reagieren oft angeekelt und schockiert, wenn sie meine Narben zum ersten Mal sehen. Gerade als die Narben noch relativ neu waren und ich selber erst lernen musste, damit umzugehen, war das ziemlich verletzend. Inzwischen finde ich die ganzen Fragen nicht mehr schlimm.

Was denkst du heute über deine Narben?Heute stehe ich völlig zu ihnen. Sie gehören zu mir – und machen mich einzigartig. Inzwischen finde ich es cool, eine Geschichte erzählen zu können. Wenn ich mich in kurzen Hosen im Spiegel sehe, finde ich mich schön. Ich liebe mich heute auch mit meinen Narben.

Was hat dir geholfen, deine Narben zu akzeptieren?Mein Umfeld hat mich immer sehr unterstützt. Auch mein jetziger Freund hat mir sehr geholfen, mehr Selbstvertrauen zu gewinnen: Er sagt mir immer wieder, dass er meine Narben schön findet. Und was mir ebenfalls geholfen hat: Auf Social Media gibt es viele Influencerinnen, die sich für Body Positivity einsetzen – und teils selber grosse Narben haben. Jemandem zu folgen, der Ähnliches durchlebt hat wie ich, gibt mir Kraft und mehr Selbstvertrauen.

Lea wohnt in St. Gallen. Aktuell besucht sie noch das Gymnasium. In ihrer Freizeit zeichnet und liest sie gerne.
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