Rollerderby in Zürich: «Die Leute reagieren geschockt auf mein Hobby»

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Neue Videoserie «Kännsch?»«Leute reagieren geschockt auf mein Hobby»

Körperkontakt, blaue Flecken und Queer-Feminismus: Im Roller Derby geht es intensiv zu und her. Wir haben ein Training in Zürich besucht.

von
Geraldine Bidermann
Sarah Kmochová

Du hast noch nie von Roller Derby gehört? Die Sportart ist in Europa nur wenigen bekannt, blickt aber auf eine lange Geschichte zurück: Schon im 19. Jahrhundert lieferten sich Teams auf Rollschuhen harte Duelle über lange Strecken, ähnlich den fast gleichzeitig aufkommenden Sechstagerennen. Sie wurden bald als «Derbys» bezeichnet.

Zwei Teams fahren auf Rollschuhen auf einer ovalen, knapp 30 Meter langen Bahn im Kreis. Gegnerinnen werden blockiert, geschubst und gecheckt. 

Zwei Teams fahren auf Rollschuhen auf einer ovalen, knapp 30 Meter langen Bahn im Kreis. Gegnerinnen werden blockiert, geschubst und gecheckt. 

Zurich City Roller Derby

In den 1970er-Jahren wurde es ruhig um den Sport, erst Anfang dieses Jahrtausends hauchten Skaterinnen in Texas dem Roller Derby neues Leben ein. Heute ist Roller Derby immer noch ein sehr dynamischer Vollkontaktsport, der auf Vierer-Rollschuhen gespielt wird.

Was sind Kontaktsportarten?

Derzeit wird der Sport weltweit vor allem von Frauen ausgeübt: Die Women's Flat Track Derby Association (WFTDA) ist der internationale Dachverband des Frauen-Rollderbys und vertritt mehr als 400 Mitgliedsligen auf sechs Kontinenten. Einer dieser Ligen ist der Verein Zürich City Roller Derby mit den Zurich City Rollerderby

So funktioniert Roller Derby

Jedes Team trägt Trikots mit Nummern und Derby-Spitznamen. Das Spiel besteht aus zwei 30-minütigen Perioden, die aus zweiminütigen Spielen oder «Jams» bestehen. Jedes Team hat vier Rollschuhläuferinnen, die in der Verteidigung spielen («Blockerinnen») – sie bilden das «Pack» – und eine Angriff-Spielerin («Jammerin»).

Aufgabe der Jammerin ist es, das Pack zu überholen, indem sie sich mit Unterstützung der eigenen Blockerinnen durch die gegnerischen Blockerinnen kämpft. Diese versuchen, das durch Körpereinsatz zu verhindern. Die erste Jammerin, die es in ihrer ersten Runde an der Gruppe der Blockerinnen (dem Pack) vorbei schafft, wird als «Lead Jammerin» bezeichnet und hat das Recht, den Jam vor Ablauf von zwei Minuten zu beenden. Nach der ersten Runde erhalten die Jammerinnen einen Punkt für jede gegnerische Blockerin, die sie passieren.

Strafen gehören beim Roller Derby dazu

Erlaubter Körperkontakt begrenzt sich auf die Hüften, Schultern und den Vorderkörper. Eine 30-Sekunden-Strafe (Penalty) gibt es etwa für Festhalten, Ellbogenschübe, Bein stellen, in den Rücken fahren und Überholen ausserhalb des Tracks. Strafen sind üblich und werden ohne Spielunterbrechung ausgesprochen. Skatende und nicht skatende Schiedsrichterinnen überwachen das Spiel sowohl von innerhalb als auch von ausserhalb der Bahn, um Sicherheit und Fairness zu gewährleisten. 

Der feministische Aspekt von Roller Derby

Was das alles mit Feminismus zu tun hat? Der Sport bricht komplett mit konventionellen Vorstellungen von Weiblichkeit und ermögliche es, aggressiv, stark und selbstbestimmt zu sein, wie die Protagonistinnen erklären.  

Magst du Sportarten, bei denen es tough zu und her geht?

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