23.07.2020 02:58

Camping-Boom

«Die Leute sind froh, wenn sie noch ein Wohnmobil finden»

In der Corona-Krise weichen Schweizer für die Ferien aufs Wohnmobil aus. Das Ansteckungsrisiko bleibt so kleiner als im Hotel. Bei den Vermietern sind viele Fahrzeuge bis Ende Saison ausgebucht.

von
Fabian Pöschl
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Wegen der Corona-Krise entstand ein regelrechter Run auf Wohnmobile.

Wegen der Corona-Krise entstand ein regelrechter Run auf Wohnmobile.

KEYSTONE
Auf der Wohnmobil-Sharing-Plattform Mycamper sind viele Fahrzeuge bis Ende Saison ausgebucht.

Auf der Wohnmobil-Sharing-Plattform Mycamper sind viele Fahrzeuge bis Ende Saison ausgebucht.

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Die Anzahl an Buchungsanfragen bei Mycamper sei im Mai gegenüber dem Vorjahr um den Faktor 2,8 und im Juni um den Faktor 2,7 angestiegen.

Die Anzahl an Buchungsanfragen bei Mycamper sei im Mai gegenüber dem Vorjahr um den Faktor 2,8 und im Juni um den Faktor 2,7 angestiegen.

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Darum gehts

  • Wegen der Corona-Krise machen die Schweizer im eigenen Land Ferien.
  • Die Vermieter von Wohnmobilen erleben einen regelrechten Boom.
  • Der VW T6 gehört dank seiner Camping-Versionen zu den Top 10 der beliebtesten Autos im Land.

In der Corona-Krise verbringen viele ihre Sommerferien in der Schweiz. Besonders beliebt sind Ferien im Wohnmobil. «Es entstand aufgrund des Virus ein regelrechter Boom – viele Fahrzeuge sind bis Ende Saison ausgebucht», sagt Miriam Barner, Sprecherin der Wohnmobil-Sharing-Plattform Mycamper.ch, zu 20 Minuten.

Die Anzahl an Buchungsanfragen auf Mycamper.ch habe sich im Mai und Juni gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verdreifacht. Wer diese Woche noch spontan buchen will, muss schnell sein: Es sind nur noch 16 Wohnmobile und Campingbusse auf der Plattform verfügbar, für die erste Augustwoche noch 112 von insgesamt 1200 Fahrzeugen.

«Es reihen sich Rekordjahre an Rekordjahre»

Der Camping-Boom ist jedoch nicht neu. «Es reihen sich Rekordjahre an Rekordjahre», sagt Barner. Die Gründe dafür seien Trends wie nachhaltiges Reisen und Entschleunigung, aktive Ferien in der Natur, Selbstbestimmung und Nostalgie.

Mit der Krise sprächen weitere Gründe fürs Camping: Im Wohnmobil blieben die Reisenden unter sich, das Ansteckungsrisiko bleibe klein. Ausserdem lasse sich mit dem Camper gut lokal Ferien machen. «Man ist flexibel und kann seine Reise etwa wegen Grenzschliessungen anpassen», so Barner.

Nur noch ein Wohnmobil verfügbar

Ähnlich tönt es beim Wohnmobilhändler und -vermieter Alco Wohnmobile, wo die Nachfrage deutlich höher sei als in den vergangenen Jahren. «Wir haben viele Anfragen von Leuten, die mit dem Flieger ins Ausland in die Ferien wollten und wegen der Corona-Krise jetzt in der Schweiz bleiben», sagt Ricarda Bühler, Leitung Vermietung, zu 20 Minuten.

Für nächste Woche hat Alco noch eines von insgesamt 36 Fahrzeugen in der Mietflotte zur Verfügung. Die Kunden seien vielfach Familien und Paare, es gebe aber auch viele junge Leute, die gemeinsam mit Kollegen ein Wohnmobil mieteten. Welches Modell es sein soll, spiele der Kundschaft meist keine grosse Rolle. «Die Leute wollen einfach weg von zu Hause und sind froh, wenn sie noch ein Wohnmobil finden», so Bühler.

VW T6 dank Camping-Modellen in den Top 10 der beliebtesten Fahrzeuge

Im Vergleich zur Vermietung von Wohnmobilen scheint die Nachfrage nach neuen Modellen weniger gross. Die Zahl der zugelassenen neuen Wohnmobile sank im ersten Halbjahr um 1 Prozent (35 Wohnmobile) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie die Vereinigung der offiziellen Automobil-Importeure (Auto Schweiz) mitteilt.

Dabei gilt es zu beachten, dass kleinere Camper wie der VW T6 California Beach als Personenwagen immatrikuliert sind. Sie tauchen deshalb nicht in der Liste der Wohnmobile auf, wie ein Sprecher vom Bundesamt für Strassen (Astra) zu 20 Minuten sagt.

Der VW T6 sei auch wegen dieser Camper das mit Abstand meistverkaufte Modell der Klasse. Auf der Liste mit den meisten neu zugelassenen Fahrzeugen findet sich der VW T6 auf dem neunten Platz mit 1436 Exemplaren (siehe Grafik). Im Vorjahreszeitraum waren es allerdings noch fast 700 Exemplare mehr.

80 Franken

Wildcamper werden gebüsst

In der Schweiz gibt es mittlerweile rund doppelt so viele Stellplätze wie Wohnmobile, das berichtet der «Tages-Anzeiger» unter Verweis auf die Wohnmobil-Vermietungsplattform Mycamper. In den vergangenen Jahren seien nur rund 40 Prozent der Camper in der Schweiz geblieben, heute seien es 80 Prozent. Deshalb möchten viele wild campieren. Das Übernachten mit Wohnmobil oder Zelt in freier Natur ist aber verboten, ausser der Grundstückbesitzer hat seine Erlaubnis gegeben. Bei Zuwiderhandlungen drohen laut der Zürcher Kantonspolizei bis zu 80 Franken Busse.

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63 Kommentare
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PETER

24.07.2020, 08:51

Bild 2 zeigt einen super Autofahrer... der es aber überhaupt nicht im Griff hat... Mich stört es nur, dass die "neuen trendy Camper" mit Ihren Büssli keine Toilette dabei haben...

Scilla1

24.07.2020, 08:16

Danke für diesen informativen Bericht. Dass im Frühjahr 2020 in der Schweiz weniger WoMos immatrikuliert worden sind, wundert mich nicht. Denn aufgrund der Corona-Lage sind die Produktionen in den Werken im Ausland und die Importe teilweise stillgestanden. Die Auslieferungen an Endkunden erfolgen mit bis zu 6 Monaten Verspätung.

A.Peter

23.07.2020, 06:58

Mit einem Bus oder Zelt sollte das Wildcampen in der Schweiz erlaubt werden. Wenn man den Platz sauber hinterlässt, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, würde das doch niemandem schaden. In vielen anderen Ländern ist das ja auch möglich.