Covid-Infektionen – Infektionszahlen sinken – Anlass zur Hoffnung?
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Sinkende Infektionszahlen«Die Leute verhalten sich vorsichtiger»

Seit vier Tagen sind die täglichen Neuinfektionen rückläufig. Die Leute seien vorsichtiger geworden, konstatieren Fachleute. Dennoch brauche es zusätzliche Massnahmen.

von
Claudia Blumer
Nicolas Meister
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Die Leute seien vorsichtiger geworden, sagen Epidemiologen: Menschen am Hauptbahnhof Zürich.

Die Leute seien vorsichtiger geworden, sagen Epidemiologen: Menschen am Hauptbahnhof Zürich.

Tamedia
Dennoch brauche es zusätzliche Massnahmen, sagt Infektiologe Andreas Widmer. Denn in wenigen Wochen werde Omikron in der Schweiz die Delta-Variante verdrängt haben.

Dennoch brauche es zusätzliche Massnahmen, sagt Infektiologe Andreas Widmer. Denn in wenigen Wochen werde Omikron in der Schweiz die Delta-Variante verdrängt haben.

Screenshot SRF
Daniel Speiser, Professor für Immunologie an der Universität Lausanne, rechnet damit, dass «fast alle» Leute sich noch impfen lassen werden.

Daniel Speiser, Professor für Immunologie an der Universität Lausanne, rechnet damit, dass «fast alle» Leute sich noch impfen lassen werden.

Darum gehts

In den vergangenen Wochen stiegen die Fallzahlen rasant an. Vor knapp einer Woche verzeichnete die Schweiz mit knapp 13’000 Fällen einen neuen Höchststand an Neuinfektionen. Doch seit Freitag sinken die Fallzahlen wieder. Grund zum Optimismus?

Eher nicht, sagt Daniel Speiser, Professor für Immunologie an der Universität Lausanne. «Es wäre falsch, zu sagen, die Delta-Welle sei gebrochen und die Fallzahlen würden rasch sinken.» Dafür sei es schlichtweg zu früh, sagt Speiser. «Die Zahlen sind nämlich immer noch zu hoch, weshalb wohl bald strengere Massnahmen nötig sind.»

Omikron könnte dazwischen kommen

Zusätzliche Einschränkungen seien auch deshalb nötig, weil Omikron bald die epidemiologische Entwicklung dominieren werde. «Vergleicht man die Situation zum Beispiel mit England, kommt man zum Schluss, dass Omikron früher oder später auch in der Schweiz zum Problem werden wird.» In den letzten Tagen sind die Fallzahlen in England regelrecht explodiert, wobei Omikron beispielsweise in London bereits mehr als 40 Prozent aller Fälle ausmacht. Das zeigen die Daten.

Andras Widmer, Präsident des nationalen Zentrums für Infektprävention, rechnet damit, dass Omikron in drei bis vier Wochen Delta verdrängt hat. Je nachdem würden die Infektionszahlen bis dahin wieder stark ansteigen, was aber vielleicht weniger schlimm sei: Nämlich dann, wenn Omikron wie angenommen zwar ansteckender, aber vielleicht weniger gefährlich ist. «Dann sind wir alle happy», sagt der Infektiologe. Doch darauf abstützen sollten wir uns besser nicht.

Vorsicht beim Sport

Trotz derzeit sinkender Fallzahlen brauche es unbedingt zusätzliche Massnahmen, sagt Andreas Widmer. «Die Leute haben das Versicherungsprinzip noch nicht verstanden: Die Versicherung braucht es nicht nur im bereits passierten Schadensfall, sondern für das Risiko, dass er eintreten könnte.» Ebenfalls sei den Leuten nicht klar, dass der epidemiologische Verlauf immer mit einer Karenz von rund drei Wochen reagiere. «Erst im Januar sehen wir die Resultate dessen, was wir jetzt machen.»

Dass die Infektionszahlen seit Freitag sinken, könne durchaus mit dem vorsichtigeren Verhalten der Leute zu tun haben, sagt Widmer. «Die Leute verhalten sich vorsichtiger.» Immerhin schlügen die Fachleute seit zwei Wochen Alarm. Er beobachte, dass im Shoppingcenter wie im öffentlichen Verkehr Abstand und Maskenpflicht noch besser eingehalten werde. Diese Vorsicht sei absolut angebracht, sagt Widmer. «Man muss sich bewusst sein, dass es jetzt nichts mehr erträgt. Das Wasser steht uns zum Hals. Also besser weniger Sport, weniger Skifahren während der nächsten Wochen. «Wer einen Autounfall hat, der habe es womöglich schwer, einen Platz im Spital, insbesondere auf der Intensivstation, zu bekommen. Es ist wichtig, dass sich die Leute dessen bewusst sind.» Auch die saisonale Grippe werde die Spitäler belasten, vermutet Widmer (siehe Box).

«Leute realisieren den Ernst»

Dass die Zahlen aktuell ein wenig sinken, sei auf viele Faktoren zurückzuführen, sagt Speiser. Ein Faktor sei das Verhalten der Leute. «Immer mehr Leute realisieren den Ernst der Situation und passen ihr Verhalten im Alltag an, sprich sind vorsichtiger.»

Speiser erwartet, dass fast alle Leute sich schlussendlich impfen lassen werden. «Der Schutz der Genesenen ist relativ gering und kurzfristig.» Man könne nämlich trotz durchgemachter Erkrankung wieder schwer an Covid-19 erkranken. Er hofft, dass dies mehr Leute realisieren und sich impfen liessen. Diese biete nämlich den besten Schutz. «Deshalb ist jeder Tag, an dem nicht geimpft wird ein verlorener Tag.»

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