Knall bei Raiffeisen - «Ich habe in meiner Verliebtheit einen riesengrossen Fehler gemacht»
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Knall bei Raiffeisen«Ich habe in meiner Verliebtheit einen riesengrossen Fehler gemacht»

Am Donnerstag überraschte der Verwaltungsratspräsident der Raiffeisen-Bank, Guy Lachappelle, mit seinem sofortigen Rücktritt. Am Abend gab er den Grund dafür bekannt.

von
Karin Leuthold
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Guy Lachappelle, Präsident Raiffeisen Bank, erklärte während einer Medienkonferenz am 15. Juli 2021 den Grund für seinen Rücktritt. Am Schluss konnte er die Tränen kaum zurückhalten.

Guy Lachappelle, Präsident Raiffeisen Bank, erklärte während einer Medienkonferenz am 15. Juli 2021 den Grund für seinen Rücktritt. Am Schluss konnte er die Tränen kaum zurückhalten.

Lucia Hunziker, Tamedia
Guy Lachappelle tritt per Ende Juli zurück.

Guy Lachappelle tritt per Ende Juli zurück.

Raiffeisen

Die drittgrösste Schweizer Bank gab am Donnerstag den Rücktritt des Verwaltungsratspräsidenten Guy Lachappelle per Ende Juli 2021 bekannt. Ab sofort übernimmt Vizepräsident Pascal Gantenbein die Amtsgeschäfte. Gegen Lachappelle waren zwei Strafanzeigen eingereicht worden. Laut «Tages-Anzeiger» bezieht sich einer der Vorwürfe darauf, dass die Nummer eins der Raiffeisen-Bank «potentiell börsenrechtlich relevante vertrauliche» Informationen weitergegeben haben soll.

Am Abend meldete sich Lachappelle selber zu Wort und erklärte die Gründe für seine Entscheidung. Dafür lud er Journalisten und Journalistinnen zu einer persönlichen Medienkonferenz nach Basel ein. Am Schluss seiner Rede konnte er die Tränen kaum zurückhalten.

Eine Affäre wurde ihm zum Verhängnis

Hintergrund des Rücktritts sei ein privater Konflikt mit einer Frau, mit der er im Jahr 2017 eine Beziehung hatte. Diese Beziehung beendete Lachappelle nach eigenen Angaben 2018, um zu seiner Ehefrau zurückzukehren, wie er sagt. Ab dann begannen die Probleme. «Diese Frau konnte die Trennung nicht akzeptieren und hat meine Nähe gesucht», so Lachappelle.

Die ehemalige Geliebte behauptet das Gegenteil und wirft Lachappelle Fehlverhalten vor. Aus einer der zwei kürzlich eingereichten Anzeigen gegen Lachappelle geht hervor, dass er in seiner früheren Funktion als Chef der Basler Kantonalbank der Frau ein internes Dokument hat zukommen lassen. Das gibt Lachappelle zu – und das löste den Rücktritt aus.

«Ich habe in meiner Verliebtheit einen riesengrossen Fehler gemacht», sagte er an der Medienkonferenz. «Ich habe ihr auf ihre Bitten hin ein internes Dokument per Mail zugestellt.» Die Frau habe nun das Mail an die Justiz und auch an den «Tages-Anzeiger» weitergeleitet.

«Ich schäme mich für diese unglaubliche Unachtsamkeit»

Beim verschickten Dokument geht es um eine Präsentation zum digitalen Umbau der Basler Kantonalbank, deren Aktien zwar mehrheitlich dem Staat gehören, aber an der Börse kotiert sind. Weitergeleitet hat er die Präsentation über eine private E-Mail-Adresse.

«Ich gehe davon aus, dass das Vorgehen nicht strafrechtlich relevant war», meinte Lachappelle. «Aber vor dem Gesichtspunkt der Integrität ist das nicht zu entschuldigen», fügte er an. «Ich schäme mich für diese unglaubliche Unachtsamkeit.» Die Weitergabe interner Dokumente an Dritte kann allerdings von der Justiz als Geheimnisverletzung und Vertragsbruch gewertet werden.

Lachappelle und seine Ex-Geliebte attackieren sich gegenseitig

Beide Seiten überziehen sich mittlerweile mit Strafanzeigen. Lachappelle wirft seiner Ex-Geliebten vor, ihn nach dem Ende der Beziehung in einem Buch als «Psychopathen» darstellen zu wollen. Die Publikation des Buches wurde per Gericht verboten. Auch konnte er verhindern, dass ein Artikel im «SonntagsBlick», in dem es um den Streit der beiden ging, veröffentlicht wird.

Daraufhin wurde über einen ausländischen Server ein diffamierender Text über Lachappelle verschickt, der laut ihm «an Politiker und Vertreter der Finanzwelt» gegangen sei. Unklar ist, wer Urheber dieser Aktion ist. Ringier distanzierte sich in aller Form von dem Text.

Als Folge der Affäre will Guy Lachappelle nun von allen anderen Ämtern, wie aus dem Verwaltungsrat des Universitätskinderspitals beider Basel zurücktreten. «Ich werde mich auch aus der Finanzbranche zurückziehen», kündigte er unter Tränen an. «Meine berufliche Zukunft wird sich nun weisen müssen.» Dann verliess es wortlos den Raum.

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