«Time-out» mit Klaus Zaugg: Die logische Rivalität des 21. Jahrhunderts
Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggDie logische Rivalität des 21. Jahrhunderts

Wetten Sie auf gar keinen Fall, dass der SC Bern im Frühjahr 2009 die Meisterschaft nicht gewinnt. Es gibt beunruhigende Parallelen zu den ZSC Lions im November 2007.

von
Klaus Zaugg

Nein, der SCB spielt nicht wie ein künftiger Meister. 1:6 in Biel, dann 3:2 nach Verlängerung gegen die ZSC Lions. Am Samstag ein Spiel, das SCB-Trainer John van Boxmeer als das schlimmste in seinen zweieinhalb Jahren in der Liga bezeichnet hat. Und eine Leistung, die er als «Witz» brandmarkte. Nicht einmal 24 Stunden später ein Sieg gegen den potenziellen Champions Hockey League Halbfinalisten und seit sieben Runden unbesiegten Meister.

Vor gut einem Jahr gab es auch eine Mannschaft, der es einfach nicht gelang, ihr Potenzial zur Zufriedenheit der Fans und der Medien umzusetzen und die sogar zeitweise um die Playoffs zitterte. Sogar die Entlassung des Trainers war ein Thema. Das Spiel kam nie so recht in die Gänge und Siege hatten keinen Glanz. Logisch, dass auch neue Ausländer verpflichtet wurden. Aber Ende der Saison holten die ZSC Lions den Titel.

Niemand hätte im November 2007 auf einen Titelgewinn der Zürcher gewettet

Beim SCB ist die Situation Ende November 2008 ähnlich. Obwohl die Berner die Tabelle nach Verlustpunkten anführen, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Zu viel taktische Pflicht. Zu wenig Kür. Zu wenig Einschüchterung. Die Gegner haben ihre Angst vor dem grossen, bösen, mächtigen SCB verloren. Die meiste Zeit spielt der SC Bern wie eine ganz gewöhnliche Mannschaft. Oder in einem Satz: Der SCB hat (fast) kein Charisma mehr.

Aber das Potenzial ist enorm. Wer gegen den Aufsteiger 1:6 verliert und am nächsten Tag gegen den Meister gewinnt, gegen die vielleicht bestorganisierte Mannschaft der Liga, ist ein Titelkandidat.

So wie die ZSC Lions letzte Saison, so können sich auch die Berner im entscheidenden Moment im Frühjahr zusammenraufen. Der NHL-Saurier Martin Gelinas (38) wird die Chemie im Team verändern. Sein Einfluss auf das Wesen und Wirken der Berner kann die Meisterschaft entscheiden.

Und noch etwas kommt hinzu: Wenn der SC Bern im Frühjahr das Playoff-Finale erneut verpassen sollte, kommt es zur grössten Krise seit dem Amtsantritt von Marc Lüthi im Sommer 1998. Dann werden selbst die Jobs von Exponenten in Frage gestellt - Trainer John van Boxmeer (Vertrag bis 2010), Ramzi Abid (bis 2010), Simon Gamache (bis 2011) und Christian Dubé (bis 2011) - die weiterlaufende Verträge haben. Das wird für erhöhte Leistungsbereitschaft sorgen.

Seit der SC Bern im Frühjahr 1997 im Viertelfinale den ZSC eliminiert hat und Meister geworden ist, warten wir auf eine Playoffserie mehr zwischen den Bernern und den Zürchern. Es hat Rivalitäten auf höchster Ebene zwischen Bern und Davos, Bern und Lugano, den ZSC Lions und Lugano, den ZSC Lions und Davos gegeben. Aber die Rivalität, die auf der Hand liegt, die mehr Menschen interessieren würde als jede andere Auseinandersetzung, gibt es nach wie vor nicht: Die Rivalität zwischen den Titanen SC Bern und ZSC Lions. Zwischen der politischen und wirtschaftlichen Hauptstadt. Es wäre die logische Rivalität des 21. Jahrhunderts.

Im Frühjahr ist eine Finalpaarung SC Bern gegen ZSC Lions nicht ausgeschlossen. Deshalb geht es in den Direktbegegnungen in der Qualifikation um mehr als nur drei Punkte. Es geht auch darum, schon jetzt ein Zeichen zu setzen.

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