Grün statt bunt – Die Lozärner Määs muss dem «grünen Inseli» Platz machen

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Grün statt buntDie Lozärner Määs muss dem «grünen Inseli» Platz machen

Die Carparkplätze im Inseli in Luzern müssen Wiesen und Bäumen weichen. Die «Lozärner Määs» jedoch solle bleiben, hat die Stadtregierung versprochen. Nun bewahrheitet sich, was Kritiker befürchtet hatten: Das «grüne Inseli» bedeutet das Ende für die Määs am Inseliquai.

von
Matthias Giordano
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Das Riesenrad an der Lozärner Määs. Spätestens mit dem Bau des Durchgangsbahnhofs muss auch das Riesenrad einen neuen Platz finden.

Das Riesenrad an der Lozärner Määs. Spätestens mit dem Bau des Durchgangsbahnhofs muss auch das Riesenrad einen neuen Platz finden.

Stadt Luzern
Der Stadtrat hat am Dienstag mitgeteilt, dass die Määs in ihrer derzeitigen Form ab 2027 nicht mehr im Inseli stattfinden kann.

Der Stadtrat hat am Dienstag mitgeteilt, dass die Määs in ihrer derzeitigen Form ab 2027 nicht mehr im Inseli stattfinden kann.

20min
Zu diesem Schluss kam eine Machbarkeitsstudie, die von der Stadt beauftragt wurde. Darin heisst es, dass die Initiative «grünes Inseli» nicht umgesetzt werden kann, ohne die Määs dabei zu beschränken.
Der Zonenplan.

Zu diesem Schluss kam eine Machbarkeitsstudie, die von der Stadt beauftragt wurde. Darin heisst es, dass die Initiative «grünes Inseli» nicht umgesetzt werden kann, ohne die Määs dabei zu beschränken.

Screenshot aus dem «Inseli Schlussbericht», Seite 12

Darum gehts

  • Jetzt ist es klar: Die Määs und das neue «grüne Inseli» kommen nicht unter einen Hut. Die Määs muss ihren Standort wechseln.

  • Der Stadtrat muss damit ein Versprechen zurücknehmen, das er 2017 nach der Annahme der Initiative ans Stimmvolk abgegeben hatte: Die Määs und der Lunapark würden auf dem Inseli bleiben.

  • Ab Oktober werden die Reisebusse vom Inseliquai verschwinden und nach Kriens umziehen.

  • Eine stärkere Begrünung des Inselis ist nach einer Pflanzenanalyse dringend nötig. Die geschützten Bäume befinden sich in einem schlechten Zustand.

  • Das Projekt wird nun unter neuen Voraussetzungen ausgeschrieben. Der Umbau soll 2027 beginnen und ein bis zwei Jahre dauern.

«Die Määs und der Lunapark werden auf dem Inseli bleiben», hatte Stadtrat Adrian Borgula im September 2017 fest versprochen. Die Luzerner hatten gerade mit knappen 51,4 Prozent die kontroverse Initiative für ein «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» angenommenund damit der Stadtregierung den Auftrag gegeben, die Carparkplätze im Inseli durch einen grünen Park zu ersetzen. Heute, viereinhalb Jahre später, stehen am Inseliquai noch immer Reisebusse und viel Asphalt. Der Stadtrat informierte nun, wieso es nicht vorwärtsging: Die bisherigen Pläne und Wünsche sind offenbar physikalisch schlicht nicht umsetzbar.

«Die Vorbereitungsarbeiten (...) haben gezeigt, dass die Initiative nicht umgesetzt werden kann, wenn die Lozärner Määs, wie im Vorfeld der Abstimmung vom Stadtrat versprochen, in ihrer bisherigen Form beibehalten wird», teilt Baudirektorin Manuela Jost mit. In kurz: Die Määs und der Lunapark werden nicht auf dem Inseli bleiben. Der Stadtrat bedauere, dass das im Vorfeld der Volksabstimmung anders eingeschätzt wurde und die damals gemachten Aussagen nicht eingelöst werden können.

Es gibt auf dem Inseli schlicht nicht genügend Platz

Zu dem Ergebnis, dass die Määs in ihrer heutigen Form nicht mehr im Inseli stattfinden kann, kommt eine Machbarkeitsstudie der Baudirektion. Sie zeigt schonungslos auf, was Gegner der Initiative bereits vor der Abstimmung befürchtet hatten: Es gibt auf dem Inseli nicht genügend Platz, um alles unter einen Hut zu bekommen. «Entweder ein grünes Inseli ohne Lunapark oder ein Inseli mit einer Veranstaltungsfläche, die jedoch das Initiativziel nicht vollumfänglich erfüllt. Der Stadtrat hat sich deshalb für die Variante grünes Inseli entschieden», fasst die Baudirektorin die Situation auf Anfrage zusammen.

Wie geht es jetzt weiter? Es gibt drei Varianten, die infrage kommen.

Die erste ist, das Inseli in eine rein grüne Parkanlage umzubauen. Die Warenmesse der Määs könnte zwar weiterhin auf dem Inseli stattfinden. Allerdings ohne den Lunapark, der für seine Bahnen festen Untergrund braucht. In der zweiten Variante soll es einen Platz im südlichen Bereich des Inseli geben, auf dem zumindest ein Teil der Lunapark-Anlagen aufgestellt werden kann. Bei der dritten Variante soll aus dem Carparkplatz ein Multifunktionsplatz werden. Also ein Platz, auf dem nichts fest installiert ist und so unterschiedlich genutzt werden soll. Aber selbst bei dieser Variante, die vermutlich teuerste, könnten weniger Anlagen als heute aufgestellt werden. Denn:

«Für den Erhalt der Bäume müssen auf dem Inseli zusätzliche Rasenflächen mit Unterpflanzungen erstellt werden»

Manuela Jost, Luzerner Baudirektorin und Stadträtin

Das Mehr an Grün ist auch dringend nötig. Denn den Bäumen im Inseli – obwohl stark geschützt – geht es schlecht. Der Boden ist zu stark versiegelt, die Bäume zu nahe an den Strassen und Gehwegen, die Wurzeln sind schmächtig. Dazu leiden sie laut einer Analyse der Stadtgärtnerei stark an Massariapilz und Trockenstress. Die Flächen im Kronen- und Wurzelbereich sollten deshalb entsiegelt und Rasenfläche unter die Bäume verlegt werden. Konkrete Pläne dafür gibt es hingegen noch nicht. Baudirektorin Jost: «Es gibt noch keine konkreten Vorstellungen, wie die Grünflächen gestaltet sein werden.» Dies werde nun der Projektwettbewerb zeigen, der neu ausgeschrieben wird.

«Der Durchgangsbahnhof wird das Stadtzentrum stark verändern»

Sicher ist, dass die Reisebusse wegkommen. Ab Oktober ziehen sie auf den neuen Carparkplatz auf dem Areal Rösslimatt in Kriens. Um den Bahnhof herum braucht es allerdings trotzdem Haltekanten, an denen die Gäste des KKL und Schifffahrtspassagiere ein- und aussteigen können.

Als weiteres Problem kommt hinzu: Das Jahrhundertprojekt Durchgangsbahnhof startet voraussichtlich 2030. Die Arbeiten dauern rund zehn Jahre. «Der Durchgangsbahnhof wird das Stadtzentrum stark verändern», sagt Jost. Es würden deutlich mehr Personen als heute im Umfeld des Bahnhofs unterwegs sein, wodurch der Nutzungsdruck steigen werde. Der Umbau des Inselis soll deshalb bis dahin fertig sein. Dafür wird nun beim Grossen Stadtrat ein Kredit für die Projektierung beantragt.

Offen bleibt, wie es mit der Määs weitergeht. Ab 2027, wenn die Arbeiten für die Umgestaltung des Inselis beginnen sollen, muss sie dort weg. Allerspätestens mit dem Baubeginn des Durchgangsbahnhofs.

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