Vom Bus in den Aston: Die «Lucky Bastards» von Northamptonshire
Aktualisiert

Vom Bus in den AstonDie «Lucky Bastards» von Northamptonshire

Zwölf Bus-Chauffeure aus Corby, Northamptonshire, knacken den Euro-Millions-Jackpot von 38 Millionen Pfund. Vor Freude lassen sie ihre Fahrzeuge stehen - und hinterlassen ein heilloses Chaos.

von
dwi
Im trostlosen Corby werden zwölf Busfahrer über Nacht zu Millionären.

Im trostlosen Corby werden zwölf Busfahrer über Nacht zu Millionären.

Diesen Abend werden die Bewohner der britischen Industriestadt Corby nie vergessen: Am Freitag, 16. März knacken zwölf Busfahrer aus dem Dorf in Northamptonshire den Euro-Millions-Jackpot und gewinnen 38 Millionen Pfund. Kaum erfahren die Fahrer im Dienst von ihrem Gewinn, lassen sie die Passagiere aussteigen und ihre Fahrzeuge stehen. Nach einer rauschenden Party erscheint niemand am Samstag zur Arbeit. Corby steht Kopf.

Bereits seit mehr als drei Jahren versucht die Wettgemeinschaft bei Euro Millions ihr Glück. Vor sechs Monaten steht das Vorhaben kurz vor dem Abbruch. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt – nur einer steigt aus. Am Freitag ziehen die Busfahrer dann endlich das grosse Los. Jeder wird mit einem Schlag um über 3 Millionen Pfund reicher. Die Gewinner versammeln sich bei einem Busfahrer zuhause und melden sich bei ihrem Chef für den nächsten Tag ab. Zusammen feiern sie die ganze Nacht durch, um dann am Morgen bei der Lotteriegesellschaft die Forderung einzureichen. «Am nächsten Tag war überhaupt nicht daran zu denken, einen Bus zu chauffieren», sagt John Noakes (49), einer der Gewinner, gegenüber der britischen Zeitung «Daily Mail».

Endlich «ein ordentlicher Flitzer»

Die Busgesellschaft versucht verzweifelt, den Fahrplan einzuhalten. Sogar die Manager des Unternehmens müssen ans Steuer. Noakes will den Bus sogar für immer stehen lassen: «Ich fühle das Ende meiner Tage hinter dem Steuer kommen. Ich weiss, dass ich nicht zurückkehren werde und andere werden dasselbe tun».

Bei allem Übermut – die Briten bleiben bescheiden. «Ehrlich gesagt bin ich froh, als Teil einer Wettgemeinschaft gewonnen zu haben,» so Charles Connor (40) gegenüber «Daily Mail». «38 Millionen klingen wahnsinnig furchteinflössend, 3,16 Millionen Pfund sind abschreckend genug.» Konkrete Vorstellungen haben sie aber bereits und die sind dann doch nicht so bescheiden: Connor will zurück zur Schule, um Fremdsprachen und Mathe zu lernen. Ausserdem will er einem Golfclub beitreten. Zuerst will er sich aber ein neues Auto, und zwar einen «ordentlichen Flitzer» zulegen. Noakes kauft sich als Erstes einen Aston Martin und seiner Frau «was immer sie sich wünscht».

12 freie Jobs?

Ally Spencer (62) will ein Häuschen in Corby erwerben und mit der ganzen Familie nach Jamaica fahren. David Mead hat laut Verwandten auf der Stelle gekündigt. Er wolle sich jetzt ein neues Auto kaufen und sich um seine Familie kümmern. Fernanda Derrick, die Frau eines Gewinners, sagt: «Wir bleiben auf dem Boden, das Geld wird uns nicht verändern.» Sie wolle den Gewinn für die «üblichen Dinge» ausgeben wie beispielsweise «Ferien im Ausland, ein neues Auto und einen Umzug». Treffend beschreibt der Karikaturist der «Daily Mail» den Ausnahmezustand in Corby: «Typisch! Man wartet Jahre auf einen Bus und dann fahren auf einmal drei Aston Martins zur selben Zeit vorbei!»

Die Busgesellschaft Stagecoach hat den Gewinn der zwölf Busfahrer noch nicht kommentiert und behauptet, keine Kündigungen erhalten zu haben. Der Betrieb laufe ganz normal weiter. Bewohner twitterten am Samstag aber, dass es unmöglich sei, einen Bus zu erwischen. Wenn also nicht wieder die Manager ans Steuer wollen, werden sie sich früher oder später wohl um neue Mitarbeiter kümmern müssen. Spencer: «Ich denke, es werden bald zwölf Jobs frei.» Schliesslich müssen die Gewinner jetzt ihre schnellen Flitzer spazieren fahren und neue Häuser kaufen.

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