60. Jahrestag: Die Luftbrücke machte aus Gegnern Freunde
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60. JahrestagDie Luftbrücke machte aus Gegnern Freunde

Genau 60 Jahre nach der sowjetischen Blockade Westberlins haben Politiker und Veteranen am Donnerstag an die Luftbrücke in die umkämpfte Stadt erinnert.

Verteidigungsminister Franz-Josef Jung würdigte die spektakuläre Aktion der Westalliierten als Symbol der Hilfsbereitschaft und Freundschaft. «Die Luftbrücke hat aus Gegnern Freunde gemacht», betonte er bei einer Gedenkveranstaltung am Luftbrückendenkmal auf dem Frankfurter Flughafen. An der Feier nahmen auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch und zahlreiche Veteranen teil.

Jung würdigte den Beginn der Berliner Luftbrücke als historisches Datum, das die Entwicklung Deutschlands massgeblich beeinflusst habe. «Dass wir die Einheit unseres Vaterlandes erreicht haben, verdanken wir unseren Freunden», sagte er mit Blick auf die Westalliierten USA, Grossbritannien und Frankreich. Diese Leistung sei nur wegen des Mutes der Piloten möglich gewesen. Für Deutschland ergebe sich daraus die Verpflichtung, auch in Zukunft für das Recht, den Frieden und die Freiheit einzutreten und seinen Freunden zu helfen.

«Wir arbeiteten nur für ein Ziel: die Freiheit»

Der berühmte Luftbrücken-Pilot Gail Halvorsen nannte den Einsatz für Westberlin bei einer Gedenkveranstaltung auf dem US-Militärflugplatz Wiesbaden-Erbenheim die wichtigste Erfahrung seines Lebens. «Das hat mein Leben komplett verändert», sagte der 87-Jährige, der bei der Gedenkveranstaltung am Morgen seinen militärgrünen Arbeitsanzug von 1948 trug. «Mit den früheren Feinden arbeiteten wir nur für ein Ziel: die Freiheit.» Für ihn seien die Deutschen zu Freunden geworden, als der sowjetische Machthaber Josef Stalin mit der Blockade auch Frauen und Kinder gefährdete. «Das hat unsere Gefühle für die Deutschen wirklich verändert. Als die Westberliner in Dankbarkeit unsere Hände schüttelten, das hat es bewirkt.» Halvorsen hatte an kleinen Fallschirmen Schokolade für die Kinder abgeworfen.

Koch betonte, die Luftbrücke habe den Deutschen klar gemacht, wie stark die Freundschaft der USA trotz des vorausgegangenen Krieges war. Auch heute sei diese dramatische Entscheidung des damaligen US-Präsidenten Harry Truman eine Erinnerung daran, dass der Einsatz für den Frieden Erfolg haben könne. Der US-Standortkommandant in Wiesbaden, Ray Graham, würdigte die Luftbrücke als grösste humanitäre Aktion aller Zeiten. Durch die Aktion seien die USA von einer Besatzungsmacht zur Schutzmacht geworden.

«Aus Gegnern wurden Verbündete und Freunde»

Der Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller betonte, ohne die Luftbrücke wäre die Wiedervereinigung Deutschlands nicht möglich gewesen. Sie habe die Hoffnung erhalten, dass Berlin befreit werde, und die deutsch-amerikanischen Beziehungen entscheidend geprägt: «Aus Gegnern wurden in ganz kurzer Zeit Verbündete und Freunde.» Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth sagte, die USA hätten den Deutschen mit ihrer Hilfe ein Stück der Würde zurückgegeben, die während des Krieges verloren gegangen war. Der US-Botschafter William Timken erklärte, dank der Luftbrücke werde Berlin stets ein Symbol der Freiheit bleiben.

Mit der als Operation Vittles (Proviant) bezeichneten Luftbrücke versorgten die Westalliierten von Juni 1948 bis September 1949 mehr als zwei Millionen Bürger Westberlins mit Nahrungsmitteln, Kohle und anderen Verbrauchsgütern. Weil die Sowjetunion als Reaktion auf die westdeutsche Währungsreform die Bahn-, Strassen- und Schifffahrtsverbindungen nach Berlin blockierte, wurden bei mehr als 278.000 Flügen rund 2,3 Millionen Tonnen Güter per Luftkorridor in die Stadt gebracht. Mehr als 70 Soldaten kamen bei der einzigartigen Aktion ums Leben. (dapd)

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