Aktualisiert 17.02.2020 14:50

BMW-Designer

«Die Lust an sportlich-eleganten Fahrzeugen nimmt zu»

BMW-Designer Christopher Weil relativiert den Groll gegen SUVs und blickt in die Designzukunft der Bayern.

von
T. Borowski
BMW-Designer Christopher Weil.

BMW-Designer Christopher Weil.

BMW

Christopher Weil, nicht nur in der Schweiz stossen SUV im Rahmen der CO2-Debatte auf viel Kritik. Bringt BMW deshalb ein weiteres Gran Coupé auf den Markt?

Nein, das ist nicht nötig. Denn moderne SUV sind viel effizienter als ihr Ruf es glauben macht. Die heutigen Fahrzeuge sind relativ aerodynamisch und beim Verbrauch nicht wesentlich schlechter als ihre Limousinen-Brüder. Trotzdem ist so ein Fahrzeugkonzept wie beim 2er Gran Coupé natürlich effizienter.

Inwiefern überwiegen die Vorteile des Gran Coupés gegenüber einem SUV?

Die Fahrzeugarchitekturen bedienen verschieden Bedürfnisse, das ist klar. Beide haben ihre Berechtigung. Und verstehen Sie mich richtig: ich glaube nicht, dass der SUV-Markt kippen wird. Aber ich glaube trotzdem, dass in Zukunft Fahrzeuge wie das Gran Coupé wieder deutlich attraktiver werden.

Warum glauben Sie das?

Weil das viertürige Gran Coupé auch in der Stadt gut funktioniert – man kann es leicht parken und die Kombination des eleganten Äusseren mit dem grossen Innenraum macht das Fahrzeug sportlich aber auch für die Familie alltagstauglich. Und wir spüren, dass die Lust an sportlich-eleganten Fahrzeugen wie dem Gran Coupé wieder deutlich zunimmt.

Ist das Gran Coupé nicht eher für die Überseemärkte in den USA und China ausgelegt, als für Europa?

Nein, wir gestalten jeden BMW so, dass er ein echter BMW ist. Dabei haben wir nicht einzelne Märkte im Auge. Per se ist es immer so, dass wir versuchen, BMW-Standards zu erfüllen: Die Qualität wird geprägt durch die Design- und entsprechende Formensprache.

Die Proportionen des 2er Gran Coupé ähneln frappant dem Elektro-Auto i4, das BMW nächstes Jahr lanciert. Wollen Sie Ihre Kundschaft an die Form gewöhnen?

Das 2er Gran Coupé ist in seiner Optik clean, aufgeräumt und glattflächig. Das ist ein Schritt in die Zukunft. So haben wir zum Beispiel die klassische Sicke oder den Hofmeisterknick neu interpretiert. Grundsätzlich entwickeln wir das BMW-Design konstant weiter – aber das 2er Gran Coupé nimmt jetzt nichts vorweg, was mit den elektrifizierten BMW kommt.

Was können Sie zu den neuen Elektro-BMW wie dem i4 verraten?

Leider darf ich heute noch keine Details preisgeben, aber soviel vorweg: es wird ein sehr elegantes und sportliches Fahrzeug und man wird es eindeutig als Elektrofahrzeug erkennen können. Im Design gehen wir in der Elektro-Optik nochmals einen Schritt weiter, es wird noch erkennbarer.

Welche Merkmale werden die zukünftigen E-Fahrzeuge von BMW tragen?

Über die Jahre haben wir bei BMW i das Blau als Erkennungsfarbe etabliert. Natürlich wird es weiter farbliche Akzente geben, aber zukünftig wird unsere Elektrifizierung dezenter gestaltet. Sie wird nicht mehr so ins Auge stechen wie bei unseren heutigen Modellen i3 und i8. Trotzdem wird man auf den ersten Blick erkennen, dass dieser BMW ein elektrifiziertes Fahrzeug ist.

Hat die fortschreitende Digitalisierung ebenfalls Einfluss auf das Autodesign der Zukunft?

Natürlich beeinflusst uns die Digitalisierung! Insbesondere im Innenraum der Fahrzeuge, die wir über digitale Inhalte in Zukunft ganz anders bespielen können als bisher. Ich persönlich will die Digitalisierung auch ins Exterieur der Autos tragen. Da sieht man sie heutzutage noch nicht, und das kann sich auch noch nicht jeder vorstellen. Aber diese Thematik ist sehr spannend: das Exterieur ein Stück weit über digitale Inhalte zu individualisieren, zu verändern und darüber auch Informationen nach Aussen zu geben.

Das tönt extravagant, haben Sie ein Beispiel dafür?

Ich kann den Mini Vision Next 100 nennen. Da haben wir es geschafft, die ganze Seitenwand des Fahrzeuges zu bespielen. Durch die lackierte Aussenhaut der Türen kann man digitale Inhalte zeigen und auch verändern, ideal für Kunden, die es individuell mögen. Ob das für BMW in dem Umfang sein muss? Nein, natürlich nicht, wir würden das selbstverständlich anpassen! Aber die Technologie gibt einen Eindruck, was in Zukunft möglich wird.

Und wie stellen Sie sich das BMW-Design der Zukunft vor?

Meine Zukunftsvision für das BMW-Design ist, der Marke treu zu bleiben. Im Grunde müssen wir wieder zu dieser sportlichen Eleganz finden, die BMW seit jeher geprägt hat. Aber in einer sehr modernen Ausprägung. Der kommende i4 ist ein erster Ausblick, aber wir wollen darüber hinausgehen und versuchen, die Grenzen zu verschieben. Es sind spannende Zeiten für Designer: die Elektrifizierung, die Digitalisierung, das autonome Fahren – es könnte nicht aufregender sein.

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Christopher Weil (44) ist seit 20 Jahren kreativer Designer der BMW Group. Als Head of Exterior Design BMW ist er heute für alle Exterior von BMW-Modellen verantwortlich, inklusive Leuchten, Felgen und Anbauteilen. Zu seinen Arbeiten gehören Modelle wie der 5er GT, der 3er, das 2er Coupé und Cabrio sowie zukünftige BMW-Elektrofahrzeuge.

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