Statistik gegen die Wut: Die Mär von der muslimischen Empörung
Aktualisiert

Statistik gegen die WutDie Mär von der muslimischen Empörung

Brennende Fahnen und wütende Männer: Die Bilder aus den muslimischen Ländern vermitteln ein beängstigendes Bild. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache.

von
aeg

Wenn in den Schweizer Stuben dieser Tage wütende Muslime über die Bildschirme flimmern, die «den USA den Tod» wünschen oder «Allah ist gross» schreien und dabei westliche Fahnen verbrennen, so erhält man gerne den Eindruck: Die muslimische Welt ist ausser Rand und Band. Man könnte denken, die Muslime schäumen vor Wut über den aus den USA stammenden Schmähfilm, der den islamischen Propheten Mohammed verunglimpft.

Bereits haben zahlreiche westliche Kommentatoren die Proteste als Kulturkampf heraufbeschworen und vor dem Fanatismus der arabischen Bevölkerung gewarnt. Man konnte den Eindruck erhalten, ein Krieg der Kulturen stehe kurz bevor.

Doch bevor wir uns nun verängstigt im Luftschutzkeller verschanzen und darauf warten, dass die wütenden Islamisten angreifen, sollten wir mit einem Blick auf die Zahlen unsere Gemüter beruhigen. Dies hat Megan Reif, Politikwissenschaftlerin an der Universität von Colorado, bereits getan. Mit einer simplen Zusammenstellung, basierend auf Landesstatistiken und Medienberichten, werden die Relationen in diesem Konflikt aufgezeigt. Und diese sprechen eine klare Sprache.

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0,00312 Prozent der Ägypter demonstrierten

Beispiel Jemen. Das streng muslimische Land zählt knapp 25 Millionen Einwohner, so gut wie alle davon Moslems. Bei den Protesten gegen den Film haben sich in den vergangenen Tagen und Wochen ganze 2000 Leute versammelt. Dies sind 0,008 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Ägypten. Dort gingen von den rund 80 Millionen Muslimen gerade einmal 2500 Menschen auf die Strasse (0,00312 Prozent). Während des arabischen Frühlings waren es rund 250 000 Demonstranten.

Im Iran, dem islamischen Gottesstaat und Erzfeind der USA, gingen von den 75 Millionen Einwohnern 5000 auf die Strasse. Kein Vergleich zur einstigen Hass-Stimmung gegen Amerika. Nur 0,0067 Prozent der Iraner demonstrierten.

36 Algerier auf der Strasse

Das wohl extremste Beispiel der nicht vorhandenen Empörung in den muslimischen Ländern ist aber Algerien. Dort entschlossen sich 36 Menschen dazu, gegen das Video zu demonstrieren. Gemessen an den 36 Millionen Menschen in Algerien ein verschwindend kleiner Anteil.

Einzig in Pakistan stieg die Anzahl Demonstranten auf stattliche 20 000. In den Ländern Syrien, Libyen, Marokko, Mauretanien, Tunesien, Libanon, Oman, Kuwait und Katar überstieg die Anzahl Demonstranten die Tausender-Marke bei weitem nicht.

Als Vergleich drängt sich die Occupy-Bewegung auf, die im vergangenen Jahr auch in der Schweiz aktiv war. Auf dem Zürcher Paradeplatz versammelten sich ein paar hundert Menschen. Zu sagen, die ganze Schweiz wäre in Aufruhr gewesen, wäre wohl auch da verfehlt gewesen.

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