Wohnungsmarkt: Die Mär von der «Zugerisierung»
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WohnungsmarktDie Mär von der «Zugerisierung»

Im Kanton Zug finden nicht bloss Reiche eine Mietwohnung. Die Regierung kommt in einer Analyse zum Schluss, dass von einer «Vertreibung aus dem Paradies» nicht die Rede sein könne.

Blick auf die Stadt Zug. Eine Studie der Regierung zeigt: Auch Otto Normalverbraucher findet im Kanton Zug noch bezahlbaren Mietraum.

Blick auf die Stadt Zug. Eine Studie der Regierung zeigt: Auch Otto Normalverbraucher findet im Kanton Zug noch bezahlbaren Mietraum.

Viele Durchschnitts-Verdiener klagen darüber, dass sie im Kanton Zug keine bezahlbare Wohnung mehr finden. Die Stimmen mehren sich, dass es für Leute mit mittleren und tiefen Einkommen keinen Platz mehr gibt. Analog zur «Seefeldisierung» in der Stadt Zürich wird das Phänomen hier «Zugerisierung» genannt.

Das Schweizer Fernsehen widmete dieser Entwicklung vor knapp einem Jahr eine «Reporter»-Sendung. Unter dem Titel «Vertreibung aus dem Paradies» berichtete SF darüber, wie «Zug den Zugern allmählich abhanden kommt». Diese Sendung sei der Auslöser dafür gewesen, dass man eine Analyse der Wohnungspreise in Auftrag gegeben habe, sagte Regierungsrat Heinz Tännler am Montag vor den Medien. Bis dahin habe man über keine verlässlichen Daten verfügt.

Teurer als Luzern, günstiger als Zürich

Die Ergebnisse des Beratungsunternehmens Wüest und Partner, die Tännler am Montag präsentierte, bedeuten für die Regierung vor allem eines: Alles nur halb so schlimm. Die Mieten sind gemäss Analyse in den letzten 15 Jahren nur moderat gestiegen, konkret um 16 Prozent. Dies relativiere den Ruf vom Paradies, das sich keiner mehr leisten könne, sagte Tännler.

Die besten Tricks zur Wohnungssuche

Im Kantonsdurchschnitt kostet eine 4-Zimmer-Wohnung 2000 Franken netto. In der Stadt Zug sind es 2279 Franken, in umliegenden Gemeinden zwischen 1750 und 2150 Franken. Dies ist zwar mehr als in Luzern, aber deutlich weniger als in der Stadt Zürich, wo eine 4- Zimmer-Wohnung 2200 Franken kostet. Für diese Zahlen wurden die Preise von 761 Zuger 4-Zimmer- Wohnungen ausgewertet, die im 3. Quartal auf den bekanntesten Immobilienportalen und in den Zeitungen ausgeschrieben waren.

Der Platz wird knapp

Keine Angaben macht der Kanton darüber, ob das Angebot an Mietwohnungen in den letzten Jahren generell abgenommen habe - zugunsten von neuem Wohneigentum. Diese Zahlen werden gegenwärtig im Rahmen der Volkszählung erhoben und sollten 2012 vorliegen.

Einräumen muss die Zuger Regierung jedoch, dass die Preise für Wohneigentum in den letzten 15 Jahren regelrecht explodiert sind. Im Vergleich mit 1996 kostet eine Eigentumswohnung heute ganze 60 Prozent mehr. Noch teurer wird der Traum vom eigenen Haus. Weil im Kanton Zug der Platz knapp ist, werden fast nur noch Eigentumswohnungen gebaut. Der Handel mit Einfamilienhäusern ist praktisch zum Erliegen gekommen, die Hauspreise haben fast astronomische Höhen erreicht. (sda)

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