Ottmar Hitzfeld: «Die Mannschaft brennt»
Aktualisiert

Ottmar Hitzfeld«Die Mannschaft brennt»

Ottmar Hitzfeld macht in Tel Aviv klar: «Wir sind bereit.» Auch Captain Ludovic Magnin scheint zu wissen, wie man Israel knacken kann und macht einen überraschenden Exkurs in die Psychologie des israelischen Supporters.

von
Sandro Compagno
Tel Aviv

Der neue Nati-Coach war nie ein Mann der lauten Worte. Einen Tag vor dem Start zur WM-Quali gegen Israel aber benutzte Ottmar Hitzfeld ein ganz starkes Bild: «Die Mannschaft brennt.»

Die Atmosphäre im Ramat-Gan-Stadion wird aufgeladen sein, wenn die Schweiz und Israel am Samstag um 19.55 Uhr Schweizer Zeit aufeinander treffen. Doch nicht nur Atmosphäre und Temperatur (über 30 Grad), auch die Schweizer Nati wird heiss sein. «Wir sind bereit», verspricht Hitzfeld und zeigt sich von der Arbeitsmoral seiner Mannschaft beeindruckt. «Eine intensive Ausstrahlung» habe er verspürt im ersten Training am Donnerstagabend.

Magnin will «Publikum abschalten»

«Wir wissen, was uns erwartet», sagt Ludovic Magnin und führt die staunende Journalisten-Schar in einen Exkurs zur Psychologie des israelischen Supporters: «Das Publikum hier ist sehr leidenschaftlich. Wenn die Israelis uns unter Druck setzen, werden sie von den Fans lautstark unterstützt werden.» Diesen heissblütigen Fans will Magnin sinnbildlich den Stecker herausziehen: «Wir müssen das Publikum abschalten.» Und das geht so: «Kühlen Kopf bewahren, zum Ball Sorge tragen und dem Gegner keine Chance geben, Konter zu fahren. Wenn wir die Partie im Griff haben, wird das Publikum seine Enttäuschung der eigenen Mannschaft zu spüren geben.»

Israel, die Nummer 19 der Welt, spielt zuhause gegen die Nummer 43. So fragwürdig die Fifa-Weltrangliste sein mag, für Hitzfeld ist sie Grund genug, die Favoritenrolle den Gastgebern in die Fussball-Schuhe zu schieben. «Das Ranking hat Aussagekraft. Israel hat eine starke Mannschaft. Man hat mir gesagt, es sei die stärkste, die das Land je hatte.» Und Israel ist heimstark, verliert im Schnitt nur eines von zehn Heimspielen.

Defensive als Schwäche

Hitzfeld sagt es nicht, aber er weiss, dass der Gegner auch Schwächen hat. Die Defensive bereitet seinem Kontrahenten Dror Kashtan Kopfzerbrechen. Ausser Tal Ben Haim (Man City) verfügt der 66-Jährige kaum über international taugliche Abwehrspieler. Und zu allem Übel fehlt auch noch Mönchengladbachs defensiver Mittelfeldspieler Gal Alberman wegen einer Verletzung. Dafür kann in der Offensive schon mal die Post abgehen: Liverpool-Star Yossi Benayoun dürfte wieder eine offensivere Rolle übernehmen als im missratenen letzten Test gegen Finnland (0:2).

Das wünschen sich die Fans hier in Tel Aviv, die das alte Ramat-Gan-Stadion in einen Hexenkessel verwandeln wollen. Das Schlusswort dazu gehört dem Schlussmann. Diego Benaglio: «Auf diesen Hexenkessel freue ich mich. Das ist es doch, was den Fussball ausmacht.»

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