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KrankenkasseDie Massnahmen gegen den Prämienschock

Leistungen streichen, Franchisen rauf oder Familien entlasten: Welche Kur schafft es, das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren?

von
J. Büchi
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Die jährlichen Prämienerhöhungen sind für viele Schweizer schmerzhaft - und ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht. Folgende Massnahmen sollen zumindest eine Linderung bringen.

Die jährlichen Prämienerhöhungen sind für viele Schweizer schmerzhaft - und ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht. Folgende Massnahmen sollen zumindest eine Linderung bringen.

Keystone/Martin Ruetschi
Anfang Monat hat der Bundesrat bekannt gegeben, dass er medizinische Leistungen systematisch auf ihren Nutzen hin überprüfen lassen will. Unnötige Medikamente, Laboranalysen und Operationen sollen künftig nicht mehr von der Grundversicherung bezahlt werden.

Anfang Monat hat der Bundesrat bekannt gegeben, dass er medizinische Leistungen systematisch auf ihren Nutzen hin überprüfen lassen will. Unnötige Medikamente, Laboranalysen und Operationen sollen künftig nicht mehr von der Grundversicherung bezahlt werden.

Keystone/Manuel Lopez
Die Eigenverantwortung soll nach dem Willen bürgerlicher Politiker gestärkt werden. Damit die Patienten nicht mehr «bei jeder Bagatelle zum Arzt rennen», fordert beispielsweise die FDP eine Erhöhung der Mindest- und der Maximalfranchise.

Die Eigenverantwortung soll nach dem Willen bürgerlicher Politiker gestärkt werden. Damit die Patienten nicht mehr «bei jeder Bagatelle zum Arzt rennen», fordert beispielsweise die FDP eine Erhöhung der Mindest- und der Maximalfranchise.

Keystone/Christian Beutler

Den Prämienzahlern reichts: Der Bericht, wonach die Kosten in der Grundversicherung im ersten Quartal erneut um 7,7 Prozent gestiegen sind, provozierte auf 20Minuten.ch über tausend wütende Kommentare. In einer Kurzumfrage fordern 78 Prozent der knapp 20'000 Teilnehmer: «Jetzt muss die Politik endlich handeln!»

Dass Handlungsbedarf besteht, darüber besteht auch bei den Gesundheitspolitikern in Bern Einigkeit. «Wenn der Druck weiter steigt, droht das System zu kollabieren», warnen linke und rechte Politiker. Doch welches ist das richtige Heilmittel?

Unwirksame Behandlungen vermeiden:

Anfang Monat hat der Bundesrat bekannt gegeben, dass er medizinische Leistungen systematisch auf ihren Nutzen hin überprüfen lassen will. Unnötige Medikamente, Laboranalysen und Operationen sollen künftig nicht mehr von der Grundversicherung bezahlt werden. Laut Schätzungen des Bundes könnten rund 20 Prozent der Gesundheitskosten durch mehr Effizienz eingespart werden.

Ein Pilotprojekt ist bereits angelaufen – in einem ersten Schritt sollen etwa Kniearthroskopien und Behandlungen gegen Eisenmangel auf ihre Wirksamkeit hin untersucht werden. Für das Projekt gibt es aus allen Lagern Applaus.

«Vollkasko»-Mentalität bekämpfen:

Die Eigenverantwortung soll nach dem Willen bürgerlicher Politiker gestärkt werden. Damit die Patienten nicht mehr «bei jeder Bagatelle zum Arzt rennen», fordert beispielsweise die FDP eine Erhöhung der Mindest- und der Maximalfranchise. «Heute versichert man sich einmal und konsumiert dann, ohne weiter darüber nachzudenken. Dieser Vollkasko-Mentalität müssen wir entgegenwirken», sagt FDP-Nationalrätin Regine Sauter.

Sebastian Frehner (SVP) bringt zudem eine alte Forderung wieder aufs Tapet: «Wenn der Patient für jeden Arztbesuch eine Pauschale aus der eigenen Tasche bezahlen müsste, würde er es sich zwei Mal überlegen, ob der Termin überhaupt nötig ist.» Kritiker wenden ein, dass Erkrankungen so später entdeckt würden – und die Behandlungskosten dadurch umso höher ausfielen. Nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit muss die Bevölkerung in der Schweiz zudem schon heute mehr Gesundheitsleistungen selbst berappen als in allen anderen OECD-Ländern.

Familien entlasten:

SP-Nationalrat Jean-François Steiert sagt, effizienzsteigernde Massnahmen allein könnten den Prämienschock nicht abfedern: «Die Gesundheitskosten werden auf jeden Fall weiter steigen – das ist in allen OECD-Ländern so.» Darunter leide insbesondere der Mittelstand, der nicht von Prämienverbilligungen profitiere. «Mittelständischen Familien müssen dringend entlastet werden – sonst versagt unser Gesundheitssystem», so Steiert. Er plädiert für mehr Solidarität: «Die Reichen bezahlen in der Schweiz nämlich so wenig Prämien wie sonst nirgends in Europa.»

Die Planung einer SP-Initiative, welche die Prämienbelastung auf zehn Prozent des Haushaltseinkommens beschränken will, ist allerdings ins Stocken geraten. Von CVP-Frau Ruth Humbel stammt die Idee, Kinder bis 18 Jahre von den Krankenkassenprämien zu befreien, um Familien auf diese Weise zu entlasten. Kritiker sprechen von Symptombekämpfung.

Neue Regeln für Ärzte und Tarife:

Laut BAG-Vizedirektor Oliver Peters müssen die Ärztetarife angepasst werden. «Es ist kein Geheimnis, dass etwa in der Radiologie, der Radiotherapie oder der Augenheilkunde gewisse Tarife viel zu hoch angesetzt sind – und dass diese Leistungen besonders oft verschrieben werden.» Einigen sich Versicherungen, Spitäler und Ärzte nicht von sich aus auf tiefere Tarife, schaltet sich der Bund ein. Weiter ist laut Peters auch eine Verlängerung des Zulassungsstopps für ausländische Ärzte nötig, um ein Überangebot an Praxen zu vermeiden.

Geht es nach FDP und SVP, sollen die Krankenkassen künftig selbst entscheiden können, mit welchen Ärzten und Spitälern sie überhaupt noch kooperieren wollen. «Mehr Wettbewerb zwischen den einzelnen Anbietern führt zu tieferen Preisen», ist SVP-Nationalrat Frehner überzeugt. Heute darf jeder Arzt seine Leistungen über die Grundversicherung abrechnen. Kritiker warnen, dass Ärzte mit vielen chronisch kranken Patienten unter einer Aufhebung des sogenannten Vertragszwangs leiden würden.

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