Geiseltausch in Pakistan: Die Mata Hari der Al-Kaida

Aktualisiert

Geiseltausch in PakistanDie Mata Hari der Al-Kaida

Ihr werden Al-Kaida-Verbindungen nachgesagt und sie muss noch 85 Jahre Haft absitzen. Doch nun soll Aafia Siddiqui gegen die zwei Schweizer Geiseln ausgetauscht werden - nach dem Willen der Taliban.

von
ann
Aafia Siddiqui am 17. Juli 2008 in Gazni, Afghanistan, wo sie von einer Terrorabwehr-Einheit verhaftet wurde.

Aafia Siddiqui am 17. Juli 2008 in Gazni, Afghanistan, wo sie von einer Terrorabwehr-Einheit verhaftet wurde.

Die pakistanischen Taliban wollen das entführte Schweizer Polizisten-Paar gegen eine ganz besondere Gefangene in den USA austauschen. Ihr Name: Aafia Siddiqui.

Die heute 39-jährige Wissenschaftlerin galt einst als eine der meistgesuchten Frauen der Welt. 2004 wurde sie vom amerikanischen Justizminister John Ashcroft als einzige Frau auf die Liste der «tödlichen sieben» gesetzt. Diesen sieben wurden mögliche Verbindungen zum Terror-Netzwerk Al-Kaida nachgesagt. Siddiqui soll Gelder für Al-Kaida besorgt haben, indem sie Spenden eintrieb und Diamanten schmuggelte. Die Presse nannte sie «Mata Hari der Al-Kaida» und «weibliches Genie».

Verbindung zu den Anschlägen aufs World Trade Center

Die aus Pakistan stammende dreifache Mutter, die am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA Neurowissenschaften studiert hat, wurde bereits mit den Anschlägen auf das World Trade Center in Verbindung gebracht. Damals kauften Siddiqui und ihr Mann Nachtsichtgeräte, Waffen und Militärratgeber übers Internet. Gegenüber dem FBI gab das Ehepaar an, die Gegenstände für einen Jagdausflug benötigt zu haben. Ein Verfahren wurde nie eingeleitet.

Aafia Siddiqui kehrte nach Pakistan zurück und liess sich von ihrem Mann scheiden. Im März 2003 verschwand Siddiqui zusammen mit ihren Kindern und wurde bald darauf weltweit gesucht. Erst 2008 tauchte sie wieder auf. Mit ihrem 11-jährigen Sohn an der Hand wurde sie im Juli in der kleinen afghanischen Stadt Gazni verhaftet.

Schüsse im Verhörraum

Die beiden wurden verdächtigt, ein Selbstmordattentat verüben zu wollen. Sie sollen Pläne und auch Chemikalien für einen Anschlag in den USA auf sich getragen haben. Die Flaschen voller Chemikalien hätten angeblich bei der Freiheitsstatue in New York explodieren sollen.

Das FBI wurde auf den Plan gerufen und verhörte Mutter und Sohn. Dabei soll es Aafia Siddiqui gelungen sein, eine Waffe an sich zu reissen. Zweimal habe die Wissenschaftlerin geschossen, aber niemanden verletzt. Als sie überwältigt wurde, soll sie geschrien haben, dass sie «Amerikaner umbringen» wolle. Siddiqui wurde dabei angeschossen und schwer verletzt.

In Geheimgefängnis festgehalten?

Wenig später wurde die Frau in die USA ausgeflogen und dort 2010 wegen versuchter Tötung angeklagt. Während des Verfahrens behauptete die Frau, sie sei nicht für fünf Jahre untergetaucht, sondern inhaftiert gewesen. Die USA hätten sie in einem Geheimgefängnis festgehalten. Die Behauptungen wurden von ihrer Familie und Menschenrechtsgruppen gestützt. Die amerikanische Armee und der Geheimdienst CIA dementieren dies.

Im September 2010 wurde Aafia Siddiqui zu 86 Jahren Haft verurteilt. Doch die Verbindungen zur Al-Kaida waren bei der Anklage kein Thema mehr. Siddiqui wurde verurteilt, weil sie beim Verhör versucht habe, amerikanische Soldaten zu töten.

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