Lichtsammler: Die Maus, die ihren Strom selbst produziert

Aktualisiert

LichtsammlerDie Maus, die ihren Strom selbst produziert

Jede Oberfläche kann Strom liefern: Zukunftsmusik? Nicht für die Forscher der Universität Zürich. Ihre Beschichtung ZeoFret sorgt für kostengünstige Solarenergie.

von
Manuel Bühlmann
ZeoFret sammelt Licht und leitet es an Solarzellen weiter, wo es in Strom umgewandelt wird.(Bild: optical-additives.com)

ZeoFret sammelt Licht und leitet es an Solarzellen weiter, wo es in Strom umgewandelt wird.(Bild: optical-additives.com)

Der Schweizer Chemiker Dominik Brühwiler forscht am anorganisch-chemischen Institut der Universität Zürich. Sein Team hat gemeinsam mit dem Start-up-Unternehmen «Optical Additives» eine Beschichtung namens ZeoFret entwickelt, die dabei hilft, kostengünstig Solarenergie zu gewinnen.

Die Stärke dieses Materials liegt darin, dass jede beliebige Oberfläche benutzt werden kann, um Licht zu sammeln. Die meisten herkömmlichen Solarzellen-Typen benötigen eine flache Fläche, um aufgetragen werden zu können. Mit ZeoFret hingegen könnten auch gewölbte Geräte, wie etwa eine Computermaus, als Lichtsammler benutzt werden. Ganz ohne Solarzellen kommt die neue Technologie aber nicht aus. ZeoFret sammelt das Licht, die Umwandlung zu Strom läuft nach wie vor über Solarzellen, von denen aber nur noch eine geringe Fläche benötigt wird.

«Theoretisch liesse sich ZeoFret auch an Gebäuden auftragen. Dafür muss aber eine Stabilität von mindestens 20 Jahren garantiert werden und das können wir zurzeit noch nicht. Darum sind erst einmal Kleingeräte mit kürzeren Lebensdauern wie Handys, Spielzeug oder Computer-Mäuse in unserem Fokus. Langfristig sind aber auch Fassaden und Dächer für uns interessant», erklärt Brühwiler seine Pläne im Gespräch mit 20 Minuten Online.

Günstiger als Solarzellen

Mögliche Anwendungsbereiche sind TV-Fernbedienungen und drahtlose Computertastaturen. Sie brauchen wenig Strom und liegen die meiste Zeit irgendwo herum. Hier kann ZeoFret die Batterie überflüssig machen. Bei Handys ist dies allerdings nocht nicht der Fall: «Weder Solarzellen noch ZeoFret können etwa das iPhone-Ladekabel ersetzen, da die Smartphones sehr viel Strom fressen. Der Abstand zwischen den Ladezyklen lässt sich damit jedoch hinauszögern. Anstatt das iPhone täglich ans Stromkabel hängen zu müssen, wird dies vielleicht nur noch alle zwei Tage nötig», so Brühwiler.

Der ZeoFret-Lumineszenzkonzentrator ist zwar noch weniger effizient als eine herkömmliche Silizium-Solarzelle, dafür aber wesentlich günstiger in der Herstellung. Der Effizienzverlust kann also über den Preis ausgeglichen werden. Detaillierte Angaben zum Wirkungsgrad will Brühwiler keine machen und beruft sich auf eine Geheimhaltungsvereinbarung mit Optical-Additives.

Ein weiterer Vorteil ist, dass ZeoFret in vielen verschiedenen Farben ausgeliefert werden kann und zudem völlig ungiftig ist, was zum Beispiel bei Spielzeugen wichtig ist.

Auf der Suche nach Aufträgen

Die Technologie wurde zusammen mit dem Startup und dem Berner Chemie-Professor Gion Calzaferri patentiert. Brühwiler rechnet aber nicht mit dem schnellen Geld. «Das Ziel von Optical Additives ist es, erste Aufträge für die Fertigung von Prototypen zu gewinnen. Verschiedene Hersteller mobiler Geräte haben bereits einen entsprechenden Vorschlag bekommen. Wir sind gespannt auf die Reaktionen.

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