Restorm.com: Die Max-Havelaar-Musikbörse
Aktualisiert

Restorm.comDie Max-Havelaar-Musikbörse

Ein Schweizer Jungunternehmen mischt den Musikmarkt auf – mit «Fairtrade». Der Künstler soll bis 90 Prozent der Einnahmen erhalten - statt 50 Prozent wie branchenüblich.

von
Hans Peter Arnold
Songs auf Youtube, Facebook oder irgendwo auf einer Homepage: Das Schweizer Unternehmen Restorm AG will sich als Bindeglied zwischen Künstler und Käufer etablieren.

Songs auf Youtube, Facebook oder irgendwo auf einer Homepage: Das Schweizer Unternehmen Restorm AG will sich als Bindeglied zwischen Künstler und Käufer etablieren.

Apples iTunes erhält Konkurrenz. Die neue Plattform Restorm.com will sich als «sympathische Alternative» im Musikmarkt etablieren. Und zwar mit einer «Fairtrade»-Lösung.

Die Plattform verrechnet mit nur 10 Prozent pro Song die niedrigste Kommission im ganzen Internet. «Satte 90 Prozent der Einnahmen wandern also direkt zum Künstler oder Label», sagt Firmengründer Philippe Perreaux. Zum Vergleich: Über iTunes erhält der Künstler in der Regel nicht mehr als 50 Prozent der Einnahmen.

Ein Tor zu einem riesigen Markt aufgestossen

Restorm erlaube den direkten Weg vom Künstler zum Fan, meint Perreaux. Der Künstler könne seine Musik mit Hilfe von Restorm überall im Internet verkaufen. Dank einer Applikation ist eine Einbindung in eine Facebook-Fanseite oder in die eigene Homepage möglich. Das mache das Tool insbesondere auch für Amateur-Künstler interessant. Gleichzeitig können Musiker mit dem System direkt Lizenzverträge abschliessen und dabei die Preise selber bestimmen.

Professionelle Produzenten von Filmen, TV-Sendungen oder Werbekampagnen erwerben dabei die Nutzunsgrechte für ihr Vorhaben mit wenigen Klicks direkt beim Künstler.

Music-Award-Gewinnerin sieht gute Chancen

Millionen von Nutzern auf YouTube oder Soundcloud würden damit kämpfen, dass es keinen einfachen Weg gibt, an Lizenzen für ihre Videos oder DJ-Mixes zu gelangen, so Perreaux. Sie bewegen sich damit ungewollt immer im illegalen Bereich. Vorgefertigte Verträge garantieren beiden Seiten die Rechtssicherheit. Mit den Lizenzen der eigenen Musik Geld zu verdienen, werde damit so einfach wie nie zuvor.

Die Soul-Sängerin Caroline Chevin hat schon positive Erfahrung mit dem Unternehmen, das in der ersten Phase mit Risikokapital finanziert ist, gemacht. Das Portal ermögliche es, mit der eigenen Musik unmittelbar Geld zu verdienen, da es den direkten Zugang zum Konsumenten schaffe, ob als Fan oder auf kommerzieller Ebene, sagt die Gewinnerin des Swiss Music Award gegenüber 20 Minuten Online. Sie ist überzeugt: «Das ist ein Modell, welches für alle Beteiligten Sinn macht und sich auf lange Sicht durchsetzen wird.»

Ein Angriff auf Suisa?

Seine Initiative sei kein versteckter Angriff auf Suisa, die Schweizerische Kollektivverwertungs-Gesellschaft, sagt Perreaux. Suisa sei über der Vorhaben von restorm.com informiert und agiere im Rahmen des reinen Verkaufs von Songs als Partner. Hinsichtlich der Lizenzierung gebe es freilich noch gewisse Hürden, indem zum Beispiel die Suisa ihren Mitgliedern das Verschenken von Songs zu Promozwecken nicht erlaube. Auch die Verwendung moderner Creative-Commons-Lizenzen, die mit dem neuartigen System künftig auch monetarisiert werden können, sei den Mitgliedern der Suisa bisher verwehrt.

Suisa bestätigt diesen Sachverhalt. Sprecher Martin Wüthrich: «Wir begrüssen jede Plattform, die zur Verbreitung von Musik einen Beitrag leistet und sich um eine angemessene Entschädigung der Musikschaffenden bemüht. Restorm und die Suisa sind gegenwärtig im Gespräch, um die Lizenzierung der Plattform vertraglich zu regeln.»

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