Reaktionen auf Twitter  – «Die Medienkonferenz des Bundesrats war ein einziges Debakel»

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Reaktionen auf Twitter «Die Medienkonferenz des Bundesrats war ein einziges Debakel»

Nach der Medienkonferenz am Donnerstagnachmittag stand Ignazio Cassis nicht für Fragen zur Verfügung. Auch die anwesende Expertengruppe konnte die Verwirrung über die konkreten Beschlüsse kaum lindern. Von «überfordert und bemitleidenswert» ist zu lesen.

von
Reto Bollmann
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Bundespräsident Ignazio Cassis hat über die Lage in der Ukraine und über die Haltung der Schweiz informiert, verliess die Konferenz jedoch bald wieder.

Bundespräsident Ignazio Cassis hat über die Lage in der Ukraine und über die Haltung der Schweiz informiert, verliess die Konferenz jedoch bald wieder.

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In den sozialen Medien fallen die Reaktionen auf den frühen Abgang Cassis’ und die unklare Kommunikation der Expertengruppe negativ aus.

In den sozialen Medien fallen die Reaktionen auf den frühen Abgang Cassis’ und die unklare Kommunikation der Expertengruppe negativ aus.

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Die anwesenden Journalistinnen und Journalisten stellten dieselben Fragen wiederholt, da die Aussagen der Expertinnen und Experten zu vage blieben.

Die anwesenden Journalistinnen und Journalisten stellten dieselben Fragen wiederholt, da die Aussagen der Expertinnen und Experten zu vage blieben.

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Darum gehts

Am Donnerstagnachmittag hat Bundespräsident Ignazio Cassis eine Erklärung abgegeben zur aktuellen Lage in der Ukraine und der Haltung der Schweiz. Nach seiner kurzen Ansprache verschwand Cassis wieder – und hinterliess eine Gruppe von Fachexpertinnen und Fachexperten, die den anwesenden Medienschaffenden für Fragen zur Verfügung standen.

Doch über lange Zeit befriedigten die Antworten der Expertenrunde die Journalistinnen und Journalisten nicht. Zu vage blieben die Formulierungen, zu unklar, was jetzt genau der Kurs der Schweiz in Bezug auf Sanktionen gegen Russland ist. Fragen mussten wiederholt gestellt werden – und am Ende blieben doch Fragezeichen. Entsprechend negativ fielen die Reaktionen in den sozialen Medien aus. «Ich würde mal sagen: Wir haben ein Kommunikationsproblem», twitterte etwa Journalistin Florence Vuichard. Und Alan Cassidy von der «NZZ am Sonntag» pflichtet bei: «Was für eine Peinlichkeit. Danke den KollegInnen im Saal, die hier einen echten Dienst an der Öffentlichkeit leisten».

Mitte-Chef Pfister attackiert Cassis

Darüber, dass der Bundespräsident bereits nach so kurzer Zeit die Konferenz wieder verliess, gab es teilweise grosses Unverständnis. So schreibt Gerhard Pfister, Präsident der Mitte, auf Twitter: «Wenn ein Bundespräsident, der gleichzeitig Aussenminister ist, nach einer Sitzung des Bundesrats zu einem Krieg in Europa nicht einmal an der Medienkonferenz teilnimmt, dann frage mich schon, wen ich da gewählt habe.»

Eric Nussbaumer, Nationalrat der SP, meldet sich auf Twitter ebenfalls zu Wort. «Wo ist eigentlich Iwan Rickenbacher?» (Kommunikationsberater. Red.), fragt er und bezeichnet den Entscheid des Bundesrats, keine eigenen Sanktionen zu verhängen, als «feige und beschämend».

«Aussenminister zieht von dannen, Beamte sind überfordert»

Dennis Bühler, der als Bundeshaus- und Medienredaktor tätig ist, wundert sich ebenfalls über das frühe Scheiden von Ignazio Cassis. «Ein Aussenminister, der von dannen zog, ohne Fragen zuzulassen.» An der anschliessenden Fragerunde mit den Expertinnen und Experten lässt Bühler kein gutes Haar: «Überforderte (und bemitleidenswerte) Beamte, die sich teilweise gar widersprachen.» So fällt auch das Gesamturteil vernichtend aus: «Bis zum Ende unklar, was überhaupt konkret beschlossen wurde. Diese Medienkonferenz des Schweizerischen Bundesrats war ein einziges Debakel.»

Balthasar Glättli, Präsident der Grünen, pflichtet Bühler auf Twitter bei und meint, der Bundesrat habe versucht, seine Haltungslosigkeit zu kaschieren. Denn gemäss dem Embargogesetz seien durchaus eigene Sanktionen der Schweiz möglich.

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