Strom, Milch, Chips: Die Mega-Hitze schlägt auf die Preise
Aktualisiert

Strom, Milch, ChipsDie Mega-Hitze schlägt auf die Preise

Wegen des heissen Wetters steigen die Strompreise. Auch Pommes frites könnten teurer werden – und kürzer.

von
Dominic Benz
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Auf vielen Feldern herrscht derzeit grosse Dürre.

Auf vielen Feldern herrscht derzeit grosse Dürre.

Keystone/Melanie Duchene
Unter anderem fallen in vielen Regionen auf der Nordhalbkugel die Ernten von Weizen drastisch kleiner aus. Das Getreide wird daher teurer.

Unter anderem fallen in vielen Regionen auf der Nordhalbkugel die Ernten von Weizen drastisch kleiner aus. Das Getreide wird daher teurer.

Paul Zinken
Auch die Kartoffelernte ist bedroht. Experten rechnen mit hohen Ausfällen. Das könnte Pommes frites teurer machen.

Auch die Kartoffelernte ist bedroht. Experten rechnen mit hohen Ausfällen. Das könnte Pommes frites teurer machen.

ina Fassbender

Ob in der Schweiz oder in Deutschland – die andauernde Hitze und Trockenheit hat die Nordhalbkugel fest im Griff. Das Wetter belastet vor allem die Landwirtschaft, aber auch die Energieproduzenten leiden. Die Folge: Die Preise für Strom oder Kartoffeln steigen. 20 Minuten zeigt auf, wo die Konsumenten vielleicht schon bald tiefer in die Tasche greifen müssen.

• Strom

Wegen der Hitze wird weniger Strom produziert. Das lässt die Preise ansteigen. Das Problem liegt unter anderem bei den Kohle- und Atomkraftwerken. Ihnen geht zusehends das Kühlwasser aus, weil die Flusspegel immer mehr sinken und die Wassertemperaturen steigen. In Deutschland haben bereits erste Anlagen die Produktion gedrosselt. Mit dem Kernkraftwerk Mühleberg hat auch ein erster Schweizer Versorger vergangene Woche die Leistung heruntergefahren. Hinzu kommt, dass es wegen des stabilen Hochdruckgebiets weniger Windenergie gibt.

Laut dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) beeinflusst derzeit das heisse, trockene und wenig windige Wetter – insbesondere in Deutschland – die Preise an den Stromhandelsmärkten. So sind auch hierzulande die Kosten gestiegen. «In der Schweiz waren die Strompreise vom 25. Juli die bisher höchsten in diesem Sommer», teilt eine VSE-Sprecherin auf Anfrage mit. So habe am letzten Mittwoch eine Megawattstunde 58,22 Euro gekostet. Und auch beim Produzenten Alpiq heisst es: «Sollten die Hitze und die Trockenheit anhalten oder sich noch akzentuieren, dürften die Preise weiter steigen.» Noch sind die höheren Preise nicht an den Steckdosen der Haushalte angekommen.

• Pommes frites und Chips

Die Hitze und die Trockenheit setzen den Kartoffeln zu. In Deutschland rechnet man mit Ernteausfällen von bis zu 40 Prozent. Betroffen sind vor allem die Kartoffeln für die industrielle Weiterverarbeitung. «Kartoffeln wachsen ab 30 Grad nicht mehr. Bleibt das Wetter so, wird dies negative Auswirkungen auf die Ernte haben», sagt Rudolf Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten. Die Industrie warnt daher vor Engpässen und Qualitätsproblemen. Die Folge: Pommes frites und Chips könnten teurer werden. Laut Experten sind die Preise schon jetzt deutlich höher als im Vorjahr. Zudem wird damit gerechnet, dass künftig kleinere Kartoffeln in der Industrie landen. «Pommes frites und Chips dürften kürzer und kleiner werden», sagt Fischer. Das habe es schon nach dem Hitze-Sommer 2003 gegeben. Bei Terralog, Kartoffel-Lieferant für Pommes-frites-Hersteller, will man bezüglich Grösse und Preis noch keine Prognose stellen. Sicher ist aber: «Erreichen die Kartoffeln nicht das gewünscht Kaliber, werden die Pommes frites kleiner», sagt Simon Werthmüller von Terralog.

• Brot

Die Ernten auf den Getreidefeldern fallen wegen des heissen und trockenen Wetters viel kleiner aus. In Deutschland sind laut «Welt» Einbrüche von einem Fünftel zu befürchten. Auch in den südlichen Regionen der USA rechnet die Zeitung mit einem drastischen Ausfall. Russland als weltgrösster Exporteur von Weizen erwartet den ersten Rückgang seit sechs Jahren. Das hat Folgen an den Rohstoffmärkten: Die Preise für Weizen sind im Juli um zehn Prozent gestiegen. Das ist der höchste Preis seit drei Jahren.

Auch in der Schweiz rechnet man mit weniger Ernte beim Weizen. «Die Erträge dürften wegen der Trockenheit und Hitze geschätzt um 10 Prozent zurückgehen», sagt ein Sprecher vom Schweizerischen Getreideproduzentenverband (SGPV). Dennoch werden Brot und Mehl hierzulande nicht teurer – auch wenn das in der EU der Fall wäre. Der Grund: Der Schweizer Weizenmarkt ist nicht vollständig geöffnet und mit einem Grenzschutz belegt. Zudem wird der hiesige Weizen nicht auf dem Weltmarkt gehandelt.

• Milch

Auch die Kühe leiden unter dem derzeitigen Wetter und produzieren weniger Milch, denn den Tieren fehlt das Futter. So beispielsweise das Gras, das wegen der Trockenheit weniger wächst und weniger Nährstoffe enthält. Auch Futtermais gibt es wegen Wassermangels zu wenig. In Teilen Europas, wo die Hitze besonders stark ist, verkauften Bauern einen Anteil ihrer Kühe oder mussten sie zum Schlachten bringen. Aber auch die Hitze ist ein Problem. «Bei hohen Temperaturen fressen die Kühe weniger Futter und geben deshalb weniger Milch», sagt ein Sprecher vom Verband der Schweizer Milchproduzenten (SMP). So angespannt wie die Situation in Deutschland oder in Polen sei es aber in der Schweiz nicht. Das könne sich aber ändern, wenn es weiterhin nicht regne. Ein Preisanstieg ist dann möglich. Auch die Entwicklung im Ausland könnte die Milch verteuern. «Die Preisentwicklung in Europa hat Einfluss auf die Schweiz», erklärt der Sprecher.

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