Repräsentative Erhebung – Die meisten lassen sich impfen, weil sie zurück zur Normalität wollen
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Repräsentative ErhebungDie meisten lassen sich impfen, weil sie zurück zur Normalität wollen

Die Hochschule Luzern hat die Beweggründe für oder gegen die Corona-Impfung untersucht. Viele lassen sich impfen, weil sie zur Normalität zurück wollen – und nicht der Gesundheit wegen.

von
Gianni Walther
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Weshalb lassen sich Menschen während der Corona-Pandemie impfen? Dieser Frage ging die Hochschule Luzern während einer repräsentativen Erhebung nach.

Weshalb lassen sich Menschen während der Corona-Pandemie impfen? Dieser Frage ging die Hochschule Luzern während einer repräsentativen Erhebung nach.

20min/Marco Zangger
So stark beeinflussen folgende Faktoren den Entscheid, sich impfen zu lassen oder nicht; umso dicker der Pfeil, desto stärker der Einfluss.

So stark beeinflussen folgende Faktoren den Entscheid, sich impfen zu lassen oder nicht; umso dicker der Pfeil, desto stärker der Einfluss.

HSLU
Die Impfung ermöglicht einen Weg zurück zur Normalität: Das finden 65 Prozent der Teilnehmenden.

Die Impfung ermöglicht einen Weg zurück zur Normalität: Das finden 65 Prozent der Teilnehmenden.

HSLU

Darum gehts

  • Unter über 1000 Teilnehmenden hat die Hochschule Luzern eine Erhebung zur Covid-19-Impfung durchgeführt.

  • Ungeimpfte Personen fühlen sich viel eher gesellschaftlich isoliert als geimpfte Menschen, heisst es in der Studie.

  • Der Weg zurück zur Normalität war für geimpfte Personen ein wichtigerer Grund für eine Impfung als der Schutz der eigenen Gesundheit.

«Beim Nachtessen mit der Familie oder am Pausentisch im Büro: Über kaum ein Thema wird in der Bevölkerung derzeit häufiger diskutiert als über das Impfen», heisst es in einer Mitteilung der Hochschule Luzern (HSLU). Ein Forschungsteam der HSLU hat in einer repräsentativen Erhebung über 1000 Teilnehmenden verschiedene Fragen gestellt, welche Gründe für oder gegen eine Corona-Impfung sprechen würden. Im Anschluss wurde diese Umfrage ausgewertet.

Auffallend: 65 Prozent der Befragten gaben an, dass eine Impfung eine Rückkehr zur Normalität ermöglicht. «Der Wunsch, endlich wieder ein normales Leben führen zu können, hat viele Menschen zum Impfen bewegt», sagt Marcel Zbinden, Studienautor und Wirtschaftspsychologe an der HSLU. Interessant dabei: Der Schutz der eigenen Gesundheit ist gemäss Angaben der Teilnehmenden weniger wichtig. 38 Prozent sind absolut oder zumindest teilweise der Meinung, dass eine Impfung gegen das Coronavirus schützt. «Nach über eineinhalb Jahren Pandemie ist die Rückkehr zur Normalität für die Bevölkerung offenbar ein wichtigerer Impf-Motivator als die Sorge vor einer Ansteckung», sagt Zbinden.

28 Prozent stören sich an der Impfkampagne

Die Hauptgründe für einen Verzicht auf eine Impfung sind einerseits, dass die Impfstoffe zu neu sind. Andererseits gaben Teilnehmende der Studie an, dass sie aus Sorge vor möglichen Nebenwirkungen eine Impfung ablehnen. Wer gegen eine Impfung oder unentschlossen ist, sei mittels Infokampagnen nicht einfach zu überzeugen. Laut Zbinden ist klar: «Die Resultate unserer Studie zeigen: Ein wesentlicher Teil der nicht geimpften Personen fühlt sich gut genug informiert, um eine fundierte Entscheidung gegen das Impfen fällen zu können.»

Gemäss Studie stören sich 28 Prozent der Befragten an der Impfkampagne des Bundes. Bei dieser Gruppe sinkt zudem auch die Wahrscheinlichkeit, sich impfen zu lassen. «Einige der Ungeimpften haben in der Befragung erwähnt, dass bei ihnen der Eindruck entstehe, etwas stimme nicht, wenn die Medien und der Bund so intensiv versuchen, für die Impfung zu werben», sagt Zbinden weiter.

Toleranz unter Mitmenschen hat abgenommen

Die Bevölkerung ist seit Beginn der Pandemie weniger tolerant geworden, finden fast 70 Prozent der Befragten. «Wie die befragten Personen das Zusammenleben der Gesellschaft wahrnehmen, hängt stark von der Tatsache ab, ob jemand geimpft ist oder nicht», sagt Larissa Dahinden, Mitautorin der Studie und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HSLU. Unter ungeimpften Personen sind 81 Prozent der Meinung, dass die Toleranz abnimmt, bei den geimpften Personen sind lediglich 66 Prozent dieser Meinung. 56 Prozent der geimpften Leute finden, dass die Menschen weniger friedlich zusammenleben. In der ungeimpften Bevölkerung sind 70 Prozent dieser Meinung.

Ein Teil der Studienteilnehmenden findet auch, dass die Distanz zu Mitmenschen zugenommen hat. 22 Prozent der geimpften Teilnehmenden sagen, dass die Distanz zu Mitmenschen gegenüber der Zeit vor der Pandemie grösser geworden ist. Unter den ungeimpften Teilnehmenden liegt der Anteil höher, nämlich bei 41 Prozent. Ungeimpfte Personen fühlen sich auch eher alleine: 32 Prozent der ungeimpften Personen sagten, sie fühlen sich gesellschaftlich isoliert. Bei den geimpften Personen sagten dies lediglich 13 Prozent. «Ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung ist bereits vollständig geimpft und profitiert von der Zertifikatspflicht. Gesamthaft steigt deshalb die wahrgenommene soziale Verbundenheit langsam wieder an», sagt Zbinden dazu.

Sondererhebung zum Thema «Impfen»

Das Institut für Kommunikation und Marketing IKM der HSLU zeigt in regelmässigen Erhebungen auf, wie sich das Konsum- und Freizeitverhalten und das Zusammenleben der Bevölkerung durch die Pandemie verändern. Die Befragung zum Thema «Impfen» wurde im Rahmen dieser Langzeitstudie als Sonderthema aufgenommen. In der gesamten Studie befragt das Forschungsteam in mehreren Befragungswellen zwischen April 2020 und April 2022 jeweils 1000 Personen nach ihrem Verhalten in verschiedenen Lebensbereichen.

Hier gehts zu den Resultaten der bisherigen Erhebungen:

Erste Messung, Erhebungszeitraum: 9. - 16. April 2020 (während Shutdown)

Zweite Messung, Erhebungszeitraum: 19. - 26. Juni 2020 (nach Shutdown)

Dritte Messung, Erhebungszeitraum: 21. Oktober - 3. November 2020 (Herbst 2020)

Vierte Messung, Erhebungszeitraum: 28. April - 4. Mai 2021 (rund ein Jahr nach dem ersten Shutdown)

• Fünfte Messung, Erhebungszeitraum: 22. Oktober – 02. November 2021 (aktuell; nach Einführung der Zertifikatspflicht)

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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