19.11.2020 15:01

Geld nachhaltig anlegenDie meisten nachhaltigen Fonds bringen der Umwelt nichts

Nachhaltiges Anlegen ist in – doch der direkte Nutzen für Umwelt und Gesellschaft ist meist gering. Anleger, die nachhaltig sein wollen, sollten auf Transparenz achten.

von
Fabian Pöschl
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Geld anlegen in Windturbinen? Wer auf sein Öko-Gewissen hören will, sollte bedenken, dass nicht alle nachhaltigen Fonds auch tatsächlich nachhaltig sind.

Geld anlegen in Windturbinen? Wer auf sein Öko-Gewissen hören will, sollte bedenken, dass nicht alle nachhaltigen Fonds auch tatsächlich nachhaltig sind.

KEYSTONE
So arbeitet eine Zementfirma in einem nachhaltigen Fonds nicht automatisch nachhaltig, nur vielleicht etwas umweltfreundlicher als die Konkurrenz.

So arbeitet eine Zementfirma in einem nachhaltigen Fonds nicht automatisch nachhaltig, nur vielleicht etwas umweltfreundlicher als die Konkurrenz.

REUTERS
Normen für nachhaltige Fonds gibt es noch keine.

Normen für nachhaltige Fonds gibt es noch keine.

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Darum gehts

  • Nur ein Drittel der nachaltigen Fonds wirkt sich positiv auf Umwelt und Gesellschaft aus.

  • Regeln für nachhaltige Fonds gibt es noch nicht.

  • 20 Minuten sagt, worauf Anleger achten sollten.

Geld nachhaltig anlegen, damit auch die Umwelt und die Gesellschaft etwas davon haben – das ist immer mehr gefragt. Die Vermögen nachhaltiger Publikumsfonds stiegen in den vergangenen zwölf Monaten trotz Corona-Krise um 60 Prozent auf 316 Milliarden Franken an, wie eine Studie der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt.

Besonders private Investoren mögen laut der Studie Anlagethemen, in denen ihr Geld nutzen stiften kann. «Nachhaltige Themenfonds sind für Anleger intuitiv verständlich. Sie bieten neben Ertragschancen auch einen emotionalen Mehrwert», sagt Manfred Stüttgen, Co-Autor und Dozent an der HSLU.

Jeder vierte investierte Franken wird nachhaltig angelegt

Dass die Erwartungen der nachhaltigen Anlage nicht erfüllt werden, ist besonders problematisch, weil die Anleger dafür bereit sind, mehr zu bezahlen. Denn nachhaltige, thematische Aktienfonds tragen laut der Studie höhere Gebühren als ihre nicht thematischen Pendants. Zwar sind erst knapp sechs Prozent aller Fondsvermögen nachhaltig investiert. Doch der Anteil nimmt zu. Jeder vierte neu investierte Franken wird heute nachhaltig angelegt, wie die Studie IFZ Sustainable Investments der Hochschule Luzern belegt.

Anlegen an der Börse ist gerade in der Corona-Krise beliebt. Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer von Raiffeisen Schweiz, gibt Tipps, wie man richtig investiert.

Kaum Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft

Allerdings verspricht nur ein Drittel dieser nachhaltigen Fonds explizit eine positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft. Wer bei solchen nachhaltigen Themenfonds pauschal eine positive Wirkung erwartet, unterliegt einem «verbreiteten Missverständnis», so Stüttgen.

Es gebe etwa acht klassische Nachhaltigkeitsstrategien mit verschiedenen Kriterien, aber noch keinen einheitlichen Standard. So achtet ein Fondsverwalter etwa stärker auf Kriterien wie die CO₂-Produktion, während einem anderen die Menschenrechtsbedingungen wichtiger sind.

In beiden Fällen liessen sich je nach Branche Anlagerisiken systematisch reduzieren. «Das ist ein klarer Nutzen nachhaltiger Fonds für Investoren und erklärt deren Erfolg», so Stüttgen.

Der Studienautor erklärt: «Eine Zementfirma kann etwa in den Nachhaltigkeitsfonds aufgenommen werden, weil sie durch ein neues Verfahren weniger CO₂ produziert als die Konkurrenz. Allerdings bedeutet das noch nicht, dass die Firma deshalb positiv für die Umwelt ist, sie ist nur weniger schädlich.»

Täuschung der Anleger?

Werden also Anleger, die etwas Gutes tun wollen, von den Fonds-Anbietern getäuscht? Die Banken wehren sich: Die ZKB verweist darauf, dass sie sich bei ihren nachhaltigen Fonds an den 17 Zielen der UNO für nachhaltige Entwicklung und an den Pariser Klimazielen orientiert.

Bei Raiffeisen Schweiz heisst es, dass mit dem Kauf von börsenkotierten Unternehmen kaum eine Lenkungswirkung zu erwarten sei. «Nachhaltige Themenfonds sollen es Anlegerinnen und Anlegern ermöglichen, an wachstumsstarken Zukunftstrends teilzunehmen», sagt Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer von Raiffeisen Schweiz.

Wer nachhaltig investieren wolle, solle bei seinem Fonds-Anbieter oder bei der Hausbank nachfragen, was nachhaltig konkret bedeutet. Auf welche Komponenten wird Wert gelegt? Das allerwichtigste sei Transparenz, heisst es bei Raiffeisen.

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160 Kommentare
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Anleger

20.11.2020, 15:10

Ich lege wertschöpfend an. Wie denn sonst? - Und dazu gehört die Solar-/ Windindustrie ganz klar nicht. Siehe schon das Debakel bei Burger-Meyer.

Kantem

20.11.2020, 14:53

Wer ethisch-moralisch anlegen will, kauft brachliegendes Land, und bewirtschaftet es.

Portefeuille

20.11.2020, 14:45

Eigentlich legt man für sich (oder die Angehörigen) an, nicht die ganze Gesellschaft. - Wer macht das schon, ausser Ideologen?