Swiss-Chef im Interview: «Die meisten sind gegen Telefonieren an Bord»
Aktualisiert

Swiss-Chef im Interview«Die meisten sind gegen Telefonieren an Bord»

Swiss-Chef Harry Hohmeister ist mit dem neuen Flaggschiff in Zürich gelandet. Mit 20 Minuten spricht er über seine Emotionen und übers nun erlaubte Telefonieren an Bord.

von
Sandro Spaeth

Viele Leute kennen das Gefühl beim Kauf eines neuen Autos. Wie fühlt es sich an, wenn man ein Flugzeug für 330 Millionen Dollar kauft?

Es ist ein grosser Unterschied. Ich habe gerade vor zwei Wochen ein Auto gekauft und habe den direkten Vergleich. Klar war ich beim Auto auch begeistert, aber bei einem riesigen Jet sind die Emotionen anders. Mit dem Kauf legt man sich für die nächsten dreissig Jahre fest.

Was bedeutet Ihnen der Auslieferungsflug?

Erstauslieferungsflüge macht man nicht so oft mit im Leben. Für mich ist es erst das zweite Mal in meiner 30-jährigen Karriere, darum ist es schon etwas ganz Besonderes.

Die Swiss erhält dieses Jahr gleich mehrere neue Flugzeuge geliefert – auch die erste Maschine der C-Series vom Bombardier. Das werden Sie vermutlich verpassen, weil Sie in die Lufthansa-Führung gewechselt haben.

Ob ich dabei bin oder nicht, ist nicht so wichtig. Ich freue mich für die Kollegen von Swiss, denn wir konnten in den letzten Jahren gemeinsam gute Grundlagen schaffen. Ich sehe es als Anerkennung von guten Leistungen, dass wir in neue Flugzeuge investieren können.

Die Swiss bezahlt die Triple Seven sozusagen bar. War Leasing nie eine Option?

Leasing war bis jetzt nie eine Option. Der Lufthansa-Vorsitzende Carsten Spohr hat in den letzten Tagen erneut betont, dass wir die Flugzeuge, die wir anschaffen, aus eigenen Möglichkeiten finanzieren wollen. Das gibt mehr Solidität in der Unternehmensbilanz und bedeutet Zukunftssicherung. Das gilt für die Swiss genauso wie für die Lufthansa.

In der neuen Boeing dürfen die Swiss-Passagiere telefonieren. Viele Gäste werden sich daran stören, vor allem wenn der Nachbar telefoniert...

Wenn man eine Internetverbindung an Bord anbietet, lässt sich das Telefonieren gar nicht unterdrücken. Wir hoffen, dass sich die Gäste respektvoll verhalten. Wenn man Rücksicht nimmt aufeinander, wird das Telefonieren an Bord kein Problem werden

Bei Lufthansa ist Telefonieren an Bord aber nicht möglich...

Technisch wäre es auch bei der Lufthansa möglich, es ist aber nicht erlaubt.

Hat man das Telefonieren vor allem wegen der Geschäftsreisenden erlaubt?

Die Mehrheit der Passagiere wünscht sich, dass Telefonieren an Bord weiterhin nicht gestattet ist. Zugleich empfinden sie andere Lärmquellen aber als störender, wie unsere Umfragen gezeigt haben. Wir müssen uns aber faktisch mit den neuen technologischen Möglichkeiten entwickeln. Mit Strafzöllen Telefongespräche an Bord zu verbieten, ist nicht unser Service-Verständnis.

Schon bald kommt aus der Boeing-Familie das neue Modell 777x auf den Markt. Bedauern Sie es, nicht auf dieses Modell gewartet zu haben?

An dieses Flugzeug haben wir gar nicht gedacht, als wir vor einigen Jahren die Boeing 777-300ER bestellt haben. Das Programm fürs Modell X war damals gar noch nicht aufgelegt. Zudem werden die ersten 777x erst im Jahr 2020 ausgeliefert werden. Das wäre für die Swiss viel zu spät. Wir wollen im Schweizer Markt wachsen und brauchen die neuen Maschinen früher.

Können Sie sich vorstellen, dass in Zukunft einmal ein chinesisches Flugzeug im Dienst einer zum Lufthansa-Konzern zählenden Airline steht?

Die Frage kann ich so weder mit ja noch mit nein beantworten. Wir überdenken derzeit unsere Flottenpolitik. Ob chinesische Anbieter da langfristig eine Rolle spielen, wird man erst 2017 sehen.

Werden chinesische Hersteller einmal mit Boeing und Airbus mithalten können?

Ich hoffe, sie sind, was die technischen Voraussetzungen anbelangt, bereits auf diesem Level. Ansonsten würden sie die Zulassungen nicht erhalten. Der kritische Punkt ist nicht der Flugzeugbau, sondern die technische Unterstützung. In dieser Hinsicht sind neue Anbieter eher schlechter aufgestellt als Flugzeugbauer mit viel Erfahrung.

Sie sind bei der Lufthansa nun kommerziell für die Premium-Airlines verantwortlich, wozu auch die Swiss gehört. Es muss Ihnen schwerfallen, alle gleich zu behandeln...

Mein Herz schlägt nach wie vor für die Swiss, das ist gar keine Frage. Aber als Manager muss ich objektive, faktenbasierte Entscheidungen treffen. Dafür braucht es den Kopf und nicht das Herz.

Mit dem heutigen Tag geht Ihre Ära als Swiss-Chef definitiv zu Ende. Ist auch etwas Wehmut dabei?

Natürlich ist da auch Wehmut dabei. In dieser Hinsicht passt das deutsche Wort sehr gut. Weh, weil ich mich nach über elf Jahren von vielen tollen Kollegen trennen muss und eine gut aufgestellte Firma abgebe. Ich werde aber bei der Lufthansa-Gruppe eine neue Herausforderung annehmen – und dafür braucht es auch Mut. Letztlich kompensiert der Mut das Leid.

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