Tiktok-Studie: «Die Menschen haben das Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren»
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Tiktok-Studie«Die Menschen haben das Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren»

Tiktok hat eine Befragung bei seinen jungen Nutzerinnen und Nutzern durchgeführt. Darin spiegeln sich ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen in der momentanen Zeit. An oberster Stelle: Gesundheit und Selbstbestimmung. Dafür steht Black Lives Matter hinten an.

von
Dominique Zeier
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Tiktok hat bei seinen jüngeren Nutzern eine Studie durchgeführt.

Tiktok hat bei seinen jüngeren Nutzern eine Studie durchgeführt.

Unsplash
Diese bildet ab, welche Themen die Generationen Z und Y momentan besonders beschäftigen. 

Diese bildet ab, welche Themen die Generationen Z und Y momentan besonders beschäftigen.

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«Wir wollten herausfinden, was die Leute momentan bewegt, was die wichtigsten Themen sind und welche Trends momentan beliebt sind», erklärt Tobias Henning, Tiktok-Chef für die Schweiz, Deutschland und Österreich (DACH).

«Wir wollten herausfinden, was die Leute momentan bewegt, was die wichtigsten Themen sind und welche Trends momentan beliebt sind», erklärt Tobias Henning, Tiktok-Chef für die Schweiz, Deutschland und Österreich (DACH).

Tobias Henning

Darum gehts

  • In einer Studie von Tiktok zeigt sich, dass momentan viele Personen mit ihrer Lebenssituation hadern.

  • Besonders besorgt sind sie um ihre Gesundheit und die generelle wirtschaftliche Situation in ihrem Land.

  • Ausserdem sind politische Themen wie Gleichstellung und Diversität besonders wichtig.

  • In der Schweiz zeigt sich allerdings, dass insbesonders die Black-Lives-Matter-Bewegung nur wenige Personen betroffen gemacht hat.

Besonders in Zeiten von Corona spielt sich das Leben vermehrt online ab. Da es momentan vielerorts nicht möglich ist, den Freundeskreis oder die Familie regelmässig zu sehen, wenden sich viele Personen Social Media zu, wenn es darum geht, sich zu informieren, Sorgen und Freuden zu teilen oder ganz einfach soziale Kontakte zu knüpfen. Wie stark dies aber tatsächlich geschieht, dem wollte Tiktok in Zusammenarbeit mit dem Umfrageinstitut Skopos auf den Grund gehen.

«Wir wollten herausfinden, was die Leute momentan bewegt, was die wichtigsten Themen sind und welche Trends momentan beliebt sind», erklärt Tobias Henning, Tiktok-Chef für die Schweiz, Deutschland und Österreich (DACH).

Zu diesem Zweck wurde eine repräsentative Befragung im DACH-Raum durchgeführt, bei welcher insgesamt 2019 Personen im Alter zwischen 16 und 37 Jahren mitgemacht haben. Konkret wurden dabei die zwei Generationen Y und Z miteinander verglichen. Zur Generation Z gehören alle 16- bis 25-Jährigen, während sich in der Generation Y alle 26- bis 37-Jährigen befinden.

Besorgt über die wirtschaftliche Situation

Die Studie zeigt, dass ein nicht unerheblicher Teil der jungen Erwachsenen momentan mit seiner Lebenssituation hadert. So geben mehr als ein Viertel aller Befragten an, mit ihrem Leben nicht zufrieden zu sein. Ausserdem sind 48 Prozent der Personen deutlich besorgt über die wirtschaftliche Lage in ihrem Land.

«Tatsächlich ist es überraschend, dass die wirtschaftliche Situation auch bei den jüngeren Generationen so prominent ist», so Henning. «Das ist ein klares Zeichen der Zeit, da sich anscheinend für viele Personen die finanzielle Situation und die berufliche Lage verschlechtert hat. Hätten wir die Studie vor der Corona-Zeit durchgeführt, wäre dieses Thema wohl nicht so weit oben auf der Liste der Sorgen gelandet.»

Kontrolle über das eigenen Leben

In der Studie wurden die Teilnehmenden ausserdem nach Themen gefragt, die ihnen momentan besonders wichtig sind. In der Schweiz steht hierbei Gesundheit (87 Prozent) und Selbstbestimmung (86 Prozent) an erster Stelle. «Das Thema Gesundheit ist an sich nichts Neues für diese Generation», erklärt Jugendexperte Simon Schnetzer. «Auch vor der Corona-Zeit war dies in diesem Alterssegment wichtig. Damals ging es aber eher um Yoga und Ausgeglichenheit, während die Menschen heutzutage besonders darauf achten, sich nicht mit Covid-19 anzustecken und mental gesund zu bleiben.»

Ähnlich verhalte es sich mit der Selbstbestimmung. «Die Menschen haben das Gefühl, mit allen Restriktionen und Massnahmen die Kontrolle über ihr Leben verloren zu haben. Daher ist der Wunsch nach mehr Autonomie durchaus nachvollziehbar.»

Weitere wichtige Themen für die Online-Gemeinschaft sind Gleichberechtigung und Diversität. «Keine vorherige Generation engagiert sich so sehr für diese Themen wie diese Generation – was wir auch auf Tiktok mit Bewegungen wie #respectmysize zum Thema Body Positivity sehen», so Henning. «In der Studie hat sich gezeigt, dass drei Viertel aller Befragten diese Themen als wichtig oder sehr wichtig empfinden. Das differenziert die Gen Z und Gen Y stark von älteren Personen.»

«Familienglück vor Gleichberechtigung»

Auffallend ist jedoch, dass das Thema zwar durchaus häufig im Online-Diskurs vorkommt, für die Generation Y in der Schweiz aber weniger Wichtigkeit trägt als in den anderen Ländern. Jugendexperte Simon Schnetzer erklärt: «Für die Generation Z ist Gleichberechtigung eine Einstellung und politische Haltung. Für die Generation Y muss sie sich in der Lebensrealität bewähren. Viele junge Männer und Frauen, die sich Kinder und eine Familie wünschen, verhalten sich pragmatisch und stellen Familienglück vor Gleichberechtigung in der Beziehung.»

Dies scheint sich auch bei anderen Gleichstellungs-Themen zu zeigen. So gaben 29 Prozent aller 16- bis 25-Jährigen aus der Schweiz an, von der Black-Lives-Matter-Bewegung berührt zu sein. Bei der Generation Y sind dies nur 18 Prozent, also weniger als ein fünftel aller Befragten. «Die Generation Z nimmt sich stärker als Teil der globalen Gesellschaft wahr. Dass die Thematik in Deutschland präsenter ist, hängt vermutlich auch an dem geringeren Anteil Schwarzer in der Bevölkerung der Deutschschweiz zusammen», erklärt Schnetzer.

Hemmschwelle auf Social Media

Es besteht aber auch eine gewisse Hemmschwelle, was das Posten auf Social Media angeht. Hauptgrund dafür ist der Schutz der Privatsphäre (73 Prozent), dicht gefolgt von der Angst vor negativen Kommentaren oder Hate Speech (65 Prozent). Ausserdem glauben viele Personen, dass es bereits zu viele Informationen und Meinungen online gibt, sodass der Ausdruck der eigenen Meinung nichts an der Situation zu verändern mag.

Im Grossen und Ganzen betrachten die Befragten den Online-Raum aber als eine positive Erfahrung und geben an, einen Nutzen aus der Zeit, die sie online verbringen, zu ziehen. So glauben rund 53 Prozent der Tiktok-User in der Schweiz, dass sie aufgrund ihrer Internet-Nutzung besser informiert sind und mehr von der Welt erfahren können. «Wir sind darauf bedacht, unserer Community eine positive Erfahrung zu vermitteln und ein sicheres Umfeld zu bieten. Dafür haben wir weltweit tausende von Moderatorinnen und Moderatoren, die auf unserer Plattform eine sichere Umgebung schaffen, und kommunizieren regelmässig zu unseren Community Guidelines und Nutzungsbedingungen», so Henning.

Digital-Push

Wenn du den Digital-Push abonnierst, bist du über News und Gerüchte aus der Welt von Whatsapp, Snapchat, Instagram, Samsung, Apple und Co. informiert. Auch erhältst du Warnungen vor Viren, Trojanern, Phishing-Attacken und Ransomware als Erster. Weiter gibt es Tricks, um mehr aus deinen digitalen Geräten herauszuholen.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Digital» an – et voilà!

Deine Meinung

12 Kommentare
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Mitläufer

23.02.2021, 11:26

Jeder trägt selbst dazu bei, das Social Media so einen hohen Stellenwert generiert. Die Benutzung liegt bei allen selbst. "Gruppenzwang" sagt man, "Dazuzugehören" sagt man. Doch man wird nicht gezwungen, man zwingt sich selbst. Genau so wie mit Medien. Man denkt informiert zu sein, ist es aber nicht. Man denkt auf dem neusten Stand zu sein, ist man aber nicht. Aber man ist dabei wenn man sie nutzt und mitreden kann. Der Mensch ist im Endeffekt selbst schuld aber gibt die Schuld immer gerne anderen. Die Wahrheit stösst jeden vor den Kopf und die Erkenntnis dazu noch viel mehr. Deshalb sollte man tun was man möchte ohne sich nach anderen zu richten, zu folgen und nach zu machen.

GargameloLU

22.02.2021, 13:07

Erstaunlich das Tiktok noch nicht Verboten wurde, aber Drogen konsumieren oder andere Sachen werden schnell Verboten. Diese Plattform ist gefährlich für die heutige Jugend.

Chrls

22.02.2021, 12:56

Selbstbestimmte Menschen zeigen sich gegenseitig Duschvorhänge ...