Solothurner Feuerteufel: «Die Menschen haben riesige Angst, dass es sie als Nächste trifft»
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Solothurner Feuerteufel«Die Menschen haben riesige Angst, dass es sie als Nächste trifft»

Im Kanton Solothurn sorgt ein Feuerteufel für Angst und Schrecken. Ein Augenzeuge eines Brandes und eine Anwohnerin erzählen.

von
Lucas Orellano

In der Nacht auf Sonntag brannte es in Kriegstetten.

20min/News-Scout

Darum gehts

Seit drei Wochen brennt es im solothurnischen Wasseramt immer in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Die Polizei ermittelt «in alle Richtungen», geht aber von Brandstiftung aus: «Es gibt Auffälligkeiten, die auf einen Zusammenhang einzelner Brandereignisse der letzten Wochen hindeuten», sagte Mediensprecher Bruno Gribi zu 20 Minuten.

In der Region geht derweil die Angst um. R.H.* wohnt nicht weit von Kriegstetten entfernt und war Zeuge des Brandes in der Nacht auf Ostersonntag. Wie er zu 20 Minuten sagt, gingen fast alle Anwesenden schon in der Nacht von Brandstiftung aus.

«Dass es ständig in der Nacht auf Sonntag brennt, ist ein riesiges Thema hier», sagt er. «Die Menschen bekommen langsam, aber sicher Angst. Ich finde es extrem schlimm. Warum tut jemand so etwas?»

«Die Menschen haben riesige Angst»

«Die Stimmung im Dorf ist schlecht», sagt eine Einwohnerin der direkt neben Kriegstetten liegenden Gemeinde Halten – hier hat es am 3. und am 10. April gebrannt – zu 20 Minuten. «Wir haben 800 Einwohnerinnen und Einwohner, jeder kennt hier jeden. Die Brände sind momentan das Thema Nummer eins. Menschen haben riesige Angst, dass es weitere Brandstiftungen geben könnte.»

Als ein Schopf am Clubhaus der Hornussergesellschaft abbrannte, sei man zuerst von einem nicht lustigen Lausbubenstreich ausgegangen. «Spätestens seit letzte Woche der Schafstall abgebrannt ist und drei Schafe ums Leben kamen, haben wir alle ein extrem ungutes Gefühl», sagt die Haltenerin, die selber aus einer Bauernfamilie kommt.

«Wenn es jetzt langsam Samstagabend wird, denken wir immer daran, dass es in der Nacht wieder brennen könnte», sagt sie. «Die Leute versuchen, sich auch gegenseitig zu beruhigen: ‹Es wäre ja verrückt, wenn es schon wieder irgendwo brennen würde›, sagt man sich.»

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Am 10. April brennt in Halten SO ein Stall ab.

Am 10. April brennt in Halten SO ein Stall ab.

Kantonspolizei Solothurn
20 Schafe werden evakuiert.

20 Schafe werden evakuiert.

Kantonspolizei Solothurn
Drei Schafe sterben. Die überlebenden erleiden Verbrennungen und Rauchvergiftungen.

Drei Schafe sterben. Die überlebenden erleiden Verbrennungen und Rauchvergiftungen.

Kantonspolizei Solothurn

«Wie reagiere ich im Ernstfall?»

Am letzten Samstagabend hörte sie es plötzlich knacken. «Wir haben uns angeschaut und sind sofort auf den Balkon. Von dort aus haben wir schon gesehen, wie die Halle in Flammen stand», sagt die Haltenerin. «Die Feuerwehr war schon da, wir haben gesehen, wie sie das Wohnhaus gesichert haben. Und dann sind langsam die Leute aus den umliegenden Häusern gekommen, obwohl es schon nach Mitternacht war.»

«Die Leute haben miteinander geredet, alle waren sehr betroffen. Das Entsetzen ist riesig, alle haben Angst, dass sie die Nächsten sein könnten, bei denen ein Feuer gelegt wird», sagt sie. Man überlegt sich: Was mache ich im Ernstfall? Wie rette ich die Tiere aus dem Stall? «Wir hoffen alle, dass die Person möglichst bald geschnappt wird, aber mir ist bewusst, dass es für die Polizei wohl nicht einfach ist.»

Polizei sucht Zeugen

Diese kann aus ermittlungstaktischen Gründen keine Informationen zum aktuellen Stand der Ermittlungen preisgeben. Klar ist: Es hat bisher keine Anhaltungen in Bezug auf die Brände gegeben. Die Polizei sucht nach wie vor Zeuginnen und Zeugen. Wer verdächtige Beobachtungen gemacht hat, ist gebeten, sich bei der Kantonspolizei Solothurn (Telefon 032 627 70 00) zu melden.  

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