YB-Heimspiel: «Die Menschen versammelten sich, als gäbe es kein Corona»
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YB-Heimspiel«Die Menschen versammelten sich, als gäbe es kein Corona»

Am Sonntag spielten die Berner Young Boys erstmals wieder vor mehr als 1000 Zuschauern. Eine Leser-Reporterin vor Ort spricht von chaotischen Szenen beim Einlass. Hunderte Menschen standen dicht gedrängt vor dem Stadion.

von
Lara Hofer
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Vor dem Stadion Wankdorf in Bern bildete sich am Sonntag vor dem YB-Heimspiel eine grosse Menschentraube. 

Vor dem Stadion Wankdorf in Bern bildete sich am Sonntag vor dem YB-Heimspiel eine grosse Menschentraube.

Nadia van Rooijen
Die YB-Fans mussten teilweise eine halbe Stunde warten, um ins Stadion zu gelangen. 

Die YB-Fans mussten teilweise eine halbe Stunde warten, um ins Stadion zu gelangen.

Nadia van Rooijen
Die Situation sei chaotisch gewesen, schildert eine Leser-Reporterin. Einige Fans zogen sich angesichts der grossen Menschenmasse zurück.

Die Situation sei chaotisch gewesen, schildert eine Leser-Reporterin. Einige Fans zogen sich angesichts der grossen Menschenmasse zurück.

Nadia van Rooijen

Darum gehts

  • Am Sonntag konnten die Young Boys erstmals wieder vor mehr als 1000 Zuschauern spielen.
  • Vor dem Stadion bildeten sich grosse Menschenmengen. Es herrschte Chaos – viele Leute trugen keine Maske, während sie über eine halbe Stunde auf ihren Einlass ins Stadion warten mussten.
  • YB bestätigt die Probleme beim Einlass und verspricht, die Situation zu analysieren.

Am Sonntag fand im Berner Wankdorfstadion erstmals wieder ein Fussballspiel vor mehr als 1000 Zuschauern statt. Beim Heimspiel der Young Boys gegen den Aufsteiger Vaduz waren 16’500 Personen zugelassen, rund 11’700 Fans wollten den Match schliesslich live mitverfolgen. Um die Matchs im Beisein der Fans durchführen zu können, hat YB ein 15-seitiges Schutzkonzept ausgearbeitet: Zuschauer müssen etwa eine Maske tragen, sich die Hände desinfizieren, die Covid-19-App installieren und Abstand halten. Mit Letzterem gab es beim Einlass vor dem Stadion Probleme, wie eine Leser-Reporterin schildert.

«Vor dem Stadion herrschte ein riesiges Chaos, ich fühlte mich extrem unwohl. Die Menschen versammelten sich vor dem Eingang, als gäbe es kein Corona», sagt Nadia van Rooijen, die das Spiel am Sonntag selbst besucht hat. Da zeitweise nur eine einzige Eingangstüre geöffnet gewesen sei, seien die Leute dicht gedrängt bis auf die Strasse hinaus angestanden. «Selbst die Hygiene-Beauftragten sagten, dass sie sich bei dem ganzen Andrang nicht sonderlich wohl fühlten», so van Rooijen.

Chaos vor dem Stadion

Um sich zu schützen, hat sich van Rooijen aus der Menschenmenge zurückgezogen. Erst zehn Minuten nach Anpfiff konnte sie das Stadion in Ruhe betreten. Drinnen sei die Situation dann deutlich übersichtlicher gewesen. «Im Stadion war alles gut organisiert.» Jeder sei angewiesen worden, an seinem Platz zu bleiben, und das Schutzkonzept sei erfolgreich umgesetzt worden. «Nur der Einlass ins Stadion verlief sehr chaotisch», so van Rooijen. Die Stimmung während des Spiels sei gut gewesen.

In den sozialen Medien kritisieren derzeit viele Personen die Umsetzung des YB-Schutzkonzeptes beim Einlass. Zu einem Foto einer wartenden Menschenmasse vor dem Stadion schreibt ein Twitter-User: «Toll. Und das bei einer Rekordmeldung von 65 neuen Fällen im Kanton Bern. Das wird ein spannender Winter.» Eine andere Person, die am Sonntag vor dem Stadion war, twitterte: «Das Ganze ist ein Witz. Da muss noch viel geändert werden, sonst haben wir subito wieder eine Geister-Saison.»

«Hoch riskante Ansammlungen»

Auch der Infektiologe Andreas Cerny beanstandet die Zustände beim Einlass: «Solche Ansammlungen von Personen, die auf engem Raum warten und nur zu einem kleinen Teil Masken tragen, sind hoch riskant.» Sollte es zu Übertragungen kommen, sei ein Contact Tracing praktisch unmöglich.

«Steigen die Corona-Zahlen nach derartigen Grossveranstaltungen stark an, werde das wahrscheinlich dazu führen, dass der Kanton strengere Auflagen macht oder sie gar verbietet», so Cerny. Es sei im Interesse der Besucher und Veranstalter, dass es nicht dazu kommt. «Sicher müssen die Veranstalter darum über die Bücher und die Organisation auch vor und nach der Spiel optimieren.»

Zu einem umfassenden Schutzkonzept gehöre zwingend, auch aufzuzeigen, wie Besucherströme gelenkt werden und wie der Einlass sowie das Verlassen des Geländes organisiert und umgesetzt werden, sagt eine Sprecherin des Kantons Bern. Die vorliegende Aufnahme zeige Schwachstellen auf. «Wir erwarten, dass die Schutzkonzepte rigoros eingehalten werden und sofort Nachbesserungen an die Hand genommen werden.»

«Wir möchten uns entschuldigen»

«Es trifft zu, dass wir vor dem Eingang zu den Sektoren C und D Probleme hatten und es lange Wartezeiten gab», sagt YB-Sprecher Albert Staudenmann gegenüber 20 Minuten. «Dafür möchten wir uns bei den Direktbetroffenen entschuldigen.» Die Verantwortlichen seien dabei, den Verlauf des Sonntages sorgfältig zu analysieren und Lehren aus den Erfahrungen zu ziehen. «Wir werden alles daransetzen, dass es bei den nächsten Heimspielen besser funktioniert.»

Trotz Optimierungspotenzial zieht YB eine positive Bilanz: «Es herrschten zum ersten Mal komplett neue Regeln für alle. Die YB-Fans haben sich pflichtbewusst und solidarisch gezeigt», so Staudenmann. Wie die Veränderungen beim nächsten Heimspiel aussehen, kann der YB-Sprecher im Moment noch nicht sagen: «Unsere Experten befassen sich intensiv damit, Verbesserungen zu erzielen.»

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