Aktualisiert 06.08.2018 09:56

Klippenspringen

Die mentale Blockade des Profis auf 21 Metern

Die weltbesten Klippenspringer schaffen die schwierigsten Sprünge scheinbar ohne zu zögern. Bis Anna Bader kommt.

von
Tim Ehrensperger und Marcel Rohner

Anna Baders mentale Blockade und was die Deutsche dazu sagt. Video: Tim Ehrensperger und Marcel Rohner, mit Material von Red Bull.

Sie steht mit den Zehenspitzen an der Kante der Plattform. Sie streckt sich durch wie ein Brett, die Arme über dem Kopf. Sie sieht den Abgrund unter sich, 21 Meter tief. Sie zählt: 1, 2, 3. Dann sollte sie springen. Sie wartet 16 Sekunden. Sie springt nicht.

Anna Bader nimmt die Arme wieder nach unten. Läuft zurück. Formt mit ihren Armen ein X. Ich springe nicht.

So etwas ist ihr noch nie passiert

Die Deutsche ist seit vielen Jahren profimässige Klippenspringerin. Auch am Red Bull Cliff Diving am Vierwaldstättersee steht sie im Fokus. Sie hat sich längst daran gewöhnt. Vor ihrem zweiten Sprung am Samstag hat sie dennoch eine mentale Blockade.

«Ich habe mich spontan entschieden, nicht zu springen. In meiner Konzentrationsphase habe ich mich einfach nicht zu 100 Prozent wohl gefühlt. Körperlich, aber auch mental konnte ich mir den Sprung vor dem inneren Auge nicht gut vorstellen», sagt die 34-Jährige. So etwas sei ihr im Wettkampf noch nie passiert.

«Es ist das grösste aller Gefühle»

Matthias Appenzeller feierte heute seinen ersten Auftritt in der «Champions League der Cliff Diver». Video: Tim Ehrensperger und Marcel Rohner

Der einzige Schweizer, Matthias Appenzeller, bei seinem Debüt auf der ganz grossen Bühne. Video: Tim Ehrensperger, Marcel Rohner, mit Material von Red Bull.

Baders misslungener Versuch zeigt, unter welch enormer Belastung die Sportler stehen. Die Zuschauer bekommen im Normalfall nichts davon mit.

Saltos, Schrauben, Handstände

Die über 8000 Fans geniessen die spektakulären Saltos, Schrauben und Handstände in ihren Gummibooten, Gummiflamingos oder Gummieinhörnern. Sie haben sich schon fast an den Wahnsinn gewöhnt.

Bis Anna Bader kommt, menschlich wird, zurückläuft. Und genau deshalb in Sisikon die Mutigste aller Klippenspringerinnen ist.

27 Meter im freien Fall

Der Zürcher Klippenspringer Matthias Appenzeller belegte an den Red Bull Cliff Diving World Series den 10. Platz. (Video: Tamedia/SDA)

Die besten Sprünge des Wochenendes. (Video: sda/Tamedia)

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Hunderte Zuschauer beobachten die weltbesten Klippenspringer in Sisikon vom Wasser aus: Der Schweizer Matthias Appenzeller kurz nach dem Absprung.

Hunderte Zuschauer beobachten die weltbesten Klippenspringer in Sisikon vom Wasser aus: Der Schweizer Matthias Appenzeller kurz nach dem Absprung.

kein Anbieter/Romina Amato, Red Bull
Der Wettkampf am Urnersee bietet eine grossartige Kulisse. Die Männer springen von der oberen Plattform (27 Meter), die Frauen von der unteren (21 Meter).

Der Wettkampf am Urnersee bietet eine grossartige Kulisse. Die Männer springen von der oberen Plattform (27 Meter), die Frauen von der unteren (21 Meter).

kein Anbieter/Romina Amato, Red Bull
Völlig schwerelos: Mit bis zu 85 km/h fliegen die Springer dem Vierwaldstättersee entgegen.

Völlig schwerelos: Mit bis zu 85 km/h fliegen die Springer dem Vierwaldstättersee entgegen.

kein Anbieter/Romina Amato, Red Bull

Matthias Appenzeller geniesst sein Debüt auf der ganz grossen Bühne. Dank einer Wildcard kann der Zürcher zum ersten Mal sein Können von 27 Metern zeigen – und begeistert die Zuschauer. Nie ist es in Sisikon lauter, als wenn der 24-Jährige die Plattform betritt. «Ich war ein bisschen nervös. Deshalb versuchte ich, es mit dem Publikum zusammen anzupacken.» Er schlägt sich als 10. von 14 Teilnehmern gut und ist der zweitbeste Wildcard-Athlet. Technisch sind ihm die Profis wie Sieger Gary Hunt (GBR) noch etwas voraus. Was die Show angeht, da ist Appenzeller aber bereits ein ganz Grosser.

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