Aktualisiert 18.07.2014 07:01

Im Vergleich zum Lohn

Die Mieten sind gar nicht so hoch, wie alle meinen

Obwohl die Mieten in den letzten Jahren stetig stiegen, zahlen wir nicht mehr fürs Wohnen als früher. Angepasst an die Löhne sanken die Mieten sogar, rechnet Avenir Suisse vor.

von
Yves Hollenstein
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Die Schweizerkarte zeigt: Nicht in allen Regionen ist das Eigenheim günstiger als die Mietwohnung.

Die Schweizerkarte zeigt: Nicht in allen Regionen ist das Eigenheim günstiger als die Mietwohnung.

An der «Goldküste» am Zürichsee - im Bild die Gemeinde Zollikon - gibt ein Wohneigentümer über 4000 Franken mehr aus pro Jahr als ein Mieter. Das geht aus dem neusten Immo-Monitoring der Beratungsfirma Wüest & Partner hervor.

An der «Goldküste» am Zürichsee - im Bild die Gemeinde Zollikon - gibt ein Wohneigentümer über 4000 Franken mehr aus pro Jahr als ein Mieter. Das geht aus dem neusten Immo-Monitoring der Beratungsfirma Wüest & Partner hervor.

Keystone/Walter Bieri
Dasselbe gilt für die Gemeinde Meilen am Zürichseeufer.

Dasselbe gilt für die Gemeinde Meilen am Zürichseeufer.

Keystone/Martin Ruetschi

In den letzten 25 Jahren kannten die Mietpreise in der Schweiz nur eine Richtung – diejenige nach oben. Der Mietpreisindex des Bundesamts für Statistik kletterte von 59,1 Punkten im Jahr 1989 auf aktuell 102,8 Punkte. Das ist ein Plus von rund 60 Prozent.

Die Schweizer haben also allen Grund zu jammern, wenn sie Ende Monat jeweils den Mietzins zu entrichten haben. Dass dies jedoch nur die halbe Wahrheit ist, zeigen Berechnungen der Denkfabrik Avenir Suisse. «Natürlich sind die Mietpreise in den letzten Jahren massiv gestiegen», sagt Avenir-Suisse-Ökonom Marco Salvi zu 20 Minuten. Doch heute sind auch die Löhne höher.

In relativen Zahlen haben wir also etwa gleich viel Geld zum Wohnen zur Verfügung wie früher. Ganz anders als in Grossbritannien oder Frankreich, wo die Mietpreise im Vergleich zu den Löhnen in den letzten Jahren massiv anzogen. Langfristig gesehen wohnen von den Nachbarländern nur die Deutschen günstiger als die Schweizer.

Höhere Ausgaben fürs Wohnen

Gemäss den Berechnungen von Avenir Suisse geben wir etwa 20 Prozent unserer Konsumausgaben für Mieten aus. «In den letzten 100 Jahren war das immer etwa gleich viel», so Salvi. Das heisst: Ist mehr Einkommen vorhanden, steigen auch die Ausgaben für Mieten.

Das bestätigt auch CS-Immobilienspezialist Fredy Hasenmaile. Der Experte untersuchte dafür den Zeitraum von 1977 bis 2014. In dieser Zeitspanne seien die Mieten jährlich um 2,58 Prozent gestiegen, die Löhne hätten zur gleichen Zeit aber um 3,2 Prozent pro Jahr zugelegt. «Wir sind wohlhabender geworden und können aus dem höheren Einkommen auch den real teurer gewordenen Wohnraum bezahlen», bilanziert Hasenmaile.

Doch nicht nur das: Glaubt man dem Immo-Monitoring der Beratungsfirma Wüest & Partner, verursachen viele Mietwohnungen weniger Kosten als eine Eigentumswohnung (siehe Bildstrecke). Vor allen in den Ballungszentren wie Zürich, Zug oder Genf sind Mieter gegenüber Eigentümern vielfach im Vorteil, weil dort Wohneigentum trotz tiefer Zinsen sehr teuer geworden ist.

Problem Anfangsmiete

Insgesamt bezeichnet Hasenmaile die hohen Mietpreise auch als Problem des sogenannten Swiss Finish. «Die Qualität vieler angebotener Mietwohnungen hat nahezu Eigenheim-Standard», so der Experte zu 20 Minuten. Dagegen fehlt günstiger neuer Wohnraum. Die Schweizer Mieter hätten in der Regel nur die Wahl zwischen einer günstigeren, aber alten oder einer teureren und neuen Mietvariante.

Das stimme zwar, heisst es von Seiten des Schweizerischen Mieterverbands SMV, doch das gravierende Problem bei den Mieten seien die inzwischen horrend hohen Anfangsmieten – also die Preise für Neuvermietungen. Das mache vor allem Personen mit unterem oder mittlerem Einkommen zu schaffen. «Diese haben grosse Mühe, ein für sie bezahlbares Mietobjekt zu finden», sagt Pierre Zwahlen, der stellvertretende SMV-Generalsekretär zu 20 Minuten.

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