Wein, Bier, Schnaps und Tabak – Die Migros entscheidet am Samstag, ob das Alkoholverbot fallen soll
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Wein, Bier, Schnaps und TabakDie Migros entscheidet am Samstag, ob das Alkoholverbot fallen soll

Die Delegierten der Migros-Genossenschaft stimmen am 6. November über die Aufhebung des Alkoholverbots ab. Das könnte ein erster Schritt hin zum Verkauf von Bier und Schnaps sein – und das Image der Migros gefährden.

von
Barbara Scherer
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Die Migros darf keinen Alkohol oder Tabak verkaufen, so steht es in den Statuten.

Die Migros darf keinen Alkohol oder Tabak verkaufen, so steht es in den Statuten.

20min/Michael Scherrer
Das könnte sich jetzt ändern: Am Samstag, 6. November stimmen die Delegierten an einer Versammlung über eine Aufhebung des Verbots ab. 

Das könnte sich jetzt ändern: Am Samstag, 6. November stimmen die Delegierten an einer Versammlung über eine Aufhebung des Verbots ab.

20min/Taddeo Cerletti
Stimmen zwei Drittel der Anwesenden dafür, müssen anschliessend die zehn regionalen Genossenschaften bis Anfang Dezember entscheiden ob sie das Alkoholverbot aufheben wollen.

Stimmen zwei Drittel der Anwesenden dafür, müssen anschliessend die zehn regionalen Genossenschaften bis Anfang Dezember entscheiden ob sie das Alkoholverbot aufheben wollen.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Am 6. November können die Delegierten des Migros-Genossenschaftsbunds über die Aufhebung des Alkoholverbots abstimmen.

  • Nimmt es der Grossteil an, müssen die zehn regionalen Genossenschaften Anfang Dezember abstimmen.

  • Eine Annahme ist laut Expertinnen und Experten wahrscheinlich.

  • Allerdings könnte die Aufhebung des Alkoholverbots dem Image der Migros schaden.

Alkohol und Tabak gibts in der Migros nicht: Der Verkauf ist verboten. So wollte es der Gründer Gottlieb Duttweiler. Doch das könnte sich jetzt ändern. Am Samstag, 6. November stimmen die Delegierten an einer Versammlung über eine Aufhebung des Verbots ab.

Stimmen zwei Drittel der Anwesenden dafür, wäre das aber erst ein Schritt von vielen. Denn in einem nächsten müssten dann die zehn regionalen Genossenschaften bis Anfang Dezember entscheiden, ob sie das Alkoholverbot aufheben wollen. Wein, Bier und Spirituosen gibt es dann erst ab 2023 in gewissen Filialen, wie das «Migros Magazin» schreibt (siehe Box unten).

Das ist der Fahrplan der Migros:

  • 6. November 2021: Die Delegiertenversammlung entscheidet darüber, ob das Alkoholverkaufsverbot aufgehoben wird.

  • 3. Dezember 2021: Sollten mindestens zwei Drittel der Delegiertenversammlung zustimmen, kommen in einem nächsten Schritt die Verwaltungen und Genossenschaftsräte der zehn regionalen Migros-Genossenschaften zusammen. Sie müssen ebenfalls abstimmen, ob sie der Aufhebung des Alkoholverkaufsverbots zustimmen.

  • 4. Juni 2022: In denjenigen Genossenschaften, in denen mindestens zwei Drittel der Mitglieder der jeweiligen Verwaltung sowie mindestens zwei Drittel des jeweiligen Genossenschaftsrats zugestimmt haben, kommt es zu einer Urabstimmung. Dann stimmen alle Genossenschaftlerinnen und Genossenschaftler über das Verbot ab.

  • 2023: Nur in den Filialen von regionalen Genossenschaften, deren Mitglieder sich mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen für die Aufhebung des Verbots aussprachen, könnten nun alkoholische Getränke in die Regale kommen. Je nach Ergebnis sind also regionale Unterschiede möglich.

Eine Aufhebung des Alkoholverbots ist laut Stefan Michel, Marketingexperte der IMD Business School in Lausanne, wahrscheinlich. Denn «das Verbot ist nicht mehr zeitgemäss und völlig überholt.» Schliesslich verkaufe die Migros bereits Alkohol über Denner und Migrolino-Shops.

Auch im Onlineshop bietet die Migros Hunderte Sorten Bier, Wein und Spirituosen an. Darum sei es gut vorstellbar, dass die Migros das Alkoholverbot nun ablege, bestätigt auch Marketing-Spezialistin Johanna Gollnhofer von der Universität St. Gallen.

Dabei habe die Aufhebung des Verbots aber das Potenzial für einen kleinen Shitstorm: «Schliesslich ist das Alkoholverbot ein wichtiger Wert der Marke Migros», so Gollnhofer. Allerdings sollte die Detailhändlerin keinen allzu grossen Schaden davon tragen.

Schliesslich stützt sich das Unternehmen auch auf andere Werte, wie Nachhaltigkeit und Tradition. Auch kommt die Migros mit der Einführung von Alkohol dem Kundenbedürfnis entgegen, alle Produkte an einem Ort zu finden. Denn nur für eine Flasche Wein in einen anderen Laden gehen zu müssen, ist unpraktisch.

Migros hebt sich mit Verbot ab

Anderer Meinung ist Marketing-Expertin Adrienne Suvada: Durch das Alkohol- und Tabakverbot hebe sich die Migros von anderen Detailhändlern ab. «Das ist wirklich eine Schweizer Eigenheit, denn in kaum einem anderen Land fühlen sich die Menschen einem Supermarkt so verbunden wie der Migros», so Suvada.

Das habe mit dem konsequenten Imageaufbau zu tun. Die Kundschaft sei stolz auf die Migros und identifiziere sich gerne mit ihr. Lässt die Migros das Alkoholverbot nun fallen, werde sie noch mehr zu einem normalen Supermarkt und «verrät damit die Ideale des Gründers Duttweiler».

Darum sollte die Migros am Verbot festhalten und ihre Ideale sogar verstärken. Damit nehme die Detailhändlerin ihre gesellschaftliche Unternehmensverantwortung wahr. «Verantwortung heisst auch mal gegen den Strom zu schwimmen und für seine Ideale eintreten, auch wenn das vielleicht gegen die finanziellen Vorteile spricht», erklärt Suvada.

Bewusst an einem Ort ohne Alkohol einkaufen

Gegen eine Aufhebung des Alkoholverbots spricht sich auch das Blaue Kreuz aus. «Damit würde die letzte alkoholfreie Einkaufsmöglichkeit wegfallen. Viele Menschen gehen vielleicht bewusst in der Migros einkaufen, weil sie da keinem Alkohol begegnen», sagt Mediensprecher Patrick Jola.

Es sei wichtig, dass ein grosser Händler wie die Migros einen Kontrapunkt setze. Besonders für Jugendliche sei das bedeutend. «Denn wie eine Studie von Sucht Schweiz kürzlich gezeigt hat, sind Jugendliche heute schon alle fünf Minuten einem Alkoholanreiz ausgesetzt. Das ist viel zu viel», so Jola.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Probleme mit Alkohol?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

My Drink Control, Selbsttest

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