Dubler-«Mohrenköpfe»: «Die Migros hat vorschnell gehandelt»
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Dubler-«Mohrenköpfe»«Die Migros hat vorschnell gehandelt»

Die Migros hat die Dubler-«Mohrenköpfe» wegen Rassismus-Vorwürfen aus ihren Regalen entfernt. Andere Händler wollen folgen. Eine vorschnelle Reaktion, die andere Lieferanten verunsichern könnte, sagt der Experte.

von
Barbara Scherer
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Reputations-Experte Bernhard Bauhofer sieht den Entscheid der Migros kritisch.

Reputations-Experte Bernhard Bauhofer sieht den Entscheid der Migros kritisch.

zvg
Diese hat Dubler-«Mohrenköpfe» aus dem Sortiment gestrichen.

Diese hat Dubler-«Mohrenköpfe» aus dem Sortiment gestrichen.

KEYSTONE
Jetzt überlegen sich auch Volg und Spar, ob sie das Produkt weiterhin verkaufen sollen.

Jetzt überlegen sich auch Volg und Spar, ob sie das Produkt weiterhin verkaufen sollen.

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Darum gehts

  • Migros hat die Dubler-«Mohrenköpfe» aus dem Sortiment gestrichen, weil der Name nicht mehr zeitgemäss ist.
  • Andere Händler überlegen sich, das Gleiche zu tun.
  • Laut dem Reputations-Experten Bernhard Bauhofer war das eine vorschnelle Handlung.
  • Damit sei eine langjährige Partnerschaft beendet worden, das könnte andere Lieferanten verunsichern.
  • Dubler müsse sich aber überlegen, ob das Produkt auch in Zukunft beliebt bleibe mit seinem Namen.

• Die Dubler-«Mohrenköpfe» stehen unter Beschuss. Jetzt hat die Migros das Produkt entfernt und erntet von Dubler-Fans Kritik. Kann sich ein Unternehmen in so einer Situation überhaupt richtig verhalten?

Reputations-Experte Bernhard Bauhofer: Unternehmen wie die Migros müssen sich neuen Verantwortungen stellen. Themen wie Nachhaltigkeit, Geschlechtergleichstellung und eben auch Rassismus müssen behandelt werden. Dabei geraten Unternehmen in die Schusslinie und ernten oft von beiden Seiten Kritik. Trotzdem finde ich, dass die Migros vorschnell gehandelt hat, als sie die Dubler-«Mohrenköpfe» aus dem Sortiment gestrichen hat. Das war taktisch nicht sehr klug, da es sich bei dem Markennamen um ein starkes Label handelt.

• Was hätte die Migros denn besser machen können?

Sie hätte das Gespräch mit Dubler suchen und einen Kompromiss erarbeiten sollen. Eine Möglichkeit wäre es gewesen, eine spezielle Linie nur für die Migros mit Dubler zu erarbeiten, die einen anderen Namen bekommt. Jetzt wirkt es so, als hätte die Migros auf einen Tweet von einer Kundin eine wichtige Geschäftsbeziehung beendet.

• Sollte sich ein Unternehmen also von seinen Kunden besser nicht vorschreiben lassen, was es tun soll?

Jede Firma, die nicht an der Börse ist, kann natürlich nach eigenem Gutdünken entscheiden, welche Produkte im Sortiment bleiben. Schlussendlich sitzen die Konsumenten aber am längeren Hebel: Sie können ein Unternehmen wie die Migros boykottieren.

• Schlussendlich hat das Ganze der Migros viel Aufmerksamkeit gebracht – war das Ganze ein PR-Coup?

Nein, in dieser Diskussion geht es nicht um Aufmerksamkeit. Die Migros hat bereits eine der stärksten Brands in der Schweiz. Die ganze Aktion wirkt vorschnell und weist darauf hin, dass das Management nervös ist. Das Unternehmen stösst bei Wachstum und Profitabilität an seine Grenzen. Das setzt die Führungsetage unter Druck und führt zu solchen Entschlüssen.

• Was bedeutet das Ganze für die Firma Dubler?

Dubler ist der grosse Verlierer in der ganzen Geschichte. Die Migros hat ihre Muskeln spielen lassen und eine langjährige Partnerschaft einfach beendet. Das kann auch andere Lieferanten verunsichern, die jetzt die Loyalität der Migros hinterfragen werden. Dass Dubler den Namen «Mohrenkopf» weiterführen will, ist verständlich. Sollte das Produkt in Zukunft aber an Beliebtheit verlieren, kann das der Firma schnell existenzielle Probleme bringen.

Kritik am Markennamen

Das Familienunternehmen Dubler produziert seit 1946 unter dem Namen «Mohrenkopf» Süssigkeiten in Waltenschwil AG. Das Komitee gegen rassistische Süssigkeiten hat die Aargauer Firma bereits 2017 aufgefordert, den Namen des Produkts zu ändern. Denn der Name «Mohrenkopf» sei eine herabwürdigende und rassistische Bezeichnung für den Kopf einer dunkelhäutigen Person. Der Besitzer der Firma Dubler, Robert Dubler, zeigte sich empört über die Vorwürfe und will bei dem Namen bleiben.

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