31.07.2019 09:06

Mini-GewächshäuserDie Migros pflanzt Kräuter direkt im Laden an

In der Migros kann man den Kräutern beim Wachsen zusehen: In einigen Filialen stehen kleine Gewächshäuser – das Ganze nennt sich Vertical Farming.

von
Raphael Knecht
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In einigen Zürcher Migros-Filialen stehen derzeit kleine Gewächshäuser auf der Ladenfläche.

In einigen Zürcher Migros-Filialen stehen derzeit kleine Gewächshäuser auf der Ladenfläche.

Merav Maroody
Sie bieten Kräutersamen Wasser, Licht und die richtige Temperatur, um innert weniger Wochen heranzuwachsen.

Sie bieten Kräutersamen Wasser, Licht und die richtige Temperatur, um innert weniger Wochen heranzuwachsen.

Lena Hilfiker
Lebensmittelhändler wollen mit solchen Gewächshäusern eine Marktplatzatmosphäre schaffen ...

Lebensmittelhändler wollen mit solchen Gewächshäusern eine Marktplatzatmosphäre schaffen ...

20 Minuten/RKN

Viele Kunden bevorzugen lokale Produkte – bei der Migros gedeihen die Kräuter gleich in der Filiale selbst. In ausgewählten Läden hat die Migros Zürich Mini-Gewächshäuser des deutschen Start-ups Infarm aufgestellt.

Sie sehen aus wie Kühlschränke und bieten den Samen Wasser, Licht und die richtige Temperatur, um innert weniger Wochen heranzuwachsen. Laut Migros reduziert die effiziente Nutzung den Wasserverbrauch im Vergleich zur herkömmlichen Landwirtschaft um 95 Prozent. Die Pflänzchen kommen ohne Pestizide aus und wachsen unabhängig von Witterung oder Saison. Verkauft werden sie mit intakten Wurzeln.

Frische signalisieren

Wie die «Luzerner Zeitung» schreibt, sehen Investoren im sogenannten Vertical Farming eine Innovation mit Millionenwert. In den vergangenen Jahren habe das Interesse an Vertical Farming zugenommen, sagt Trendforscherin Mirjam Hauser vom Marktforschungsinstitut GIM Suisse zu 20 Minuten: «Gerade in Städten ist die Distanz zwischen den Lebensmitteln und deren Produktion immer grösser geworden.»

Laut Hauser wollen Lebensmittelhändler mit Vertical Farming nun eine Art Marktplatzatmosphäre schaffen und zeigen, dass ihre Produkte frisch und lokal sind. Im Laden wachsende Kräuter würden dem Kunden «ultimative Frische» signalisieren.

Umstrittener Energieverbrauch

Auch Christine Schäfer, Trendforscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut, glaubt, dass die Methode Potenzial hat: «Vertical Farming wird als eine Möglichkeit gehandelt, wie in Zukunft zehn Milliarden Menschen ernährt werden können. Die Methode ist jedoch aufgrund des hohen Energieverbrauchs nicht unumstritten.»

Indem man den Anbau direkt in die Läden verlege, könne man die Konsumenten an die neue Anbaumethode heranbringen, so Schäfer: «Wenn man immer nur darüber liest, wirkt Vertical Farming viel abstrakter, als wenn das Gewächshaus plötzlich in der Migros steht und man selbst reinschauen kann.» Zudem würden Unternehmen sich so als nachhaltig und zukunftsgerichtet präsentieren wollen.

Für manche Kunden dürfte die Vertical Farming aber auch abschreckend wirken. Der Konsument könnte es als unnatürlich empfinden, wenn die Kräuter in einer Nährlösung statt im Schweizer Boden wachsen, so Schäfer. Dafür sind die Pflanzen nicht mehr wie früher Umwelteinflüssen und den Folgen des Klimawandels ausgesetzt.

Test in sechs Filialen

So funktioniert das Modell: Die Migros zahlt für Saatgut, Wasser und Strom. Die Gewächshäuser werden vom Anbieter Infarm gestellt und gewartet. Auch für die Ernte sind Infarm-Mitarbeiter zuständig. Ob sich das finanziell für die Migros lohnt, will man nicht verraten. Dafür sei es noch zu früh.

Die Migros testet die Mini-Gewächshäuser seit Ende 2018 in sechs Filialen:

• Bülach Süd

• City Zürich

• Limmatplatz

• Regensdorf

• Uster-Illuster

• Flughafen Zürich

Versuchsballon

Derzeit handelt es sich bei solchen Projekten eher um Versuchsballons, so Hauser von GIM Suisse: «Man ist noch am Anfang und probiert die Möglichkeiten aus.» So gilt es, herauszufinden, wo Vertical Farming wirklich sinnvoll und nachhaltig ist – und natürlich, ob es beim Kunden ankommt.

Ziel der Migros Zürich sei es, dem Konzept von Infarm eine Plattform zu bieten, sagt Sprecher Francesco Laratta zu 20 Minuten. Kämen die Kräuter gut an, sei eine Einführung in weiteren Filialen denkbar. Und je nach Erfolg könnten allenfalls auch in anderen Regionen bald Mini-Gewächshäuser eingeführt werden.

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