Verspielt: Die Migros steigt in die Gameförderung ein
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VerspieltDie Migros steigt in die Gameförderung ein

Der Förderfonds Engagement Migros will Schweizer Gamedesigner besser mit dem Ausland verknüpfen. Steigt die Migros nun ins Geschäft mit Videospielen ein?

von
Jan Graber

Als 2014 das Gamefestival Ludicious erstmals stattfand, war auf der Liste der Sponsoren auch der Förderfonds Engagement Migros zu finden (siehe auch Infobox). Die Detailhandelsfirma hatte den Gamefestivalmachern finanziell unter die Arme gegriffen. Fürs nächste Ludicious Gamefestival, das vom 21. bis 24. Januar 2016 in Zürich über die Bühne geht, geht der Förderfonds Engagement Migros einen entscheidenden Schritt weiter: Sie führt ein Match-Making-Modul ein, das junge Schweizer Gameentwickler mit internationalen Investoren und Publishern zusammenbringen und das einheimische Gameschaffen fördern soll.

Engagement Migros nennt als Gründe für das neue Modul eine sichtbare Diskrepanz. «An den hiesigen Hochschulen ETH und ZHdK werden zwar hochqualifizierte Programmierer und Gamedesigner ausgebildet und es entstehen qualitativ hochwertige Spiele. Mit dem Anschluss an den Markt aber hapert es», sagt Stefan Schöbi, Leiter Engagement Migros. Experten seien sich einig, dass das Potenzial der Schweiz für die Spieleindustrie gross sei. Konkrete Zahlen kann Engagement Migros nicht nennen, sieht das Potenzial aber vor allem in der Qualität der Games. Grosse Spielentwicklerstudios und -publisher haben ihren Sitz hingegen alle ausserhalb der Schweiz.

Wertschöpfung für die Schweiz

Das neue Match-Making-Modul soll Perspektiven schaffen. Einheimische Gamedesigner können im Rahmen des Moduls zum Beispiel ihre Projekte internationalen Exponenten der Gamebranche vorstellen. Am Match-Making-Modul, das am Ludicious Gamesfestival im Januar erstmals stattfindet, sind beispielsweise Vertreter der Videospielgiganten Nintendo und Square Enix zu Gast. Zum Modul gehört auch eine Pitching-Session vor einer Expertenjury mit anschliessender Preisverleihung. Damit sollen Schweizer Spielentwickler auf der internationalen Landkarte positioniert werden. «Eines der Ziele ist, die Wertschöpfung der Spielindustrie vermehrt in der Schweiz zu halten», sagt Schöbi.

Entstanden ist das Modul auf eigene Initiative von Engagement Migros in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Game Connection. «Wir wollten mehr als nur Unterstützer im Hintergrund sein», sagt Schöbi zur Initiative. Eine direkte Förderung einzelner Entwickler sei hingegen nicht Ziel von Engagement Migros. Ebenso wenig wird der Detailhandelsriese in Zukunft selbst als Gamepublisher in Erscheinung treten. Vorstellbar sei aber, dass das Match-Making-Modul als Blaupause für weitere Projekte dient, um die Kreativwelt mit der Wirtschaft zusammenzubringen und dass es an zukünftigen Game-Events ebenfalls zum Einsatz kommt.

Kurz: Mit dem Engagement von Migros zeigt sich, dass das einheimische Gameschaffen auf der schweizerischen Landkarte definitiv angekommen ist und auch von wirtschaftlichen Riesen wahrgenommen und unterstützt wird.

Engagement Migros

Der Förderfonds Engagement Migros wurde 2012 ins Leben gerufen. Mit dem Fonds unterstützt die Migros-Gruppe, zu der auch Unternehmen wie Denner und Globus gehören, freiwillig Projekte in den Bereichen Kultur, Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Sport. Die dafür zur Verfügung gestellten Mittel entsprechen zehn Prozent der von den Unternehmen jährlich ausgeschütteten Dividenden.

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