«Guerilla-Marketing»: Die Migros überklebt fremde Plakate
Aktualisiert

«Guerilla-Marketing»Die Migros überklebt fremde Plakate

Die Migros hat in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Plakate anderer Firmen mit Kassabons überkleben lassen. Die Plakatgesellschaft ist gar nicht begeistert, auch Experten kritisieren das Vorgehen.

von
D. Sutter

Der orange Riese agierte am Samstag als Guerilla-Plakatierer: Auf rund 30 Plakaten in vier Schweizer Städten überklebte die Migros die Werbung etwa von Fielmann, Opel oder Hornbach mit Kassenzetteln. Diese kommentieren die Motive: So gibt es beispielsweise für das Fielmann-Model Rüebli, für Opel die passende Autopflege und dem Hornbach-Mann wird zur Körperpflege geraten, wie persoenlich.com schreibt.

Gefragt hat die Migros die Firmen jedoch nicht: «Wir wollten etwas Unkonventionelles machen und haben deshalb die Firmen erst gleichzeitig mit der Aktion informiert», sagt Sprecherin Martina Bosshard. Die Kleber, die «extra leicht zu entfernen» seien, hängen nur noch bis heute Abend: «Wir hoffen auf Verständnis – schliesslich ist es ja etwas Lustiges.»

«Ein unsympathischer Zug der Migros»

Nicht ganz so lustig findet die Aktion der Chefredaktor der «Werbewoche», Pierre Meier: «Dass sich die Migros als Wildplakatiererin aufführt, ist unsympathisch. Schliesslich bezahlten die anderen Firmen viel Geld für ihre Werbefläche.» Griffen kleinere Werbetreiber auf Guerillamethoden zurück, sei das etwas anderes, als wenn es der grösste Werbetreiber der Schweiz tue.

Auch die Plakatgesellschaft APG/SGA sagt: «Wir goutieren das Vorgehen nicht und werden gemäss den Kundenreaktionen reagieren», so Marketingleiter Markus Ehrle. Viele der Kleber seien bereits entfernt worden.

Ob die Migros mit einer Strafanzeige rechnen muss, wie dies dem Musiker Seven bei seiner Guerilla-Kleber-Aktion geschehen war, ist noch unklar. Seven hatte sich aussergerichtlich mit der APG einigen können, was konkret heisst, dass er für den entstandenen Schaden aufgekommen ist. «Im Fall der Migros sind aber deutlich weniger Plakate betroffen, insofern reichen wir nicht von uns aus Strafanzeige ein», so Ehrle.

«Guerillamarketing in Reinform»

Bei Hornbach freut man sich: «Die Aktion ist gelungen und bringt auch uns wieder ins Gespräch», so Sprecherin Marianne Limacher. Dass es sich dabei um «Guerillamarketing in Reinform» handle, sei kein Problem. Bei Fielmann klingt es ähnlich: Man nehme die Sache sportlich. «Wir werden keine rechtlichen Schritte einleiten, behalten uns indes vor, das Gespräch mit der Migros zu suchen, sofern die Aktion wiederholt werden sollte», sagt Sprecher Kevin Riemer.

Deine Meinung