Anzeige gegen Nationalratspräsident Aebi – «Die Misshandlung geschah direkt vor seinen Augen»
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Anzeige gegen Nationalratspräsident Aebi«Die Misshandlung geschah direkt vor seinen Augen»

Gegen Nationalratspräsident Andreas Aebi (SVP) wurde Strafanzeige wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz eingereicht. Es geht um den Einsatz eines Nasenrings an einer Viehauktion in Langenbruck BL, die er leitete. Aebi wehrt sich.

von
Alexia Mohanadas

In Langenbruck BL wurde ein Rind ein an einem Nasenring durch die Arena gezogen. Die Tierschutzorganisation Basel Animal Save hat nun wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz Anzeige eingereicht. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft führt derzeit eine Vorprüfung der erhobenen Vorwürfe durch.

Credit: Telebasel

Darum gehts

  • In Langenbruck BL wurde ein Rind an einem Nasenring durch die Arena gezogen.

  • Die Tierschutzorganisation Basel Animal Save hat nun wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz Anzeige eingereicht.

  • Die Baselbieter Staatsanwaltschaft führt derzeit eine Vorprüfung der erhobenen Vorwürfe durch.

Bei einer Viehauktion in Langenbruck BL wurde ein Stier an einem Nasenring quer durch die Arena gezogen. Die Bilder wurden damals in einem News-Beitrag des Regionalsenders Telebasel eingefangen. Wie die Tierschutzorganisation Basel Animal Save am Mittwoch mitteilte, zeigen diese Bilder «reine Tierquälerei». Deswegen habe sie nun gegen den unbekannten Ganthelfer sowie gegen den Nationalratspräsidenten Andreas Aebi, der die Auktion leitete, bei der Baselbieter Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz eingereicht.

«Anstatt einzugreifen, hat er die Mitbietenden weiter angepeitscht»

Olivier Bieli, Basel Animal Save

Aebi, der damals die Auktion als sogenannter «Gantrufer» begleitete, betonte gegenüber 20 Minuten deutlich: «Ein Muni muss unbedingt einen Ring haben.» Anders könne man das Tier nicht kontrollieren. Auf die Frage, ob es denn nötig sei, dass das Tier durch Schmerzen kontrolliert und geführt werden muss antwortet der gelernte Landwirt und erfahrene Viehauktionator: «So ein Muni hat eine enorme Kraft. Nur so kann das Tier gebändigt werden.» Ausserdem bringe der Ring auch einen Schutz für die Menschen mit sich. Die Schmerzen, die das Tier beim Ziehen verspürt, würde er aber eher als «Druck» beschreiben.

«Ich finde das völlig unverständlich», so der Aktivist Oliver Bieli von Basel Animal Save. Er weist in aller Deutlichkeit auf das schmerzverzerrte Gesicht des Tieres hin. «Diese Tiermisshandlung geschah auch noch direkt vor den Augen des zuständigen und verantwortlichen Gantrufers.» Anstatt einzugreifen und der Tierquälerei damit ein schnelles Ende zu setzen, habe dieser die Kundinnen und Kunden weiter angepeitscht, möglichst hoch zu bieten und dabei das Geschehen auf dem Platz ignoriert.

«Ein Halfter würde niemals ausreichen, sollte sich ein Muni mal wehren.»

Andreas Aebi, SVP Nationalrat (BE)

«Ich war nicht der Organisator, sondern lediglich der Moderator der Auktion», so Aebi zu Bielis Vorwurf. Auch an die besagte Situation in der Arena könne sich der Nationalrat und ehemaliger Präsident der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter nicht mehr erinnern.

Hinzu komme laut Bieli noch die Tatsache, dass ein ebenfalls am Tier angebrachtes Halfter zur Verfügung stand. Diese völlig schmerzfreie Variante sei jedoch nicht in Betracht gezogen worden. «Sollte sich ein Muni mal wehren, würde so ein Halfter niemals ausreichen», kontert Aebi.

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft bestätigt der Eingang der Strafanzeige. Derzeit führe sie eine Vorprüfung der erhobenen Vorwürfe durch. Sollte diese ergeben, dass ein hinreichender Tatverdacht gegeben sei, so würde dies die Immunität des genannten Mitglieds des Nationalrat tangieren. Eine Strafuntersuchung wäre nur nach Aufhebung der Immunität möglich.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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