Aktualisiert 09.08.2011 20:10

Gefährlicher RekordversuchDie mit den Haien schwimmt

Diana Nyad (61) stieg am Sonntagabend in Kuba ins Meer und will 60 Stunden später schwimmend Key West erreichen. Das wäre ein neuer Rekord im Open-Water-Schwimmen - wenn sie den Trip überlebt.

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Diana Nyad äussert sich kurz vor dem Sprung ins Meer zu ihrem Rekordversuch. (Quelle: AP Television)

Die 61-jährige ehemalige Spitzenschwimmerin Diana Nyad wagt sich am Sonntag (7. August) an ein ganz grosses Abenteuer. Sie will die 165 Kilometer lange Strecke zwischen Kuba und Key West in Florida in 60 Stunden schwimmend durchqueren. Das wäre neuer Weltrekord im Schwimmen im offenen Gewässer - ohne Neopren. Die Extremsportlerin, die bereits einen Schlaganfall hinter sich hat, will sich damit nach eigenen Worten «einen langen Traum erfüllen». Die Zeit sei jetzt reif, schreibt sie in ihrem Blog. Es wäre nicht ihr erster Rekord. In sieben Stunden und 57 Minuten hatte sie vor Jahren Manhattan umschwommen. Und 1979 machte sie damals das längste Schwimmen aller Zeiten: Von den Bahamas nach Florida. Danach hat sie dreissig Jahre lang keinen Crawlzug mehr gemacht. Bis jetzt.

Hoher Wellengang und starke Strömung könnten der Amerikanerin heuer zum Verhängnis werden. Wie damals 1978, als ihr erster Versuch, diese gigantische Strecke zwischen Kuba und den USA zu meistern, misslang. Damals galt sie als die beste Langstreckenschwimmerin der Welt. 28-jährig musste sie ihr Vorhaben nach 42 Stunden und 15 Kilogramm Gewichtsverlust erschöpft aufgeben. Stürme und die starke Strömung hatten sie von der optimalen Route abgetrieben.

Nur eine Frau durchschwamm diese Extremstrecke zwischen Kuba und den USA bisher. Die Australierin Susie Maroney machte es schwimmend von Kuba nach Key West. Allerdings schwamm sie in einem Haikäfig. Denn das Meer im Golf von Mexiko ist haiverseucht. Für Nyad ist ein Käfig keine Option. Sie scheut die giftigen Quallen und die Haie nicht, sagt sie.

Wahnsinn und gefährliche Haie

Ihr grösster Feind sei sie selber. Die Monotonie der endlosen Armzüge im Salzwasser, ganz alleine, mache sogar die mental stärkste Person verrückt, sagte sie gegenüber ctv.ca. Einmal während eines Langstreckenschwimmens habe sie begonnen zu halluzinieren, habe plötzlich einen Schwarm imaginärer Möven sie attackieren sehen. Um ihre Gedanken zu bändigen, habe sie eine ganz einfache Methode herausgefunden: singen. Vor allem Bob Dylan, the Beatles, Janis Joplin. Für einen ihrer Lieblingssongs, Ticket to Ride, brauche sie 7929 Armzüge.

Seit 18 Monaten arbeite sie gezielt auf diesen Rekordversuch hin. Neun Stunden in der Karibik schwimmen sei bereits Kurzstrecke, leichtes Training. 20 Stunden-Swims hätte sie öfters absolviert. Daneben sei sie viel Rad gefahren.

Wenn sie am Sonntagabend in Kuba ins Wasser steigt, wird sie von 45 Helfern begleitet. Das Boot wird mit vielen Extras ausgerüstet sein: Elektrischer Strom soll die Haie abhalten. Auch Taucher werden die allzu neugierigen Haie abzuschrecken versuchen. Alle anderthalb Stunden wird Nyad etwas Nahrung zu sich nehmen, etwas trinken, eventuell eine Banane mit Erdnussbutter essen. Das Helferboot berühren darf sie aber nicht, sonst wäre sie sofort disqualifiziert.

Mit 61 wird sie ein Rennen gegen sich selber schwimmen, gegen die Strömung, gegen das Wetter, gegen den Schlaf und gegen den Wahnsinn. Und gegen die Haie.

(Quelle: YouTube / paveldunghd )

Video: Diana Nyad's Extreme Dream (YouTube)

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