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ÜbergrössenDie Modebranche buhlt um Dicke und Lange

Wer nicht wie Barbie aussieht, hatte bei der Kleidersuche bislang wenig zu lachen. Das dürfte sich nun ändern. Modemacher haben das Geschäft mit Übergrössen entdeckt.

Dünn, dünner, am dünnsten. So lautet das Motto der Modebranche. Wer nicht ins Schema der langbeinigen und superschlanken Barbie-Puppen passt, guckte bislang in die Röhre. Doch die Modebranche kommt langsam auf dem Boden der Realität an: Jeder zehnte Erwachsene hat heute einen Body-Mass-Index von über 30 und gilt damit als fettleibig. Der prozentuale Anteil der übergewichtigen Weltbevölkerung hat sich seit 1980 verdoppelt.

Der Schweizer Textil-Konzern Charles Voegele wirbt zwar seit Neustem mit den Glamour-Schwestern Mónica und Penélope Cruz sowie dem Sexsymbol Til Schweiger und will sich so ein moderneres Image verpassen. Charles Vögele hat aber auch die Übergrössen-Linie Grandiosa eingeführt. Die Frauenkleider ab Grösse 48 machen bereits zwei Prozent des Umsatzes aus (28 Mio. Fr.).

Starkes Wachstumspotenzial

«Wir sehen bei den Übergrössen aber noch starkes Wachstumspotenzial, weil sich die Körperformen verändern und rechnen damit, dass sich die Umsätze innert fünf Jahren mindestens verdoppeln», erklärt André Maeder, CEO von Charles Voegele. Möglich sei, dass der Konzern die Linie auch auf eine Herrenkollektion ausweite. Das Ziel: Auch Übergewichtige sollen modische Kleider haben können. Besondere Herausforderung: Kleider für festere Menschen müssen bequem sein (zum Beispiel weite und moderne Schnitte) und trotzdem gut aussehen. Auch das Warenhaus Manor überlegt sich laut Sprecherin Elle Steinbrecher, mittelfristig eine eigene Linie für Übergrössen zu lancieren.

Dass bei den Dicken in der Schweiz Wachstumspotenzial vorhanden ist, zeigt auch der Erfolg des Modehauses Ulla Popken. Das deutsche Übergrössenlabel führt in der Schweiz bereits seit mehr als zehn Jahren Boutiquen und einen Versandhandel. «In dieser Zeit sind wir stetig gewachsen. Besonders bei den grossen Nummern bis zu Grösse 64 beobachten wir einen starken Anstieg», so Claudia Puchinger, Filialleiterin in Zürich. Nach dem Erfolg bei den Frauen hat das Label auch einen Versandhandel für die Herrenkollektion aufgezogen.

Angebote für Lange

Beim Modehaus PKZ machen Übergrössen bereits vier Prozent des Umsatzes aus. Und laut CEO Olivier Burger besteht weiter grosses Wachstumspotenzial. «Es kann gut sein, dass wir in fünf Jahren schon fünf Prozent Umsatzanteil in diesem Segment machen», sagt er. Bei PKZ sind allerdings vor allem die so genannten Langgrössen die Umsatztreiber. Für sie gibt es bereits eine eigene Ecke, den «Tall Man Corner». «Insbesondere hier erweitern wir ständig das Angebot. Denn die Menschen werden immer grösser»,erklärt Burger. Das Angebot reicht von überlangen Hosen, über Vestons und Hemden mit längeren Ärmeln bis zu Krawatten, die bei Zweimeter-Männern nicht schon am Bauchnabel enden.

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