Aktualisiert 18.05.2015 14:25

BiobuntDie Modewelt steht auf Schweizer Öko-Nagellack

Weil sie keinen biologischen Nagellack fand, kreierte Kartika Luyet ihren eigenen. Inzwischen hat sie weltweit rund 500'000 Flakons verkauft.

von
Claudia Landolt
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Weil sie als Schwangere einfach keinen Nagellack mit natürlichen Inhaltsstoffen fand, kreierte Kartika Luyet 2012 ihren eigenen.

Weil sie als Schwangere einfach keinen Nagellack mit natürlichen Inhaltsstoffen fand, kreierte Kartika Luyet 2012 ihren eigenen.

Passend zur ersten Organic-Haute-Couture-Show des japanischen Designers Yoshiki Hishinuma in Paris präsentierte Kure Bazaar 2012 die gleichnamige Nagellacklinie.

Passend zur ersten Organic-Haute-Couture-Show des japanischen Designers Yoshiki Hishinuma in Paris präsentierte Kure Bazaar 2012 die gleichnamige Nagellacklinie.

Sie nannte ihr Label «Kure Bazaar», den «pflegenden Markt». 2012 mit ein paar Dutzend Farben gegründet, gibts heute 70. Diese heisst «Kale», benannt nach dem gleichnamigen grünen Superfood (Federkohl).

Sie nannte ihr Label «Kure Bazaar», den «pflegenden Markt». 2012 mit ein paar Dutzend Farben gegründet, gibts heute 70. Diese heisst «Kale», benannt nach dem gleichnamigen grünen Superfood (Federkohl).

Nagellacke haben nicht den besten Ruf. Viele sind nämlich regelrechte Chemiebomben, wie das Magazin Ökotest

regelmässig enthüllt. Die darin enthaltenen Hilfsstoffe wie etwa Phenol stehen im Verdacht, das Erbgut zu schädigen. Ebenso umstritten sind Stoffe petrochemischen Ursprungs wie Benzol.

Das ärgerte Kartika Luyet. Während ihrer Schwangerschaft suchte das Ex-Model nach Nagellacken, die ihrem Baby im Bauch nicht schaden würden. Weil die aus dem Wallis stammende 38-Jährige nicht fündig wurde, machte sie sich zusammen mit einem Freund daran, eine Formel für ökologische Nagellacke zu finden.

Ökolack aus Zellstoff oder Mais

Nach vier Jahren Forschung und einem Darlehen von 200'000 Franken wurde der erste Öko-Nagellack der Welt produziert. Luyet nennt das Label «Kure Bazaar». Der Grund: «Der Name Kure kommt von Care und steht für Pflege und Maniküre». Und «Bazaar» steht für die bunten Farben von Märkten wie in Istanbul und Marrakesch.

Ökologisch ist der Nagellack, weil er nur natürliche Ingredienzen, darunter Zellstoff, Getreide, Baumwolle, Kartoffeln und Mais enthält – bis zum derzeit höchstmöglichen Grad von 85 Prozent. Der Weg dahin war aber steinig. «Immer wenn wir glaubten, die richtige Formel gefunden zu haben, gab es ein anderes Problem», erzählt die heute in Dubai lebende Exilschweizerin Luyet. Entweder war der Lack zu langsam getrocknet oder er glänzte nicht genug.

Farben für Bio-Haute-Couture

Dass ihre Lacke 2012 an den Fashion Shows in Paris debütierten, verdankt Luyet einem Zufall. Sie traf den japanischen Designer Yoshiki Hishinuma, der seine erste Bio-Haute-Couture präsentierte und kam mit ihm ins Gespräch. Gemeinsam mischten sie aus Spass ein paar Farben, die dann seine Models trugen. Das Label gewann die Aufmerksamkeit der grossen Magazine. «Ich hatte überhaupt nicht daran gedacht, dass daraus so schnell ein Business entstehen würde«, so Luyet. Heute sind ihre Lacke in zehn Ländern erhältlich und sie beschäftigt 20 Angestellte. Das Ziel bis 2016: Eine Million Kundinnen weltweit.

«Nagellacke sind die neuen Handtaschen», hatte Chanel-Chef Karl Lagerfeld vor Jahren prophezeit. Natürlich vermochte es nur das Modehaus in Paris, einzelne Lacktöne zu Objekten der grössten Beauty-Begierde zu machen. Man denke nur an den Klassiker «Rouge Noir», mit dem der Hype begann. Oder «Frenzy», einem Grau-Beige-Gemisch, kurz Greige genannt. Fashionistas rund um den Globus sahen sich um den Verstand gebracht und suchten weltweit nach Flakons einer bestimmten Farbe. Special Editions waren jeweils innert wenigen Tagen ausverkauft.

Wie die Handtasche ein Must-have

Daran hat sich bis heute wenig geändert. Kartika Luyet sagt: «Versteht man unter einer neuen Handtasche ein Must-have-Accessoire, dann gehört Nagellack bestimmt dazu.»

Eine Statistik von Eurostat bestätigt das. Der Anteil jener Frauen, die ihre Nägel regelmässig lackieren, ist von 2010 bis 2014 kontinuierlich gestiegen. Rund 11 Millionen Frauen in Deutschland lackieren heute mehrmals pro Monat ihre Nägel.

Der Markt für dekorative Kosmetik ist generell krisenresistent und wächst pro Jahr um sechs Prozent. Gemäss einer Marktstudie beträgt der Umsatzanteil von Nagellack am gesamten Dekorativmarkt 39,3 Prozent.

160 Euro geben laut Eurostat 2012 die Deutschen pro Jahr für Pflegeprudkte und Kosemetika aus. Das sind 80 Euro weniger als für Kleidung. Der Umsatz mit dekorativer Kosmetik hat in den Jahren 2004 bis einschließlich 2014 kontinuierlich zugenommen. Im Jahr 2004 konnten in Deutschland insgesamt rund 1,15 Milliarden Euro umgesetzt werden. Dekorative Kosmetik gehört zu den drei wichtigsten Teilsegmenten im Markt für Körper- und Schönheitspflegeprodukte.

160 Euro geben laut Eurostat 2012 die Deutschen pro Jahr für Pflegeprudkte und Kosemetika aus. Das sind 80 Euro weniger als für Kleidung. Der Umsatz mit dekorativer Kosmetik hat in den Jahren 2004 bis einschließlich 2014 kontinuierlich zugenommen. Im Jahr 2004 konnten in Deutschland insgesamt rund 1,15 Milliarden Euro umgesetzt werden. Dekorative Kosmetik gehört zu den drei wichtigsten Teilsegmenten im Markt für Körper- und Schönheitspflegeprodukte.

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