Aktualisiert 13.08.2009 13:23

Morden für die Einschaltquote«Die Mordanweisung kam immer vom Chef»

Er war immer als Erster am Schauplatz des Verbrechens, er war immer der Erste, der darüber berichtete, egal, wo es passierte: Wallace Souza bot den Zuschauern seiner TV-Sendung einen Primeur nach dem anderen – denn er selber kümmerte sich darum, dass es etwas zu berichten gab.

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Die unglaubliche Fähigkeit des brasilianischen Moderators Wallace Souza liess die Polizei aufhorchen: Der Mann, der auch Regionalabgeordneter im Bundesstaat Amazonas ist, schaffte es in mindestens fünf Fällen, von einem Mordtatort aus zu berichten, bevor die Polizei kam. In einem Fall behauptete er sogar, die Leiche eines erschossenen Drogendealers sei «so frisch, dass man sie noch rauchen sieht».

Zwei Fliegen auf einen Schlag

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen Wallace Souza und seinen Sohn, den Produzenten der Show. Sie werden der Bildung einer kriminellen Vereinigung, des Drogenhandels, Zeugenbestechung und illegalen Waffenbesitzes beschuldigt. Vater und Sohn sollen mindestens fünf Morde in Auftrag gegeben haben, um die Einschaltquote der TV-Sendung zu erhöhen.

Souza Junior sitzt in Untersuchungshaft, er soll laut brasilianischen Medien vorbestraft sein. Sein Vater hingegen ist wegen seiner Immunität als Abgeordneter noch auf freiem Fuss. Für Chefermittler Thomaz Vasconcelos ist es klar: «Die Anweisung, zu morden, kam immer von den beiden, die auch die Fernsehteams losschickten, damit sie vor dem Eintreffen der Polizei berichten konnten.»

Die Morde an den mutmasslichen Drogenhändlern waren nach der Meinung von Ermittler Vasconcelos «eine runde Sache»: «Sie liessen Drogendealer ermorden, die ihnen im eigenen Geschäft in die Quere kamen. So haben sie sie als Konkurrenten aus dem Weg geräumt und gleichzeitig eine höhere Einschaltquote ihrer Sendung erzielt.»

«Es gibt keine Beweise»

Souzas Anwalt Francisco Balieiro beteuert, sein Mandant sei unschuldig. Es handle sich um eine Verleumdungskampagne seiner politischen Gegner, sagte er den Medien. «Es gibt keinen einzigen Beweis», behauptet der Anwalt. Doch neben den Souzas wurden weitere 15 Personen festgenommen, darunter mehrere Polizeibeamte.

Aufgeflogen war der Fall vor zwei Tagen, nachdem ein Ex-Polizist den Ermittlern genaue Details zu den Mordplänen verriet. Der Zeuge gab an, Souza habe die Morde in Auftrag gegeben. Die Filmaufnahmen vom Tatort wurden dann vom Fernsehsender Canal Livre in Souzas täglicher Sendung, die über Verbrechen in der Region berichtet, gezeigt.

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