Russisches Flaggschiff: Die Moskwa fällt aus – das schmerzt  Moskau gleich mehrfach 
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Russisches FlaggschiffDie Moskwa fällt aus – das schmerzt  Moskau gleich mehrfach 

Gesunken, sagen die USA, ist das russische Flaggschiff zwar nicht. Aber die Moskwa dürfte für längere Zeit ausfallen. Es gibt mehrere Gründe, wieso Russland das sehr schmerzen dürfte. 

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180 Meter lang, 11’500 Tonnen schwer, über 500 Mann an Bord: Die Moskwa. 

180 Meter lang, 11’500 Tonnen schwer, über 500 Mann an Bord: Die Moskwa. 

Russisches Verteidigungsministerium
Ob auf dem russischen Flaggschiff ein Brand ausbrach und Munition explodierte, wie Moskau sagt, oder …  

Ob auf dem russischen Flaggschiff ein Brand ausbrach und Munition explodierte, wie Moskau sagt, oder …  

REUTERS
… ob der Kreuzer von einer ukrainische Neptune-Rakete getroffen wurde, wie Kiew sagt, ist noch unklar. 

… ob der Kreuzer von einer ukrainische Neptune-Rakete getroffen wurde, wie Kiew sagt, ist noch unklar. 

Sceenshot NavalNews

Darum gehts

Das schmerzt Moskau und lässt Kiew jubeln: Das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte ist am Mittwochabend entweder durch eine ukrainische Rakete zerstört worden und gesunken oder durch einen Brand an Bord stark ramponiert worden – je nachdem, ob man ukrainische oder russische Quellen heranzieht. Soeben haben die USA mitgeteilt, dass das Schiff nicht gesunken sei und aus eigener Kraft in den russischen  Schwarzmeerhafen Sewastopol zurückzukehren scheine. 

Auf jeden Fall wird die über 180 Meter lange Moskwa entweder ganz oder zumindest eine Zeit lang ausfallen, was symbolische und militärische Wirkung hat. Symbolisch insofern, dass die Moskwa – in den 70er-Jahren in der Ukraine gebaut und 1983 zu Wasser gelassen – mit ihren 11’500 Tonnen und mehreren Waffensystemen als das stärkste und stolzeste Kriegsschiff im Schwarzen Meer gilt.

Psychologischer Tiefschlag

Der mögliche Verlust des Kolosses dürfte die Kampfmoral der Ukrainer im gleichen Masse beflügeln, wie die russische in den Keller sinken lassen. Dass in der Ukraine seit Mittwoch Briefmarken mit «Russian warship go f*** yourself» erhältlich sind, die sich explizit auf die Moskwa beziehen, dürfte die ukrainische Schadenfreude ins Unermessliche steigen lassen, das Timing passt einfach zu gut. 

Der Verlust von solchen bedeutenden Kriegsschiffen löse in der Regel ein nationales Trauma aus, schreibt das Fachportal «Naval News». Zudem stehe der Name des Schiffes für die Hauptstadt Russlands, was den psychologischen Tiefschlag noch verstärken dürfte. «Der Verlust eines Kriegsschiffs unterscheidet sich deutlich von dem anderer Kriegsgeräte, da solche Schiffe als Verlängerung des eigenen Territoriums betrachtet werden.» 

Militärische Konsequenzen

Die tragende militärische Rolle der Moskwa dürfte den russischen Schmerz über den Ausfall noch vertiefen. So führte die Moskwa nicht nur die russische Flotte seit Beginn des Krieges an und spielte eine Schlüsselrolle bei der Einnahme von Snake Island, einer strategisch wichtigen ukrainischen Insel im Schwarzen Meer. Sie gewährte anderen Schiffen Luftschutz und war vor allem auch Trägerin von Marschflugkörpern, die im Landesinneren Ziele in über 700 Kilometer Distanz erreichen können. 

Der Verlust der Moskwa sei für beide Seiten im Ukraine-Krieg von Bedeutung, sind sich Marine-Experten auf Twitter einig. Allein schon deswegen, weil die russische Marine als wichtiger Verband bei der vollständigen Einnahme der belagerten Hafenstadt Mariupol gilt.

Hoffnung für Mariupol? 

Ohne ihr Flaggschiff, das ihnen Schutz gewährt, müssen russische Kriegsschiffe künftig mehr Abstand zur ukrainischen Küste halten, um nicht in die Reichweite von Antischiffsraketen zu geraten. Schon wird spekuliert, dass der Ausfall der Moskwa eine Trendwende für das schon unausweichlich erscheinende Schicksal Mariupols einleiten könnte. 

Sicher ist: Die Moskwa lässt sich so schnell nicht ersetzen. Obwohl zwei weitere russische Kreuzer derselben Klasse im östlichen Mittelmeer unterwegs sind, können sie nicht zur Verstärkung der Schwarzmeerflotte kommen – die Türkei hat den Bosporus für russische Kriegsschiffe mehr oder weniger blockiert. 

(gux)

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