Die Muse

Aktualisiert

Die Muse

Hollywoods Frau der Stunde heisst Scarlett Johansson. Nicht nur in ihren Filmen mimt sie die Muse älterer Männer. Mit Brian de Palma und Woody Allen inszenieren zwei Regisseure der alten Garde den Shooting-Star von bisher unbekannten Seiten.

«Wenn sie auftaucht, leuchtet das Set.» Woody Allen kommt aus dem Schwärmen nicht heraus, wenn er vom Dreh mit Scarlett Johansson erzählt. «Sie kann einfach alles. Es ist, als hätte ich den Jackpot geknackt.» Auch Hugh Jackman, ihr Schauspiel-Partner im jüngsten Allen-Film «Scoop», schwärmt: «So ziemlich jeder im Team war in sie verknallt.»

Scarlett Johansson scheint alles zu gelingen. Schon mit zehn Jahren stand sie in Hollywood vor der Kamera und erlangte drei Jahre später mit «The Horse Whisperer» erstmals internationale Beachtung. Im Coen-Film «The Man Who Wasn't

There» zog sie als Teenagerin mit Lolita-Touch Billy Bob Thornton in ihren Bann. Er blieb nicht die einzige von einer Midlife-Crisis geplagte Figur, bei der die Blonde mit dem Schmollmund Sehnsüchte weckte. In «Lost in Translation» verfiel ein alternder Action-Star (Bill Murray) der kaum Zwanzigjährigen. Es war die Rolle, die Johansson endgültig berühmt machte.

Noch im gleichen Jahr inspirierte sie als keusche Schönheit in «Girl With a Pearl Earring» einen Maler zu einem Meisterwerk. Mit «The Island» und «Match Point» verabschiedete sie sich dann von den platonischen Liebesbeziehungen zu älteren Männern. Ihr Imagewechsel von der zurückhaltenden Unschuld zur Blondine mit Sex-Appeal geriet jedoch etwas aus dem Ruder. Mit Schlagzeilen wie «Scarlett steht auf Sex im Auto» konkurrenzierte sie in den Klatschspalten mit Paris Hilton und verbreitete den Eindruck, sie sei ein frivoles Betthäschen. Nun ist sie bemüht darum, diesen Ruf wieder zu korrigieren und sich zur stilvollen Hollywood-Diva zu entwickeln.

Gelegenheit dazu, sich als kühle Blonde zu inszenieren, hat sie in Brian De Palmas Noir-Thriller «The Black Dahlia» bekommen. Johanssons Figur ist in dem Thriller gleichzeitig mit den beiden ermittelnden Polizisten befreundet. Einer von ihnen wird von ihrem Lebenspartner Josh Hartnett gespielt. Der Teenie-Schwarm ist von seiner Rolle als abgebrühter Cop aber sichtlich überfordert und wirkt viel zu harmlos. Seine sechs Jahre jüngere Freundin füllt ihre Rolle dagegen souverän aus und spielt Hartnett an die Wand.

Mittlerweile wird Scarlett Johansson schon mit Marilyn Monroe verglichen. Doch Woody Allen setzt noch einen drauf und meint: «Die schauspielernde Marilyn hatte ihre Grenzen, aber die sehe ich bei Scarlett nicht.»

Matthias Affolter

Scarlett: Ihre neuen Filme

THE BLACK DAHLIA

Zu seinem zweiten Kultroman (neben «L.A. Confidential) liess sich James Ellroy vom Mord an Hollywood-Sternchen Betty Ann Short inspirieren, der bis heute unaufgeklärt blieb. Die Verfilmung von Brian de Palma inszeniert mit grossem Aufwand ein düsteres Bild vom Los Angeles der Vierzigerjahre. Insgesamt muss der Film allerdings als eher durchzogenes Werk gewertet werden. Es gibt zwar gelungene Momente, doch die Spannung kann nicht über die gesamte Länge gehalten werden.

SCOOP

Nach «Match Point» Woody Allens zweite Mörder-Geschichte aus London. Die leichtere Variante steht dem Vorgänger zwar etwas nach, bereitet aber dennoch viel Vergnügen. Der Stadtneurotiker kehrt zur Komödie zurück und tritt als Varieté-Zauberer Splendini auch selbst wieder vor die Kamera. Während seiner Show bittet er die Journalismus-Studentin Sondra Pransky (Scarlett Johansson) auf die Bühne. Dort erscheint ihr ein Geist, der sie auf die Spuren eines Mörders führt.

Deine Meinung