Aktualisiert 06.02.2008 14:47

Die mutmasslichen «Apartheid-Clubs»

Die Diskussion um Passkontrollen an Club-Eingängen hat gezeigt: Viele Clubs lassen bestimmte Ausländer-Gruppen nicht rein. Trotz breiter Zustimmung geben sich die Clubbesitzer lieber ahnungslos.

Zahlreiche Mails an und TalkBack-Einträge auf 20minuten.ch haben gezeigt: Das Barstreet-Festival und das Quasimodo in Bern sind nicht die einzigen Clubs, die an der Tür nach Nationalitäten oder Hautfarbe filtern. Vielen anderen Clubs wird ähnliches Vorgehen vorgeworfen.

20minuten.ch hat eine Liste der mutmasslich problematischen Clubs zusammengestellt und die Besitzer mit den Vorwürfen der User konfrontiert. Anders als die Betreiber des Baarstreet Festivals und des Quasimodo in Bern stellten diese die problematischen Einlass-Praktiken auf Anfrage in Abrede.

20minuten.ch listet ausschliesslich Clubs, die von mindestens zwei Personen unabhängig voneinander wegen diskriminierender Einlass-Selektion bei 20minuten.ch oder der Aktion «Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus» gemeldet worden sind.

Bern:

Der Club Quasimodo akzeptiert nur Gäste mit einem Schweizer Pass oder einem Ausländerausweis C. Besitzer Markus Wittwer: «Wir müssen irgendwo eine Grenze ziehen.»

Die Lokale Art Café und Eclipse sind von mehreren Usern und abgewiesenen Besuchern gemeldet worden. Geschäftsführer der beiden Lokale ist Ralf Jansen. Er stellt in Abrede, dass gewissen Ausländergruppen nicht eingelassen werden. «Ausweiskontrollen machen wir nur wegen der Alterskontrolle», sagt Jansen.

Das Mad Wallstreet in Bern ist den 20minuten.ch-Usern am meisten wegen diskriminierender Einlasskriterien aufgefallen. Die Türsteher kontrollierten den Nachnamen auf den Ausweisen. Wessen Name auf –ic endet, bleibt draussen, auch amerikanische Gäste ohne Schweizer Ausweise wurden abgewiesen. Dazu Geschäftsführer Reto Bucher: «Wir haben knallharte Filter-Kriterien und sind deshalb als sicherer Club bekannt. Mit der Nationalität hat die Selektion an der Tür aber nichts zu tun.» Bucher betreibt gleichnamige Clubs in Luzern und Ascona.

Die Perry Bar/Räbluus in Bern ist mehrmals aufgefallen, weil Touristen oder Englisch sprechende Personen nicht eingelassen wurden. Zwei griechische Ärztinnen seien wegen fehlenden Schweizer Passes abgewiesen worden. Dazu Geschäftsführer Vincent von Wattenwyl: «Wir haben überhaupt kein Ausländerproblem hier. Eine Selektionierung nach Aufenthaltsstatus nehmen wir sicher nicht vor.»

Luzern:

Mehrmals wegen diskriminierender Einlass-Praktiken erwähnt wurde das Froschkönig in Luzern. Alle Ausweise werden kontrolliert, mehrere Personen mit ausländisch klingenden Namen berichten, nicht eingelassen worden zu sein, es werde nach Nachname selektioniert. Geschäftsführer Tino Lehner weist den Vorwurf diskriminierender Einlasskontrollen von sich: «Wir lassen Menschen aller Couleur in den Club. Die strikten Ausweiskontrollen nehmen wir wegen der Altersgrenze vor.»

St. Gallen:

Zwei voneinander unabhängige Quellen berichten, das im vergangenen Herbst vermehrt Personen schwarzer Hautfarbe nicht in die Seeger Bar eingelassen worden sind. Geschäftsführer Erkan Tanir ist ob der Vorwürfe erstaunt: «Wir haben einen schwarzen Resident DJ, ich selber bin Türke. Glauben Sie im Ernst, ich würde eine Selektion nach solchen Kriterien zulassen?»

Aarau:

Laut einem 20minuten.ch-User sind die Türsteher im Club Kettenbrücke angewiesen, keine Albaner mehr einzulassen. Zur Erkennung diene eine rigide Ausweiskontrolle. Geschäftsführer August Burkart weist den Vorwurf der Diskriminierung von sich. «Klar machen wir eine Ausweiskontrolle, wir haben auch Kameras an den Eingängen, aber das irgendwelche Bevölkerungsgruppen a priori ausgeschlossen werden, stimmt ganz sicher nicht.»

Zürich:

Der Nobel-Club Platins im Shopping-Center Sihlcity versucht laut gut unterrichteten Quellen, die Anzahl albanischer Besucher zu minimieren. So seien etwa Reservationen von VIP-Lounges auf albanische Namen ohne Begründung gestrichen worden. Auch bei der Einlasskontrolle würde nach albanischen Gästen Ausschau gehalten. Geschäftsführer Daniele Pelletieri: «Das ist Blödsinn. Wir achten auf einen guten internationalen Mix, der eine gute Party garantiert. Möglich, dass Leute nicht reingekommen sind, weil der Männeranteil im Club schon zu hoch war.»

Maurice Thiriet, 20minuten.ch

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